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Mehr Angebot als Nachfrage bei der Nachbarschaftshilfe in Frauenfeld

Die neue Nachbarschaftshilfe im Ergaten-Talbach kommt nur langsam voran. Bisher fehlt es primär an etwas: Mut.
Samuel Koch
Erklären, wie ein Smartphone funktioniert, ist ein mögliches Angebot der Nachbarschaftshilfe. (Bild: PD)

Erklären, wie ein Smartphone funktioniert, ist ein mögliches Angebot der Nachbarschaftshilfe. (Bild: PD)

Das Problem nennt Hansjörg Rietmann rasch beim Namen – die Mentalität von Herr und Frau Schweizer. «Das ist doch typisch, solange man kann, macht man etwas selber», sagt der umtriebige Initiant der neuen Nachbarschaftshilfe und Talentbörse im Quartier Ergaten-Talbach. Das Angebot läuft nun offiziell seit knapp einem halben Jahr und ist vom Quartier Kurzdorf im Rahmen des Pilotprojekts «Älter werden im Quartier» (Awiq) adaptiert worden.

Seit Beginn im Ergaten-Talbach, in dem über ein Fünftel der Stadtbevölkerung mit prozentual hohem Altersanteil wohnt, überwiegt das Angebot weiterhin die Nachfrage. Deshalb rührt Rietmann die Werbetrommel für die kostenlose Dienstleistung mit mittlerweile 35 freiwilligen Helfern. Er meint:

«Sie wollen genutzt werden, sonst verfliegt die jetzige Euphorie wieder.»

Hansjörg Rietmann, Initiant Nachbarschaftshilfe Ergaten-Talbach. (Bild: Samuel Koch)

Hansjörg Rietmann, Initiant Nachbarschaftshilfe Ergaten-Talbach. (Bild: Samuel Koch)

Gleichzeitig versucht Rietmann mit den Mitgliedern der Betriebsgruppe, bei der Bevölkerung Hemmungen abzubauen. «Es braucht ein bisschen Mut, zum Hörer zu greifen und Hilfe in Anspruch zu nehmen», meint er. Dafür arbeitet etwa mit Claire Bont ein bekanntes Gesicht bei der Vermittlungsstelle, und auch die Helfer kommen aus der direkten Nachbarschaft.

Anrufen, erfassen, Tandem vermitteln

Nachbarschaftshilfe kann ganz unterschiedlicher Natur sein: Briefkasten leeren, Entsorgen, kleinere Garten- oder Unterhaltsarbeiten, Fahrdienste sowie auch Unterstützung beim Computer oder beim Smartphone. Wer die bisher beinahe noch ungenutzte und kostenlose Dienstleistung in Anspruch nehmen will, ruft bei der Vermittlungsstelle an. «Dort wird die Anfrage in einem EDV-System erfasst, damit das optimale Tandem gebildet werden kann», sagt Rietmann.

Ursi Stöcklin erledigt für Frau Gerber im Kurzdorf die Einkäufe. (Bild: Andrea Stalder, März 2017)

Ursi Stöcklin erledigt für Frau Gerber im Kurzdorf die Einkäufe. (Bild: Andrea Stalder, März 2017)

Derzeit ruft pro Woche rund eine Handvoll Leute an, bisher haben sich jedoch erst knapp 20 erfolgreiche Gemeinschaften gebildet, die auch später wieder zum Einsatz kommen könnten.

«Es läuft gut, aber es könnte noch besser sein.»

Mit ihrem Engagement wollen Initiant Rietmann und sein Team der Gesellschaft etwas zurückgeben, das Hand und Fuss hat. «Wir wollen etwas Nachhaltiges auf die Beine stellen, das nicht nur Alte, sondern auch Junge anspricht», meint er. Dabei spricht er auch die neue Talentbörse an, bei welchem Menschen ihre Fähigkeiten in der Gruppe teilen können: Fotografieren, Musizieren, Spielen, Zeichnen oder einfach nur vom gemeinsam Wandern oder Spazieren.

Vom System her funktioniert das Angebot identisch wie die Nachbarschaftshilfe. «Das Ziel ist klar, dass die sozialen Kontakte und die Geselligkeit gefördert werden», meint Rietmann. Auch bei diesem Angebot, das unter der Leitung von Roland Büchi läuft, werden weiterhin noch ehrenamtliche Mitwirkende gesucht.

Stadt wirbt mit einem neuen Videobeitrag

Für die noch schleppend angelaufene Nachbarschaftshilfe jedenfalls wirbt die Stadt seit kurzem auch mit einem Videobeitrag, der in Zusammenarbeit mit den Frauenfelder Filmemachern von «bemoved» zu Stande gekommen ist und den die Stadt finanziert hat. Laut dem städtischen Amt für Alter und Gesundheit ist es erwünscht, das modifizierte Modell aus Ergaten-Talbach auf die weiteren Quartiere in der Stadt zu erweitern. Reaktionen aufs Video hat Hansjörg Rietmann einige erhalten.

Aber es gibt auch noch Baustellen. «Wenn uns heute jemand aus dem Langdorf anruft, können wir ihm leider nicht weiterhelfen», meint Rietmann. Deshalb suchen die Stadt und der Dachverband Freiwilligenarbeit (Dafa) als Trägerschaft auch Leute, die in anderen Quartieren als Helfer in Frage kommen. «Wir harmonisieren derzeit das Logo und die Telefonnummer, damit sich das Angebot auf die ganze Stadt ausbreiten kann», meint er. Für den richtigen Erfolg brauche es aber auch noch Zeit, etwas Mut und vielleicht ein bisschen atypisch schweizerisches Verhalten.

Weitere Quartiere sind im Gespräch

Die bisher eingeführten Nachbarschaftshilfen im Kurzdorf und Ergaten-Talbach sind dem Dachverband für Freiwilligenarbeit (Dafa) angegliedert. Laut Urban Kaiser, Leiter des zuständigen Amtes für Alter und Gesundheit, sind zwei Gründe dafür entscheidend: «Einerseits wegen der Versicherung, andererseits wegen der einfacheren Abwicklung.» Im Rahmen der Quartierentwicklung ist im Huben ab Herbst ebenso eine Nachbarschaftshilfe geplant. In Gerlikon hat es laut Kaiser auch schon Gespräche gegeben. (sko)

Weitere Infos: www.dafa-frauenfeld.ch

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