Frauenfelder Tropenarzt über sein Abenteuer mit Malaria und Gelbfieber

Durchfall, Fieber oder gar Parasiten – auch das sind mögliche Mitbringsel aus den Afrika-Ferien. Der Frauenfelder Reisemediziner und Tropenarzt Peter Wildberger kann in diesen Fällen weiterhelfen, denn früher praktizierte er in einem Spital in Kamerun.

Viola Stäheli
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Viele afrikanische Dekorationen erinnern im Büro von Peter Wildbergers zu Hause an seine Arbeit als Tropenarzt. Die weisse Tasche hat er aus seiner Zeit als Militär-Samariter und verwendet die Geräte darin zur Wundversorgung in Kamerun. (Bild: Andrea Stalder)

Viele afrikanische Dekorationen erinnern im Büro von Peter Wildbergers zu Hause an seine Arbeit als Tropenarzt. Die weisse Tasche hat er aus seiner Zeit als Militär-Samariter und verwendet die Geräte darin zur Wundversorgung in Kamerun. (Bild: Andrea Stalder)

Die Koffer und Rucksäcke sind längst ausgepackt und die Souvenirs verstaut – die Sommerferien sind nur noch eine schöne Erinnerung. Von den Ferien hat man aber manchmal nicht nur viele Fotos mit nach Hause gebracht, sondern auch unliebsame Dinge, die sich jetzt einige Zeit nach den Ferien noch immer bemerkbar machen können. «Lange anhaltender Durchfall und Fieber muss ich am häufigsten behandeln», sagt Peter Wildberger.

Der 71-Jährige, der eigentlich längst pensioniert ist, arbeitet weiterhin als Reisemediziner. Ganz zur Ruhe gesetzt hat er sich aber nicht. Noch immer ist er als Reisemediziner in der Arztpraxis an der Eisenwerkstrasse in Frauenfeld tätig, die er selbst eröffnet hat. Ausserdem hilft er in einer Praxis in Bichelsee als Hausarzt aus.

Infos über Höhenkrankheit an Beratungssitzungen

«Natürlich merkt man die Sommerferien», sagt Wildberger. So kommen besonders vor den Ferien viele Reiselustige zu ihm, um sich beraten zu lassen, welche Vorkehrungen und Impfungen für das jeweilige Zielland sinnvoll sind. «Ich spreche immer das Thema Malaria an», sagt der Arzt. Häufig thematisiert wird in den Beratungssitzungen auch die Höhenkrankheit – das ist besonders für Leute wichtig, die etwa die Besteigung des Kilimandscharos beabsichtigen. «Mein Arbeitsalltag als Reisemediziner besteht in erster Linie aus diesen Beratungen und dem Überprüfen der Impfausweise.»

Nebst Gelbfieber ist die häufigste Impfung, die Wildberger verabreicht, die Zeckenimpfung. «Mir passiert es immer wieder, dass ich den Patienten erklären muss, dass sie zwar für die Reise ins ferne Land alle wichtigen Impfungen haben, es aber sehr empfehlenswert wäre, die Zeckenimpfung zu machen, da diese im Thurgau leben», sagt er lachend. Denn dieses Risiko wird von den Thurgauern selbst unterschätzt: Wildberger hatte bereits einige Leute von Bern in seiner Praxis, die zwei Wochen Zelten im Thurgau nicht ohne Zeckenimpfung riskieren wollten. Dank der guten Vorbereitung vieler Reisebegeisterten ist es derzeit nach den Ferien nicht besonders stressig für Wildberger.

«Die Zeiten, in denen man in jedem Fall pauschal Gesundheitschecks nach der Reise in einige tropische Länder durchführte, sind vorbei.»

Nur wenn Symptome auftreten, wird der Reisemediziner aufgesucht. Die häufigsten Symptome sind Durchfall und Fieber – und bei deren Diagnosestellung kann Wildberger auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Manchmal hat er aber auch mit kuriosen Fällen zu tun. «Nach der Fussball-WM in Südafrika kam ein Mann zu mir, der an die Weltmeisterschaft gereist war und Masern mit nach Hause brachte.»

