Älterwerden kostet halt: Darum rechnet die Stadt Frauenfeld im Budget 2020 abermals mit einem Mehraufwand bei den Gesundheitskosten

Ohne neuen Kostenteiler des Kantons müsste Frauenfeld kommendes Jahr eine halbe Million Franken mehr an Pflegekosten zahlen. Zum Glück sind es aber nur 35'000 Franken mehr. 

Mathias Frei
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Die Parksiedlung Talacker auf dem Areal des städtischen Alterszentrums Park in Frauenfeld.

Die Parksiedlung Talacker auf dem Areal des städtischen Alterszentrums Park in Frauenfeld.

(Bild: Thi My Lien Nguyen)

Das eine sind die Zahlen, vor allem in Frankenbeträgen. Das andere sind die Frauenfelder, für welche die Stadt dieses Geld aufwendet. Fakt ist: Die Leute werden älter als früher, im Thurgau ist das nicht anders. Und je älter man ist, desto mehr Pflege braucht man, sei es durch die Spitex ambulant oder in einem Altersheim stationär.

«Sowohl die Kosten für die ambulante als auch für die stationäre Pflege sind im Steigen begriffen.»

Das stellt Stadträtin Elsbeth Aepli als Departementsvorsteherin Alter und Gesundheit fest. Was die Höhe der Kosten betrifft, so sei der Einfluss der Stadt an einem relativ kleinen Ort.

Stadträtin Elsbeth Aepli.

Stadträtin Elsbeth Aepli. 

(Bild: Donato Caspari)

In Aeplis Departement für Alter und Gesundheit sind von Ausgaben in Höhe von 7,938 Millionen Franken deren 6,817 Millionen gebundene Kosten. «Im ambulanten Pflegebereich können wir aber zumindest beeinflussen, wofür das Geld verwendet wird», erklärt Stadträtin Aepli. Für sie steht auf jeden Fall fest:

«Jeder Franken, den wir für unsere älteren Mitbürger aufwenden, ist es wert.»

Ein Glück, dass der Kanton ab 2020 auf einen neuen Kostenteiler bei den Pflegekosten setzt. Bliebe alles beim Altem, würden die Kosten in der ambulanten Pflege von 1,902 Millionen Franken (Budget 2019) auf 2,261 Millionen im kommenden Jahr steigen. In der stationären Pflege stiegen die Kosten von 1,925 Millionen auf 2,087 Millionen.

«Ehrenamtliche Betreuung sollte anrechenbar sein»

Freiwilligenarbeit macht im sozialen Bereich einen nicht unwesentlichen Teil aus. Der Stellenwert von ehrenamtlichen Einsätzen etwa in der Entlastung von betreuenden Angehörigen beim Mahlzeitendienst oder Besuchsdienst kann deshalb nicht gross genug sein. Dieser Meinung ist Stadträtin Elsbeth Aepli. In Frauenfeld werde Freiwilligenarbeit hochprofessionell koordiniert. Der Verband Thurgauer Gemeinden (VTG) hat sich diesen Sommer vernehmen lassen zur regierungsrätlichen Verordnung betreffend Umsetzung von § 27 und § 27a im Krankenversicherungsgesetz. Der VTG schlug vor, jede nachgewiesene Stunde Freiwilligenarbeit zu Gunsten kranker oder behinderter Menschen mit zehn Franken anrechenbar zu machen. Die Gemeinde müsste aber den vierfachen Betrag der anrechenbaren Summe in Koordination und Ausbildung in der Freiwilligenarbeit investieren. Der VTG schreibt, freiwilliges Engagement sei finanz- und sozialpolitisch anzustreben. Stadträtin Aepli steht klar hinter der VTG-Antwort. Der Kanton jedoch hat von der vorgeschlagenen Anpassung abgesehen. (ma)

Mit dem neuen Kostenteiler gibt es eine Entlastung im Ambulant-Bereich. Der Kanton übernimmt neu 40 Prozent der Kosten. Bislang belastete dieses Konto zu 100 Prozent die Gemeindekassen. Eine Mehrbelastung gibt es hingegen stationär. Aktuell teilen sich Kanton und Gemeinde die Pflege-Restkosten hälftig. Neu müssen die Gemeinden 60 Prozent übernehmen, der Kanton steuert noch 40 Prozent bei. Statt mit Mehrkosten von 520'000 Franken ohne neuen Kostenteiler muss Aeplis Departement im Budget 2020 noch mit einer Kostensteigerung von 35'000 Franken rechnen.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

(Bild: Benjamin Manser, 9.August 2018)

Personalkosten haben in Pflege sehr grossen Anteil

Die Ausgaben im Gesundheitsbereich würden in der Region bleiben. Das sei gewissermassen ein geschlossener Kreislauf, erklärt Stadträtin Aepli.

«Der Fokus müsste eigentlich vielmehr auf einer möglichst hohen Lebensqualität im Alter liegen statt auf den Kosten.»

In der Pflege machen die Personalkosten einen sehr grossen Teil aus. Aepli sagt, über tiefer qualifiziertes oder weniger Pflegepersonal im Alterszentrum Park (AZP) könnte man diskutieren. Durch die tieferen Personalkosten würden auch die Normkosten sinken. Aber so Kosten zu sparen, dürfe nicht das Ziel sein. Denn davon seien die AZP-Bewohner direkt betroffen. Zudem sei der Einfluss auf den kantonalen Topf, in den alle Pflege-Restkosten fliessen und danach nach Einwohnerzahl verteilt werden, verschwindend klein.

Prämienverbilligungen: Mehr als im Budget 2019

Bei den Beiträgen an den Kanton für die Individuelle Prämienverbilligung (IPV) rechnet die Stadt mit einer Kostensteigerung gegenüber Budget 2019 von 323'000 Franken. Der Budgetposten 2020 beträgt damit 2,86 Millionen Franken. «In diesem Bereich haben wir null Einfluss», sagt Stadträtin Elsbeth Aepli. Laut der aktuellen Mitteilungen des Regierungsrates stehen für die IPV im Kanton Thurgau für das kommende Jahr 151,6 Millionen zur Verfügung. Daran leistet der Bund einen Beitrag von 92,5 Millionen Franken. (ma)

Im ambulanten Bereich könne man mit städtischen Projekten beeinflussen, wie der Steuerfranken eingesetzt werde. So ist in jüngerer Vergangenheit der Anteil an Hauswirtschaftsleistungen bei der Spitex gesunken. Hier zeigten Nachbarschaftshilfe, wie sie etwa im Rahmen von «Älter werden im Quartier» (Awiq) gefördert worden ist, oder eine Leistungsvereinbarung mit externen Anbietern ihre Wirkung.

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