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Abschied vom Bücherberg

Keiner kennt die Thurgauer Bücherlandschaft so gut wie er: Vier Jahrzehnte sammelte Stephan Gossweiler in der Kantonsbibliothek alles, was über den Thurgau geschrieben worden ist. Von der Festschrift bis zum Roman. Ende Juli geht er in Pension.
Christian Kamm
Frauenfeld TG - Stephan Gossweiler geht nach fast 40 Jahren Tätigkeit in der Kantonsbibliothek in Frauenfeld in Pension.

Frauenfeld TG - Stephan Gossweiler geht nach fast 40 Jahren Tätigkeit in der Kantonsbibliothek in Frauenfeld in Pension.

Stephan Gossweiler, gibt es ein Buch über den Thurgau, das Sie nicht kennen?

Ich vermute, das gibt es.

Aber sicher nur wenige.

Ich denke, dass es wenige sind, ja. Natürlich gibt es Bücher über den Kanton Thurgau, in die ich nicht oder nur kurz hineingeschaut habe. Über die Titel oder einfach nur, ob ein Buch existiert, habe ich einen ziemlich vollständigen Überblick.

In der Abteilung Thurgoviana hortet die Kantonsbibliothek jene Literatur, die den Thurgau betrifft. Wie viele Bände sind unterdessen zusammengekommen?

Knapp 9000 verschiedene Publikationen.

Kann man das auch in Metern ausdrücken?

Das entspricht rund 250 Metern Bücherregal. Verglichen mit den 6000 Metern, welche die Bibliothek sonst noch im Bestand hat, eine bescheiden wirkende Zahl. Aber man muss berücksichtigen, dass die Thurgoviana sehr viele Broschüren und Kleinschriften umfasst, die nicht viel Platz einnehmen.

Vier Jahrzehnte lang haben Sie die Thurgoviana betreut. Da weiss man auswendig, wo welcher Band steht.

Bei den grösseren Sachen funktioniert das, und ich kann sie direkt im Gestell holen. In der Regel weiss ich, ob wir etwas haben oder nicht, und wo es etwa sein könnte.

Sie haben bestimmt ein Lieblingsbuch, bei dem sie immer wieder mal vorbeigehen und drin blättern.

Eigentlich sind es zwei. Beide zeige ich immer wieder bei Führungen, da sie nicht nur äusserlich ansprechend sind, sondern auch inhaltlich die grosse Bandbreite der Sammlung zeigen. Beim einen handelt es sich um Bildbände vom Openair Frauenfeld, die eigens für die Kantonsbibliothek produziert wurden. Das andere ist eine Handschrift aus dem frühen 15. Jahrhundert, ein Gebetsbüchlein, das vermutlich aus der Klosterbibliothek Fischingen stammt.

Macht sich da der Pfarrerssohn bemerkbar?

Nein, nein (lacht). Das hat mit meinen bibliophilen und kulturellen Interessen zu tun. Ich reise zwar eher selten, dann aber zieht es mich immer wieder in Kirchen − im Bodenseeraum, im Thurgau und in der übrigen Schweiz. Ich bin ein heimatverbundener Mensch, der nicht in die Ferne schweifen muss. Das schlägt auch bei den Büchern durch.

Wenn ich mir das schönste Buch über den Thurgau anschaffen will: Welche Bücher kommen in Frage?

Ganz wunderbar finde ich die Fotobände des Fotografen Hans Baumgartner, die den Kanton wunderschön einfangen. Vom Text her ist Ernst Nägeli für mich der typische Thurgauer Autor.

Den heute aber kaum jemand mehr kennt.

Fast niemand mehr. Was Ernst Nägeli damals in den 50er bis 90er Jahren geschrieben hat, ist einfach gut. Für mich ist er der Thurgauer Erzähler schlechthin.

Gibt es auch einen Comicstrip über den Thurgau?

Meines Wissens nicht.

Und wenn es einen gäbe, hätte der Chancen auf einen Platz in der Kantonsbibliothek?

Der hätte sehr gute Chancen.

Dann würde man den roten Teppich ausrollen?

Das nicht. Aber selbst wenn der Comic nicht so gelungen wäre, fände ich es wichtig, dass er zur Thurgoviana-Sammlung gehört. Meine qualitative Beurteilung ist kein Sammelkriterium.

Nehmen die Publikationen über den Thurgau zu oder ab?

Es wird sicher nicht weniger geschrieben. Im Gegensatz zu früher gibt es heutzutage aber deutlich weniger Artikelfolgen in Zeitungen, etwa über Thurgauer Persönlichkeiten oder geschichtliche Ereignisse.

Die Zeitungslandschaft hat sich in diesen vier Jahrzehnten massiv verändert.

Bis ins Jahr 2000 habe ich am Schluss des Jahres jeweils 13 Thurgauer Zeitungen durchgeschaut, um zu entscheiden, welche Artikel bibliographisch erfasst werden. Jetzt sind wir bei drei Zeitungen angelangt.

Vierzig Jahre Bibliothekar: Wie hat sich Ihr Beruf in dieser Zeit gewandelt?

Massiv. Eigentlich blieb fast kein Stein auf dem anderen. Das Internet und übrigens auch Facebook, wo ich immer wieder auf etwas aufmerksam werde, haben die Alltagsarbeit enorm verändert. Unterdessen gibt es bei mir Tage, an denen ich nur noch vor dem Computer sitze.

Den guten alten Zettelkasten gibt es nicht mehr?

Schon seit 1996 nicht mehr. Was die Thurgoviana betrifft, ist jetzt praktisch alles im Online-Katalog erfasst.

Empfinden Sie diese Veränderungen als Gewinn?

Ja, als grossen Gewinn. Die Daten sind jetzt weltweit und rund um die Uhr abrufbar.

Sie gehen nun Ende Juli in den Ruhestand. Wie gross ist eigentlich Ihre Bibliothek zu Hause?

Ich habe recht viele Bücher. Und natürlich: viele über den Thurgau, zu denen ich auf den verschiedensten Wegen gekommen bin. Immer wieder erhielt ich auch von Autoren ein Exemplar geschenkt.

Heisst «recht viele» mehrere Zimmer voll?

Ich habe auch privat gerne Bücher um mich, aber so viele sind es dann doch nicht.

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