Abschied
Eine gute Seele verlässt die Frauenfelder Altstadt

Brigitte Bianchi verabschiedet sich mit ihrem Bistro La Trouvaille aus der Frauenfelder Altstadt. Zum Abschluss lud sie am Osterwochenende zu einem Take-away und verkaufte das Bistro-Inventar.

Andreas Taverner
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Nationalrätin Edith Graf-Litscher besucht Brigitte Bianchi bei deren Abschied am Take-away.

Nationalrätin Edith Graf-Litscher besucht Brigitte Bianchi bei deren Abschied am Take-away.

Bild: Andreas Taverner

«Tschüss auf ein anderes Mal und alles Gute», wünscht ein Ehepaar Brigitte ­Bianchi, der ehemaligen Wirtin des Bistros La Trouvaille in der Frauenfelder Altstadt. Es ist nicht der einzige Abschiedsgruss an diesem kühlen Samstagmorgen, den Bianchi erhält. Von Ostersamstag bis Ostermontag hat sie zu ihrem endgültigen Abschied eingeladen.

Ihr Take-away umfasst nebst sechs mit Blumen dekorierten Tischchen auch das Stadtlabor an der Zürcherstrasse 158. Hier werden die letzten Gegenstände aus dem «La Trouvaille» zum Verkauf angeboten. Ob Weine, Spirituosen, eine Uhr oder die Jukebox aus dem Jahr 1960: Alles wird von den Besuchern bewundert und teilweise auch gekauft. «Ein guter Wein für 20 Franken», freut sich ein Herr, welcher zwei Flaschen in seinem Rucksack verstaut.

Ein Besucher interessiert sich für den zu verkaufenden Wein.

Ein Besucher interessiert sich für den zu verkaufenden Wein.

Bild: Andreas Taverner

«Die Jukebox ist geil», freut sich ein Besucher. Sie lässt Musikstücke erklingen wie «Die kleine Kneipe» von Peter Alexander. «Da waren wir noch jung, als diese Musik populär war», bemerkt eine Besucherin. «Was wir mit dem ‹La Trouvaille› wirklich verlieren, werden wir erst richtig realisieren, wenn die Beizen wieder aufgehen», sagt ein nachdenklicher Passant.

«Eine gute Seele, welche die Identität der Altstadt wesentlich mitgeprägt hat, geht uns mit Bianchi verloren», sagt jemand anderes. Bianchi wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht optimistisch in die Zukunft schauen würde. Noch müsse sie eine Prüfung bestehen, bevor sie als diplomierte Fusspflegerin an der Kappelerstrasse 10 in Frauenfeld beginnen kann, sagt Bianchi.