Aadorfer Protestanten erhalten kein Kreuz in ihrer Kirche

Die evangelische Kirche in Aadorf muss weiterhin ohne Kreuz auskommen. Zu reden gab an der Kirchgemeindeversammlung am Donnerstagabend auch die Zukunft der Liegenschaften.

Kurt Lichtensteiger
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Präsident Stefan Kormann ehrt Mechtilde Riehle für ihr zehnjähriges Orgelspiel. (Bild: Kurt Lichtsteiger)

Präsident Stefan Kormann ehrt Mechtilde Riehle für ihr zehnjähriges Orgelspiel. (Bild: Kurt Lichtsteiger)

Die Einleitung war besinnlich: Pfarrerin Caren Algner kleidete «das Miteinander und die Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen» in Worte. Danach informierte Präsident Stefan Kormann die 50 anwesenden Stimmberechtigten über die Zukunft der Pfarrhäuser der evangelischen Kirchgemeinde Aadorf-Aawangen. Aus budgetrelevanten Gründen wurde dieses Traktandum vorgezogen.

Die Ausgangslage: Nachdem Pfarrer Steffen Emmelius kürzlich aus dem Pfarrhaus an der Leimackerstrasse in ein Eigenheim umgezogen ist, steht das im Jahr 1972 erbaute Pfarrhaus leer. Es verfügt über neun Zimmer und rund 1000 Quadratmeter Umschwung. Ein Verkauf, aber wohl eher eine Vermietung für zwei Jahre, steht im Vordergrund.
Im Jahr 2020 dürfte nämlich auch mehr darüber zu erfahren sein, wie das Pfarrhaus an der Wiesentalstrasse auch für die Verwaltung besser genutzt werden kann. Dafür wurde ein Architekturwettbewerb in Auftrag gegeben, budgetiert mit 20000 Franken.

«Eine Umzonung von der öffentlichen in die Dorfzone ist beim Gemeinderat deponiert worden.»

Ein Votant erkundigte sich zum dritten Objekt, dem Regionalzentrum (RGZ) in Aawangen. Dieses verursacht jährliche Verluste von 5000 bis 8000 Franken. «Eine Umzonung von der öffentlichen in die Dorfzone ist beim Gemeinderat deponiert worden», sagte Kormann. Bis es soweit sei, dauere es noch eine Zeit, doch dürfte die Umzonung weder die Aussichten auf eine Vermietung noch einen Verkauf massgeblich erleichtern.

Keine Kreuz-Variante konnte überzeugen

Auch zum Wandschmuck in der Kirche hat die Kirchenvorsteherschaft – in Zusammenarbeit mit dem Pfarrteam – gründliche Abklärungen vorgenommen. Seit der Wandteppich entfernt worden ist, zeigt sich die weisse Stirnwand verwaist. Doch das Vorhaben, dort ein Kreuz anzubringen, sollte kein gutes Ende finden. Zehn Varianten wurden geprüft: Ob ein Holzkreuz an der Wand, gross, klein, modern, aufgemalt, mit Beamer projiziert, an oder über der Kanzel; keine Lösung konnte überzeugen. Mit dem Resultat, dass das Projekt nicht weiter verfolgt wird. «Ich finde es schade, dass das Kreuz als Symbolik gestorben ist», sagte eine Votantin an der Versammlung.

Unbestritten war hingegen die beantragte Orgelrevision, die im Jahr 2020 abgeschlossen sein soll, mit Kosten von 55000 Franken. Weil die Audioanlage und die Steuerung nicht mehr funktioniert, entstehen Ausgaben in der Höhe von rund 30000 Franken. Praktisch keine Wortmeldungen gab es zum Voranschlag 2019, der einen Überschuss von 28700 Franken vorsieht. Der Steuerfuss bleibt bei den bisherigen 19 Prozent.

Mechtilde Riehle aus Konstanz wurde für ihr zehnjähriges Orgelspiel geehrt. Den Hinweis, dass am 18. Januar in Aawangen die letzte Metzgete in der dreissigjährigen Geschichte stattfinde, nahmen nicht wenige mit Erstaunen zur Kenntnis. Veränderte Essensgewohnheiten und der konzentrierte Besucherandrang zur frühen Abendstunde wurden als Gründe genannt. Nicht verzichten mussten die Anwesenden auf den Apéro, bei dem genügend Zeit blieb, sich über das Gehörte auszutauschen.