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Nazis nicht erwünscht: Nach Vorfall von 2018 prüft der Aadorfer Fasnachtsverein die Anmeldungen für den Umzug jetzt genauer

Beim letztjährigen Fasnachtsumzug sorgte eine Gruppe mit rassistischen Botschaften für einen Eklat. Der Vorfall hatte beim Veranstalter Auswirkungen auf die Vorbereitungen für den Umzug vom Sonntag.
Roman Scherrer
Der Wagen «Asylparadies Schweiz» beim Aadorfer Fasnachtsumzug 2018. (Bild: Andri Rostetter)

Der Wagen «Asylparadies Schweiz» beim Aadorfer Fasnachtsumzug 2018. (Bild: Andri Rostetter)

Er ist zwar stets gut besucht. Eine so grosse mediale Aufmerksamkeit wie im vergangenen Jahr hatte der Aadorfer Fasnachtsumzug allerdings zuvor noch nicht erfahren. Und das erst noch unfreiwillig; weil eine der Umzugsgruppen für einen Eklat sorgte.

An ihrem Wagen hingen Blachen mit rassistischen Sujets. Unter anderem waren schwarze Hände von ertrinkenden Flüchtlingen abgebildet. Und im Schriftzug «Asylparadies Schweiz» verwiesen zwei deutlich hervorgehobene «S» offensichtlich auf die Runen von Hitlers Schutzstaffel.

Rückfragen bei verdächtigen Namen

Der Veranstalter, der Aadorfer Fasnachtsverein, bedauert dies und möchte mit dem Umzug am Sonntag nicht wieder in negative Schlagzeilen geraten. Der Vorfall von 2018 hatte deshalb Auswirkungen auf die Vorbereitung für die diesjährige Ausgabe, wie Vereinspräsidentin Michaela Künzli erklärt. So seien die Gruppennamen bei den Anmeldungen genauer geprüft worden. Künzli sagt:

«Ist uns etwas komisch erschienen, haben wir bei den Verantwortlichen nachgefragt, wie ihr Auftritt im Detail aussehen wird.»

Der Fasnachtsverein forderte die Teilnehmer manchmal gar auf, gewisse Dinge zu unterlassen, die als heikel betrachtet wurden. «Wir hoffen natürlich, dass dies dann auch umgesetzt wird», sagt Michaela Künzli.

Sollten beim Umzug dennoch Gruppen mit unerwünschten Sujets oder Parolen auftauchen, könnten die Veranstalter kurzfristig reagieren. Laut Künzli beaufsichtigen nämlich drei Personen die Teilnehmer im Startraum beim Aadorfer Bahnhof und könnten einen Wagen, wie jener der im vergangenen Jahr für Ärger sorgte, bereits vor dem Losfahren abfangen.

Bereits Anmeldungen für 2020 erhalten

«Wir sind bereit», sagt Fasnachts-Präsidentin Künzli. Wenige Vorbereitungen stünden nur noch an. Über 40 Gruppen mit rund 1800 Personen nehmen am diesjährigen Umzug teil. Weil das Interesse noch grösser gewesen wäre, die Infrastruktur aber nicht mehr Gruppen zulässt, musste der Fasnachtsverein sogar einige Absagen erteilen. «Die Gruppen, welche dieses Jahr keinen Platz mehr hatten, konnten wir bereits für 2020 anmelden», sagt Künzli.

Der Aadorfer Fasnachtsverein ist immer noch auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Die Situation ist zwar nicht mehr so prekär wie 2016, als der Verein kurz vor der Auflösung stand, weil er zu wenige Vorstandsmitglieder hatte.

«Leute, die mithelfen, können wir aber immer brauchen», sagt Michaela Künzli. Die Präsidentin würde es vor allem begrüssen, wenn weitere Personen die Aadorfer Fasnächtler bei der Teilnahme an anderen Umzügen begleiten. «Es wäre schön, wenn wir dann mit 20 als nur mit zwölf Leuten vertreten sind.»

Umzugs-Programm

Wahlsonntag hin oder her: Für ein karnevalistisches Spektakel sorgt gleichwohl der kleine Fasnachtsverein Aadorf mit seinen Dutzend Vorstands- und einigen Passivmitgliedern. Die Durchführung des für örtliche Verhältnisse Monsteranlasses garantieren zudem einige Helfer sowie die grosszügige Unterstützung der Kulturkommission Aadorf, des SC Aadorf, der Raiffeisen Bank, der Aagena und des Aaheims.

Die aktuelle Aadorfer Fasnachts-Plakette. (Bild: kli)

Die aktuelle Aadorfer Fasnachts-Plakette. (Bild: kli)

Eine wichtige Einnahmequelle bildet indessen der Verkauf von Plaketten, ohne die der Umzug nicht finanziert werden könnte. Auf wenig Verständnis stossen in diesem Zusammenhang kolportierte Äusserungen an das Verkaufspersonal. Dieses etwa mit der Bemerkung abzuwimmeln, «dafür zahlen wir doch Steuern», scheint doch reichlich naiv zu sein.

Tausende im Dorfzentrum

Kaum hat gegen die Mittagsstunde die Bar im Gemeindezentrum geöffnet, verbreiten sich Motorenlärm und kakofonische Klänge im Dorf. Punkt 14.01 Uhr soll sich dann der Tross von 17 Guggen, sechs Fuss- und 18 Wagengruppen vom Bahnhofplatz her in Richtung Dorfzentrum in Bewegung setzen. Die Bahnhof-, Haupt- und Morgentalstrasse werden wieder Tausende von Schaulustigen säumen und am närrischen Treiben ihre helle Freude haben.

Wie weit das Motto des Umzuges, nämlich «Mechanik», umgesetzt wird, dürfte spannend sein. Wer weiss: Der Klimawandel dürfte ebenfalls glossiert werden, zudem könnten die Automation sowie die Künstliche Intelligenz als Sujets dienen.

Nach anderthalb Stunden wird das Gemeindezentrum zum ultimativen Hotspot. Dort treffen die rund 1800 Umzugsteilnehmer ein, worunter auch eine Delegation aus Deutschland. Sie lassen sich in der Tiefgarage verpflegen, starten zu einem monströsen Guggenkonzert im Saal oder mischen sich unter die Zuschauer.

Verpflegungsmöglichkeiten für all die Zuschauer gibt es im Gebäude oder auf dem Vorplatz. Erwachsene erfreuen sich am Barbetrieb im Untergeschoss und Kinder an der Maskenprämierung. Dass die Tradition in Aadorf, vor vielen Jahrzehnten einstige fasnächtliche Hochburg, hochgehalten wird, verdient zweifellos Anerkennung. (kli)

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