Der Neunforner Gemeindepräsident bekommt ab diesem Sommer einen fixen Zahltag

Gemeindepräsident Benjamin Gentsch nimmt diesen Sommer seine letzte Amtszeit in Angriff – erstmals mit einem Fixlohn. Auch die Wahl der übrigen Behördenmitglieder durch die Bechtelisgemeinde war glanzvoll.

Mathias Frei
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Der Neunforner Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung: oben Gemeindepräsident Benjamin Gentsch, Sandra Pfister (neu), Herbert Büttiker (bisher) und Florian Koch (neu). Unten Leo Krucker, Vizegemeindepräsidentin Margrith Wigholm und Stefan Birchler (alle bisher). (Bild: Reto Martin)

Der Neunforner Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung: oben Gemeindepräsident Benjamin Gentsch, Sandra Pfister (neu), Herbert Büttiker (bisher) und Florian Koch (neu). Unten Leo Krucker, Vizegemeindepräsidentin Margrith Wigholm und Stefan Birchler (alle bisher). (Bild: Reto Martin)

So günstig wie Neunforn kommt wohl kaum eine andere Thurgauer Gemeinde zu einem Gemeindepräsidenten. An der Bechtelisgemeinde vom 2. Januar haben die 178 Stimmberechtigten dem Präsidium erstmals ein fixes Pensum und damit auch einen fixen Lohn zugeschrieben. Neunforn war die letzte Gemeinde im Kanton, die für das Präsidium keinen Fixlohn gekannt hat. Für ein 20-Prozent-Pensum gibt es 30'000 Franken im Jahr, hochgerechnet auf eine Vollzeitstelle also 150'000 Franken. Zur Wahl gestellt hat sich Benjamin Gentsch, der das Amt seit 1996 inne hat. Die Versammlung wählt ihn glanzvoll. Von 159 gültigen Stimmen gehen 140 an ihn. Aber schon vor der Wahl stellt er klar, dass spätestens 2023 Schluss ist, also zum Ende der Legislatur, die kommenden 1. Juni beginnt.

Vizegemeindepräsidentin Margrith Wigholm argumentiert:

«Mit einem fixen Pensum kann das Amt besser fassbar gemacht werden.»

Damit solle in erster Linie für eine Nachfolge von Benjamin Gentsch eine planbare Situation geschaffen werden. Andere ähnlich grosse Gemeinden in der Regio Frauenfeld respektive im Kanton Thurgau hätten Präsidiumspensen von bis zu 60 Stellenprozenten. Die Einführung des Fixpensums kommt denn auch problemlos durch, nur ein Stimmbürger votiert dagegen.

Vier Bisherige und zwei Neue in der neuen Behörde

An der wie üblich sehr gut besuchten Gemeindeversammlung – bei einer Wahlbeteiligung von über 22 Prozent – stehen auch die Wahlen der übrigen Behördenmitglieder auf dem Programm. Nicht mehr zur Verfügung stehen Urban Fenner (seit 2013) und Sven Bollinger (seit 2014). Dagegen stellen sich Wigholm (seit 2011), Leo Krucker (seit 2009), Stefan Birchler (seit 2015) und Herbert Büttiker (seit 2016) zur Wiederwahl. Neu kandidieren die 35-jährige Sandra Pfister und der 34-jährige Florian Koch. Die diplomierte Expertin in Rechnungslegung und Controlling lebt im Weiler Fahrhof, der Elektroniker dagegen ist in Oberneunforn daheim. Die für den zweiten Wahlgang bereit gelegten Wahlzettel braucht es nicht. Das beste Wahlresultat macht überraschend Pfister, die bei 178 gültigen Wahlzetteln 173 auf sich vereinen kann. Koch und Birchler holen je 172 Stimmen, 169 gehen an Wigholm, 155 an Krucker und 137 an Büttiker.

Weiter ist ein Bruttokredit über 80'000 Franken für ein Elektrizitätswerk traktandiert. Der zuständige Gemeinderat Herbert Büttiker erklärt:

«Das ist die letzte Etappe zum Anschluss von Niederneunforn über den Hochberg an das Elektrizitätsnetz.»

Konkret geht es um die Sanierung der Trafostation Eggli in Niederneunforn. Eigentlich war geplant, diese Trafostation vom Netz zu nehmen. Der Gemeinderat halte es aber für vorteilhaft, in Sachen Netzkapazität eine gewisse Flexibilität zu haben. So könnte in Zukunft auch ein Ringschluss im gemeindeeigenen Netz realisiert werden. Gegen den Kredit gibt es nur eine Gegenstimme.

Der Verkehr bewegt die Gemüter

Nicht erst seit einem Jahr sind verkehrsberuhigende Massnahmen in Neunforn ein Thema. Mitte Januar 2018 aber hatten Oberneunforner eine Petition mit 77 Unterschriften an den Gemeinderat überwiesen. Sie hatten sich für mehr Verkehrssicherheit und Verkehrsberuhigung auf verschiedenen Strassen eingesetzt. Später fand ein runder Tisch statt, zu dem der Gemeinderat eingeladen hatte. Die Behörde hat die Anliegen aus der Bevölkerung ernst genommen und darauf eine Analyse der Verkehrssicherheit auf Gemeindegebiet beim Verkehrsplanungsbüro Widmer, Frauenfeld, in Auftrag gegeben. Dieser Bericht ist mittlerweile vorhanden und zeigt verkehrsplanerische Defizite in Ober- und Niederneunforn, Wilen und Fahrhof auf.

Nun sind verschiedene Gutachten in Arbeit. So geht es unter anderem um ein Tempo-30-Regime auf allen Gemeindestrassen auf Gemeindegebiet. Für den oberen Teil der stark befahrenen Waltalingerstrasse in Oberneunforn soll eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde Thema werden. Bis zum ersten Quartal 2019 sollen diese Gutachten vorliegen, im zweiten Quartal sollen ein Konzept erarbeitet werden und eine öffentliche Auflage erfolgen. (ma)

Sogar ohne eine Gegenstimme kommen der Voranschlag und der Steuerfuss 2019 durch, der weiterhin bei 44 Prozenten bleibt. Das Budget 2019 rechnet bei einem Ertrag von 3,052 Millionen Franken mit einem Gewinn von gut 26'000 Franken. Es sind Nettoinvestitionen von 291'000 Franken geplant. Der Voranschlag 2018 hat bei einem Aufwand von 3,26 Millionen einen Verlust von 23'000 Franken vorgesehen.

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