Abstimmung
«Wir haben grossen Nachholbedarf»: Berlingen legt der Bevölkerung ein Budget mit höheren Investitionen vor

Am Sonntag entscheidet die Gemeinde am Untersee an der Urne übers Budget 2021. Höhere Investitionen sind auch dank einer grosszügigen Spende einer Privatperson möglich.

Samuel Koch
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Winterliches Berlingen, inklusive Eisschicht entlang des Seeufers.

Winterliches Berlingen, inklusive Eisschicht entlang des Seeufers.

Bild: Donato Caspari (Berlingen, 7. Januar 2017)

Eine Million Franken. Dieses grosszügige Geschenk eines anonymen Spenders hat die Gemeinde Berlingen vor einem Jahr bekommen, was bei einem jährlichen Budget von rund 5,5 Millionen Franken doch ins Gewicht fällt. Der gespendete Betrag darf aber nicht verwendet werden, um ein Defizit zu decken. Denn er ist zweckgebunden für die Sanierung von Wasserleitungen wegen zuletzt vieler Wasserrohrbrüche in der 900-Einwohner-Gemeinde.

Über genau ein solches Projekt befinden die Stimmberechtigten in Berlingen am Sonntag coronabedingt an der Urne. Gemeindepräsident Ueli Oswald sagt:

Ueli Oswald, Gemeindepräsident Berlingen.

Ueli Oswald, Gemeindepräsident Berlingen.

Bild: Donato Caspari
«Die Million wird jetzt nach und nach investiert.»

Das Budget 2021 rechnet bei Gesamtausgaben von 5,5 Millionen Franken mit einem Verlust von rund 42'000 Franken. «Das ist eine schwarze Null», meint Oswald. Die Auswirkungen von Corona mit weniger Fiskalerträgen würden sich im Unterseedorf erst im Rechnungsjahr 2022 niederschlagen, wie sich im Finanzplan zeigt. Trotzdem soll der Steuerfuss fürs laufende Jahr unverändert bei insgesamt 110 Prozent bleiben, sofern die Stimmberechtigten der Gemeinde dafür am Sonntag ihren Segen erteilen.

«Grosser Nachholbedarf» bei den Investitionen

Auch dank der Millionen-Schenkung stehen heuer grössere Investitionen an, worüber der Gemeinderat bereits an der Versammlung im September informiert hat. «Wir müssen die Investitionen in die Infrastrukturanlagen der Gemeinde in den nächsten Jahren gegenüber den Vorjahren verdoppeln, weil wir grossen Nachholbedarf haben», sagt Oswald. Netto rechnet Berlingen fürs 2021 mit Investitionen in Höhe von 1,26 Millionen Franken.

Der Löwenanteil des Geldes fliesst in die Wasserversorgung. Im Betrag von knapp 600'000 Franken sind unter anderem die Sanierung und Nachrüstung im Seewasserwerk und die Wasserleitungen der sanierungsbedürftigen Wiesli- beziehungsweise Haldenstrasse enthalten, die auch einen neuen Belag erhalten. Zum Kredit über die Wasserversorgung sagt Gemeindepräsident Ueli Oswald:

«Wir sind der Meinung, dass wir die Hauptversorgung auch in Zukunft mit unserem eigenen Werk sicherstellen wollen.»

Als zweites Standbein avisiert Berlingen eine Kooperation mit der Gemeinde Salenstein mit dem Ausbau des Anschlusses an deren Wasserversorgung an.

Antrag für Erhöhung des Wasserpreises

Das Wasser betrifft einen weiteren Antrag des Gemeinderates, nämlich die geplante Erhöhung des Wasserpreises pro Kubikmeter von 2 auf 2.50 Franken und bei der Grundgebühr von 260 auf 280 Franken. Das sei auch eine Konsequenz des grossen Nachholbedarfs bei den Werken, meint Oswald und ergänzt:

«Um die Wasserrechnung zu decken, können wir leider die grosszügige Spende nicht verwenden.»

Ein weiteres, aber dafür ein besonderes Anliegen ist Oswald die Sanierung des Sitzungszimmers im Gemeindehaus, wofür 90'000 Franken ausgegeben werden sollen. «Der Raum ist zu klein, gerade in der jetzigen Coronazeit», sagt Oswald. Stimmt die Bevölkerung dem Vorhaben zu, soll mit dem Durchbruch einer Wand aus zwei Räumen einer entstehen.

Im Vorfeld der Abstimmung sei es ruhig in Berlingen. Bisher seien einzig ein paar Detailfragen aufgetaucht, meint Oswald. Und er hofft, dass diese Ruhe auch nach dem Abstimmungssonntag noch zu spüren ist.