Abstimmung
Wängemer Schulpräsident tritt nicht mehr an, Nachfolgerin steht bereit

Am Sonntag befinden die Wängemer Stimmbürger über die Budgets von Schule und Gemeinde. Bereits am 7. März werden sie erneut an die Urne gerufen.

Olaf Kühne
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Vor dem Weihnachtsfest steht in Wängi noch ein politischer Akt an: Der Urnengang zu den beiden Budgets.

Vor dem Weihnachtsfest steht in Wängi noch ein politischer Akt an: Der Urnengang zu den beiden Budgets.

(Bild: Donato Caspari)

Urnengänge sind in Wängi kein allzu häufiges Ereignis. Derzeit werden die Wängemer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aber öfters an die Urne gerufen. Auch, aber nicht nur wegen Corona.

Dem Virus geschuldet ist die Urnenabstimmung vom kommenden Sonntag. Coronabedingt haben Gemeinde und Schule ihre Gemeindeversammlung vom 3. Dezember abgesagt. Stattdessen legen beide Körperschaften nun ihre Budgets für das kommende Jahr am 20. Dezember an der Urne vor. Und im Gegensatz zu anderen Gemeinden nur ihre Budgets.

Im Fall der Politischen Gemeinde bedeutet dies für ein italienisch-portugiesisches Paar, dass es noch länger auf seine Einbürgerung warten muss. Das 15-Millionen-Budget wiederum rechnet mit einem Defizit von 540'000 Franken und einem gleichbleibenden Steuerfuss von 49 Prozent (unsere Zeitung berichtete).

Jörg KobeltSchulpräsident Wängi

Jörg Kobelt
Schulpräsident Wängi

(Bild: ZVG)

Die Volksschulgemeinde unterbreitet ebenfalls nur ihr Budget. Hätte aber eine Gemeindeversammlung stattgefunden, hätte die Schulbehörde einen weiteren Antrag gestellt: Sie will am 7. März ihr Bauprojekt «am Wäldli und bim Bächli» an die Urne bringen. Gemäss Wängemer Schulgemeindeordnung braucht sie, um über ein Sachgeschäft an der Urne abstimmen zu dürfen, vorab die Zustimmung der Gemeindeversammlung. «An der Urne darüber abstimmen, ob wir über etwas an der Urne abstimmen dürfen, ergibt keinen Sinn», sagt Schulpräsident Jörg Kobelt auf Nachfrage unserer Zeitung.

So gelangt nun also das Bauvorhaben, welches eine Erweiterung der Sek sowie einen Neubau für Kindergarten und Verwaltung beinhaltet, direkt an die Urne. Die Höhe des Kreditantrages ist noch nicht bekannt. In ihrem Finanzplan hat die Schulbehörde hierfür für übernächstes Jahr 5,5 Millionen Franken eingesetzt, für 2023 8,5 Millionen Franken. «Ich rechne damit, dass wir im Januar alle Unterlagen beieinander haben werden», sagt Jörg Kobelt. «Und ich hoffe, dass wir vor der Abstimmung einen Informationsanlass durchführen dürfen.»

Am 7. März werden die Wängemer Schulbürger nicht nur für das besagte Bauprojekt an die Urne gerufen. Gleichzeitig stehen auch die Gesamterneuerungswahlen auf der Traktandenliste. Entgegen einer früheren Ankündigung will Jörg Kobelt hierfür nicht mehr antreten. «Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Schluss gelangt, dass ich mich nicht erneut für weitere vier Jahre als Schulpräsident zur Verfügung stellen respektive verpflichten kann», schreibt er in einer Mitteilung auf der Schulwebsite. Die Arbeit in der Behörde mache ihm auch nach über sieben Jahren grossen Spass und sei im gut zusammenarbeitenden Gremium sehr interessant und konstruktiv. «Jedoch ist das Amt des Schulpräsidenten auch mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden, der mir neben meiner neuen, anspruchsvollen Vollzeitstelle nur noch wenig Raum für die Familie und meine Hobbys lässt.»

Im Gespräch mit unserer Zeitung will Kobelt das Pensum des Wängemer Schulpräsidenten nicht beziffern. «Ich habe es immer als Milizamt betrachtet, nicht als Teilzeitstelle», sagt er. Jedenfalls lasse seine neue Stelle nicht mehr die Flexibilität zu, die ein Milizamt erfordere – und im Coronajahr noch viel mehr erfordert habe.

Stephanie EberleMitglied der Wängemer Schulbehörde und Kandidatin für das Schulpräsidium

Stephanie Eberle
Mitglied der Wängemer Schulbehörde und Kandidatin für das Schulpräsidium

(Bild: ZVG)

Jörg Kobelts Nachfolge zeichnet sich auch bereits ab: Für das Wängemer Schulpräsidium kandidiert Stephanie Eberle. Sie sitzt bereits seit 2017 in der Schulbehörde und verantwortet dort die Ressorts Archiv, Vermietung, Liegenschaften und Musikschule. Zudem ist sie Präsidentin der SVP Wängi-Lommis. «Stephanie Eberles Wahl würde die Fortführung der guten Kontinuität in unserer Behörde sicherstellen», rührt Jörg Kobelt die Werbetrommel für seine mögliche Nachfolgerin.

Diese Kontinuität ist indes bereits gewährleistet. Treten doch, nebst Eberle, mit Olivia Schmid, Thomas Marti und Anton Sopi auch die anderen Behördenmitglieder für eine weitere Legislatur wieder an.

Sie werden dann mit dem Budget arbeiten können, das ihnen die Wängemer Stimmbürger am Sonntag wohl bewilligen werden. Sonderlich kontrovers präsentiert sich der Voranschlag nämlich nicht. Bei Ausgaben von 10,1 Millionen Franken rechnet die Schulbehörde mit einem Defizit von 116'000 Franken. Den Steuerfuss will sie bei 93 Prozent belassen.