Abstimmung
«Fehlende Notwendigkeit»: Münchwiler Schulbehörde stellt sich gegen Neubau einer Mehrzweckhalle

Die Gegner einer neuen Zweifachturnhalle in Oberhofen erhalten überraschenden Support: In ihrer eigenen Abstimmungsbotschaft zum Urnengang vom 26. September empfiehlt die Münchwiler Schulbehörde den eine Million Franken schweren Planungskredit zur Ablehnung.

Olaf Kühne
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Die Turnhalle Oberhofen dürfte Münchwilen wohl erhalten bleiben. Nebst einer 246 Unterschriften schweren Petition stellt sich nun auch die Schulbehörde gegen den Abbruch des denkmalgeschützten Baus.

Die Turnhalle Oberhofen dürfte Münchwilen wohl erhalten bleiben. Nebst einer 246 Unterschriften schweren Petition stellt sich nun auch die Schulbehörde gegen den Abbruch des denkmalgeschützten Baus.

(Bild: Donato Caspari)

Die Münchwiler Schulbehörde hat Wort gehalten. Vor zwei Monaten versprach Schulpräsident Lukas Weinhappl an der Gemeindeversammlung, dass man hinsichtlich der beiden bevorstehenden Turnhallenabstimmungen (siehe Kasten) möglichst früh und umfassend informieren wird.

Interessengemeinschaft von 34 Vereinen

Vor rund zweieinhalb Jahren bildete sich aus 34 Münchwiler Vereinen die heutige Interessengemeinschaft Mehrzweckanlage Oberhofen (IG MZA). Ihr Anliegen: Schule und Gemeinde sollen den Bau einer neuen Mehrzweckhalle vorantreiben. Aus diesem Wunsch entstand schliesslich das Projekt «Chäferfäscht». 

Dieses sieht den Abbruch der denkmalgeschützten Mehrzweckhalle Oberhofen sowie einen Neubau mit Doppelturnhalle, Bühne und Mehrzweckräumen vor. Zudem beinhaltet es einen weiteren Neubau anstelle der heutigen Meilerscheune. Dieses Gebäude soll als sogenannter kultureller Sozialraum genutzt werden. 

Vergangenen Winter formierte sich dann eine Gruppe von Petitionären, welche innert kurzer Zeit 246 Unterschriften für den Erhalt der historischen Oberhofen-Halle sammelte. Teile dieser Gegnerschaft bekannten auch, dass es ihnen weniger um den Denkmalschutz geht, sondern dass sie einen Neubau für überflüssig und nicht vernünftig finanzierbar halten. 

Um beiden Seiten gerecht zu werden, arbeitete die Schulbehörde zwei Abstimmungsvarianten aus, welche nun in der Abstimmungsbotschaft für den 26. September detailliert erläutern werden. (kuo)

Tatsächlich ist nun die Abstimmungsbotschaft für den Urnengang vom 26. September bereits online – und sie enthält, wie ebenfalls versprochen, auch detaillierte Informationen über den allenfalls an der Gemeindeversammlung vom 24. November zur Abstimmung gelangenden Plan B; das sogenannte Combo-Projekt.

Schulbehörde empfiehlt Ablehnung eines Neubaus

So wenig überraschend die Verlässlichkeit der Münchwiler Schulbehörde ist, so überraschender ist ihre klare Haltung: Sie stellt sich gegen einen Neubau und empfiehlt damit faktisch ihre eigene Vorlage vom
26. September zur Ablehnung: ein Planungs- und Objektkredit über eine Million Franken für die abstimmungsreife Ausarbeitung eines Neubaus einer Mehrzweckhalle als Ersatz für die bestehende, denkmalgeschützte Turnhalle Oberhofen.

Visualisierung des geplanten Neubaus. Über dessen Projektierung entscheiden die Münchwiler am 26. September.

Visualisierung des geplanten Neubaus. Über dessen Projektierung entscheiden die Münchwiler am 26. September.

(Bild: zvg/Nightnurse Images GmbH)

Dieses Neubauprojekt besteht aus einer Mehrzweckhalle in der Grösse einer Doppelturnhalle. Die Genauigkeit der Kostenschätzung in der Abstimmungsbotschaft gibt die Schulbehörde mit plus, minus 25 Prozent an: 16,4 Millionen Franken dürfte die Doppelhalle mit Tiefgarage kosten. Inklusive des im einstigen Siegerprojekt vorgesehenen Vereinshauses kämen gar 19,1 Millionen Franken auf den Münchwiler Steuerzahler zu.

«Plan B» am 24. November an der Gemeindeversammlung

Ungeschoren kommt dieser indes so oder so nicht davon. Anerkennen doch auch die Gegner eines Neubaus den Sanierungsbedarf der alten Turnhalle Oberhofen. Finanziell ist diese Sanierung in der Abstimmungsbotschaft im Combo-Projekt abgebildet. Dieses gelangt an der Gemeindeversammlung vom 24. November zur Abstimmung, falls der Neubau Ende September an der Urne bachab geschickt wird.

4,6 Millionen Franken dürfte die Sanierung der historischen Oberhofen-Halle kosten; ebenfalls berechnet mit einer Genauigkeit von plus, minus 25 Prozent. Da der zur Debatte stehende Neubau auf einen Wunsch der örtlichen Vereine zurückgeht und diese sich im Wesentlichen einen zeitgemässen Ort für ihre Abendunterhaltungen wünschen, sieht das Combo-Projekt einen zweiten Teil vor: Die bestehende reine Dreifachsporthalle Waldegg soll um einen Anbau mit Bühne und Bühnentechnik erweitert werden: für 3,3 Millionen Franken.

Diese Idee schien schon anlässlich ihrer Vorstellung vor zwei Monaten derart bestechend, dass Schulpräsident Weinhappl an der Gemeindeversammlung zu seiner eigenen Überraschung keinerlei Fragen zu beantworten hatte – auch nicht von Neubaubefüwortern und -gegnern.

Schule hat keinen Bedarf an zusätzlichen Turnflächen

Weshalb sie einen Neubau ablehnt, legt die Schulbehörde gleich zu Beginn der Abstimmungsbroschüre dar: Die Schulgemeinde hat keinerlei Bedarf an zusätzlichen Turnhallenflächen. Die Behörde spricht von einer «fehlenden schulischen Notwendigkeit» und rechnet vor, dass ein Neubau, wie auch immer die Kostenverteilung zwischen Schule und Gemeinde ausfallen würde, über die kommenden 33 Jahre eine zusätzliche Belastung der Gemeindefinanzen um acht Steuerprozentpunkte bedeuten würde. Sollte dies ohne Steuererhöhung machbar sein, müsse die Schule «zukünftig genau prüfen, welche nicht betriebsnotwendigen Grundstücke zu Geld gemacht werden können, welche Investitionen aufschiebbar sind und was über den zwingenden Schulbetrieb hinaus an Schulentwicklung noch möglich ist».

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