100 Betten, 50 Mitarbeiter und ein grosses Gebiet

Noch viel eindrücklichere Geschichten hat Wildberger aber als praktizierender Arzt in Kamerun erlebt. «Ich wollte immer in einem tropischen Land arbeiten, als ich mit dem Medizinstudium an der Uni Zürich begann, vor allem auch, weil Albert Schweitzer ein grosses Vorbild für mich war», sagt Wildberger. Er hatte seine Ausbildung auf Chirurgie und Gynäkologie ausgerichtet und ausserdem einen Kurs in Tropenmedizin in Liverpool besucht – so legte er den Grundstein für seine Ausbildung zum Reisemediziner. Ausgestattet mit dem nötigen Wissen wurde er von der Basler Mission an ein Spital in Kamerun vermittelt. Das Spital verfügte über gut 100 Betten, 50 Mitarbeiter und war für ein Gebiet in der Grösse des gesamten Thurgaus zuständig. Nach kurzer Zeit übernahm der damals 30-Jährige die Leitung.

«Die Operationstage waren jeweils dienstags und freitags, aber es gab immer wieder Notfalloperationen.»

Er war der einzige, der Operationen durchführen konnte. Assistiert hatte ihm ungeschultes Personal aus der lokalen Bevölkerung. «Ja, das war eine intensive Zeit. Aber ich würde es jederzeit wieder tun», sagt der Arzt. Oft brauchte es aber keine Operation, sondern nur eine Wundversorgung – dazu trug Wildberger stets seinen weissen Beutel mit sich, den er aus der Zeit als Sanitäter beim Militär hat. «Ein Erlebnis in Kamerun war sehr besonders für mich. Man brachte eine Frau auf einer selbstgebastelten Trage zu mir. Sie war mit Zwillingen schwanger. Eines der Babys kam problemlos zur Welt, das andere lag aber in einer falschen Position. Ich schaffte es, das Kind zu drehen, und tatsächlich erblickte ein gesundes Baby das Licht der Welt.» Wildberger selbst blieb in Kamerun nicht von allem verschont. Einmal konnte ihm nur der Koch des Spitals helfen: «Ich hatte eine Larve im Zeh. Der Koch machte kurzen Prozess und schnitt sie mit einer Rasierklinge heraus. Nur eine Narbe ist zurückgeblieben», sagt er. Glücklicherweise hatte Wildberger nie eine schlimmere Krankheit. «Das grösste Risiko beim Reisen in tropische Länder sind sowieso weder Parasiten, noch Bakterien oder Viren, sondern Verkehrsunfälle», sagt er.

Freundschaftliche Kontakte sind geblieben

1979 kehrte Wildberger zurück nach Frauenfeld und eröffnete eine eigene Praxis an der Eisenwerkstrasse. Dort praktizierte er als Hausarzt. Zwischendurch machte er weiterhin Vertretungen in Kamerun. Doch schliesslich endeten auch diese Vertretungen.

«Ich wollte nicht mein ganzes Leben in Kamerun verbringen. Ausserdem fand ich es wichtig, auch den lokalen Fachkräften eine Chance zu geben, das Spital zu führen. Deshalb habe ich mich zurückgezogen.»

Freundschaftliche Verbindungen zu Kamerun bestehen bis heute. Trotz einer zwischenzeitlichen Pause liess Wildberger die Reisemedizin nicht los. Vor 15 Jahren begann er sich wieder intensiver mit dieser zu befassen und sein Wissen zu vertiefen. «In der Reisemedizin hat man mit vielen interessanten Leuten zu tun, die spannende Geschichten auf ihren Reisen erleben. Das gefällt mir so daran», sagt er. Und so begleitet ihn die Reisemedizin bis heute. Denn obwohl nicht viele Nachbehandlungen nach den Sommerferien anstehen, hat Wildberger einiges zu tun – die Herbstferien stehen auch schon fast vor der Türe.