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Adieu statt Grüezi: Steckborn weiht Gedenkstätte für Sternenkinder ein

Auf dem Steckborner Friedhof gibt es seit Anfang Woche eine Gedenkstätte für Sternenkinder. Hierfür hat der Bildhauer Urs Traber eine Skulptur geschaffen. Inspiriert hat ihn das Räbeliechtli seiner jüngsten Tochter.
Rahel Haag
Gemeindeleiter Thomas Mauchle segnet gemeinsam mit Pfarrerin Sabine Gäumann die Gedenkstätte für Sternenkinder. (Bild: Donato Caspari)

Gemeindeleiter Thomas Mauchle segnet gemeinsam mit Pfarrerin Sabine Gäumann die Gedenkstätte für Sternenkinder. (Bild: Donato Caspari)

Der Himmel sieht bedrohlich aus, verdunkelt von schwarzen Wolken. Der Wind zerrt an Mänteln und Haaren, löscht Teelichter. Dann bahnt sich die Sonne doch noch ihren Weg. Für einen kurzen Moment fallen Strahlen auf den Steckborner Friedhof. In einem Lichtkegel steht die Gedenkstätte für Sternenkinder. Sie wird an diesem Montagnachmittag eingeweiht.

Der Begriff Sternenkinder steht für Säuglinge, die mit einem Gewicht von unter 500 Gramm vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Sie werden nicht im Personenstandsregister erfasst und haben kein Anrecht auf eine Bestattung. Mit der Gedenkstätte schafft die Stadt ein Angebot für betroffene Eltern, die ihr Kind verloren haben.

Vor ziemlich genau einem Jahr sei er angefragt worden, ob er eine Skulptur für die Gedenkstätte für Sternenkinder machen würde, sagt der Steckborner Bildhauer Urs Traber. Entstanden ist ein siebenzackiger Stern, «das Himmelszelt», getragen von vier Säulen «in Form von Bäumen» auf einem Sockel, «Planet Erde». Es handelt sich um einen Kunstguss aus Sand.

Skulptur verändert sich stetig

Wird hier ein Kind beigesetzt, löst Urs Traber einen Stern aus dem Himmelsdach, der anschliessend auf den Planeten Erde gelegt wird. «Auf Wunsch kann auch der Vorname des Kindes auf dem Stern eingraviert werden», sagt er. Insgesamt können 14 Sterne herausgelöst werden. Sechs weitere habe er vorbereitet.

Urs Traber, Bildhauer. (Bild: Andrea Stalder)

Urs Traber, Bildhauer. (Bild: Andrea Stalder)

Auf diese Weise verändere sich die Skulptur stetig. «Ein Gedanke, den ich schön finde.» In Trabers Augen muss die Skulptur «leben und sich weiterentwickeln». Durch das Herauslösen der Sterne werde sich auch das Lichtspiel aus Tages- und Kerzenlicht verändern.

«Die Idee kam mir, als ich das ‹Räbeliechtli› meiner jüngsten Tochter betrachtete»

, sagt Traber. Nach dem Umzug sei die Konstruktion mit Zahnstochern stehen geblieben und langsam vertrocknet. «Das ergab eine tolle Skulptur», sagt der Traber. Zudem passe die Skulptur zum Thema. «Das ist mir wichtig.» Deshalb habe er sich auch für Spielsand als Material entschieden. «Im Prinzip ist es derselbe Sand, den man auch in Sandkasten findet», sagt er.

«Ein Ort für die Trauer und den Schmerz der Eltern»

«Ich bin froh, dass es in Steckborn nun einen Ort für Sternenkinder gibt», sagt Pfarrerin Sabine Gäumann. Das zeige den Eltern, dass sie nicht allein seien. Gäumann fügt an:

«Es ist nicht nur ein Ort für diese Kinder, sondern auch für die Trauer und den Schmerz ihrer Eltern und Angehörigen.»

Anschliessend segnet Gemeindeleiter Thomas Mauchle die Gedenkstätte, die sich neben dem Gemeinschaftsgrab für Erwachsenen befindet. Zuvor hatte er von einem Ort des Gedenkens und der Hoffnung gesprochen. «Denn eigentlich wollten sich die Eltern freuen, sie hatten Pläne», sagt er, «doch dann mussten sie statt ‹Grüezi› ‹Adieu› sagen.»

Neben der Skulptur steht neu auch eine Sitzbank. Diese hat die Brockenstube Steckborn gespendet, sagt Franz Reithofer, Stadtrat und Präsident der Friedhofkommission. «Schön, dann kann man hier auch ein wenig verweilen», flüsterte eine Besucherin ihrer Begleitung zu.

Auch für Auswärtige

Die Gedenkstätte steht Betroffenen aus Steckborn, aber auch aus umliegenden Gemeinden zur Verfügung. «Wenn Auswärtige eine Beisetzung wünschen, liegt der Entscheid jeweils bei der Friedhofkommission», sagt Stadtrat und Präsident der Friedhofkommission Franz Reithofer. (rha)

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