Abschied
«Langweilig ist es mir nie geworden»: Ueli Berger blickt auf über 33 Jahre bei der Stadt Frauenfeld zurück, mit schlechten Erinnerungen und lustigen Anekdoten

Im September 1987 ist Ueli Berger als Sanitärplanermeister zu den damaligen Wasserwerken gekommen. Diese Woche geht er als Thurplus-Mitarbeiter in den Ruhestand. Den Wandel der städtischen Werke hat er nicht immer goutiert, wie er beim Gespräch zugibt.

Samuel Koch
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Ueli Berger, langjähriger Mitarbeiter von Thurplus (ehemals Werkbetriebe), in der Gasdruckreduzierstation an der Gaswerkstrasse.

Ueli Berger, langjähriger Mitarbeiter von Thurplus (ehemals Werkbetriebe), in der Gasdruckreduzierstation an der Gaswerkstrasse.

Bild: Arthur Gamsa

Treffender könnte sein Lieblingsgetränk nicht sein. «Am liebsten trinke ich Hahnenburger.» Das sagt Ueli Berger, der seit vergangener Woche offiziell im Ruhestand ist und Anfang dieser Woche von seinen Mitarbeitenden bei Thurplus verabschiedet wird. Der 65-Jährige kümmerte sich über 33 Jahre lang bei den Frauenfelder Werkbetrieben primär um Wasser und Gas, Ersteres liege ihm aber deutlich mehr am Herzen. An einem seiner letzten Arbeitstage sitzt er in seinem Büro am Tisch, die Platte liegt auf einem Wasserhydranten und sagt:

«Wasser ist die Grundlage für das Leben.»

Über all die Jahre sei das Trinkwasser immer sauberer geworden, auch wenn zuletzt immer wieder Schlagzeilen über verunreinigtes Wasser in den Nachrichten stehen. Grund dafür seien verbesserte Messtechniken. Trotzdem schaut er mit Wehmut auf die kürzlichen Abstimmungsresultate zu den Trinkwasser- und Pestizidinitiativen zurück. «Die Verursacher sind nicht gewillt, etwas gegen die Probleme zu machen, und der Bund macht zu wenig Druck», sagt Berger entschieden, der sich als ruhig und sachlich bezeichnet. Er ist aber auch direkt und redet nicht um den heissen Brei.

Erste Tage mit zwiespältigem Eindruck

Im September 1987 zog es den Heimwehberner aus Gümligen und damaligen Sanitärplanermeister per Zufall via Urnerland nach Frauenfeld. Er muss schmunzeln, wenn er an seine ersten Tage mit zwiespältigem Eindruck im Dienste des damals noch autonomen Wasserwerks denkt. Bei seinem Antritt noch unter der Leitung von Peter Klötzli erhielt er die Aufgabe, die Richtlinien der Wasserinstallationen zu studieren. «Dabei konnte ich diese auswendig von meiner Prüfung zum Sanitärplanermeister wenige Wochen zuvor», sagt Berger. Trotzdem ist er danach über 33 Jahre bei demselben Arbeitgeber geblieben. «Ich hatte viele Freiheiten und konnte oft selber entscheiden», sagt Berger, der auf eine ereignisreiche Zeit zurückblickt. Alleine während seiner Zeit verbauten die städtischen Werkbetriebe, die heute Thurplus heissen, knapp 175'000 Meter neue Wasserleitungen, was rund zwei Dritteln des heutigen Netzes entspricht. Berger sagt:

Ueli Berger, angestellt bei Thurplus von 1987 bis 2021.

Ueli Berger, angestellt bei Thurplus von 1987 bis 2021.

Bild: Arthur Gamsa
«Langweilig ist es mir in all den Jahren nie geworden.»

Als Höhepunkt bezeichnet er den Bau und die Eröffnung der neuen Wasseraufbereitungsanlage Geisskopf Ende der 90er-Jahre. Damals übernahm der heute 65-Jährige auch den Gasbereich, den er bis zuletzt überwachte. In der Gasreduzierstation am Thurplus-Geschäftssitz an der Gaswerkstrasse zeigt Berger, wo im Notfall der Haupthahn zugedreht wird, sofern es wider Erwarten Probleme gibt.

Ueli Berger schliesst die Tür zur Gasdruckreduzierstation.

Ueli Berger schliesst die Tür zur Gasdruckreduzierstation.

Bild: Arthur Gamsa

Es tut Berger weh, wenn er denkt, wie Gas zu seinen Anfangszeiten boomte und jetzt langsam durch erneuerbare Energien abgelöst wird. «Gas wurde damals richtig gepusht, dafür haben wir alles aufgebaut», sagt er. Heute hingegen baue man alles wieder zurück, was ihn traurig stimmt, obwohl er an erneuerbare Energien glaubt und hinter dem Energiewandel steht.

Gröbere Unfälle sind in all den Jahren wenige zu verzeichnen. Zumindest seien keine schweren Personenschäden zu verzeichnen, sagt er. Trotzdem erinnert er sich an einen Unfall an der Freiestrasse im Jahr 1995, als ein Mitarbeiter bei einer sogenannten Verpuffung Verbrennungen davonzog. Glücklich ging auch ein Unfall 2007 im Oberwiesen aus, als Strassenarbeiter durch eine bestehende Gasleitung bohrten.

Mit Schalk in den Augen erzählt Ueli Berger von den frühen 90ern, als es zur Mode wurde, dass Jugendliche an Gasleitungen züselten, nachdem die Werkemitarbeitenden für periodische Kontrollen an Strassen Löcher bohrten, um die Gasmengen zu prüfen. Gefährlich sei das gewesen, sagt Berger und ergänzt, ohne auf weitere Fragen einzugehen:

«Vielleicht haben es die Monteure ja auch vorgemacht.»
Thurplus, ehemals Werkbetriebe Frauenfeld, an der Gaswerkstrasse 13 aus der Vogelperspektive.

Thurplus, ehemals Werkbetriebe Frauenfeld, an der Gaswerkstrasse 13 aus der Vogelperspektive.

Bild: Reto Martin (28.03.2019)

Enkel in der Dominikanischen Republik

Zuletzt arbeitete Ueli Berger als Bereichsleiter Planung und Projektierung, nachdem die Werke unter dem neuen Leiter Peter Wieland mit dem Namenswechsel und den mittlerweile mit der Fernwärme vier Sparten reorganisiert worden sind. Mit den einzelnen Neuerungen anfreunden konnte sich Berger nicht immer, wie er gesteht. Er sagt:

«Der neue Name hat keinen Bezug mehr zu dem, was wir tun.»

Ausserdem heissen die Werke neuerdings genauso wie das kantonale Projekt der Thurrenaturierung. Das kümmert ihn jetzt aber nur noch marginal, er steht seinen Mitarbeitenden und seinem Nachfolger Ulrich Trümpi noch auf Stundenbasis beratend zur Seite. Ausserdem führt er das angestossene Spezialprojekt der Generellen Wasserversorgungsplanung (GWP) womöglich zu Ende, das kürzlich beim Kanton eingereicht wurde.

Privat freut sich der 65-Jährige auf mehr Freizeit mit seinem Sohn und seinen mittlerweile fünf Enkeln. Zumindest zwei davon sieht er heute schon häufig, die anderen wohnen in der Dominikanischen Republik. Dorthin will er aber auch bald wieder reisen, obwohl er lange Flüge nicht mehr so mag wie früher, als er Asien und Südamerika bereiste. Für seine Enkel würde er aber nochmals einen 10-Stunden-Flug machen. Auf die Frage, ob er während des Fluges Wasser trinkt, schmunzelt er nur.