Aadorf
Trotz Absage der Tischmesse: Schüler können Berufe in lokalen Lehrbetrieben erkunden

Pandemiebedingt konnten der Gewerbeverein und die Schulen Aadorf die grosse Berufswahl-Tischmesse nicht durchführen. Als Ersatz organisierten sie für die Schüler eine Berufserkundung «light».

Kurt Lichtensteiger
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Die Schülerinnen Melania, Lynn, Joana und Christine erhielten durch die Lernenden Julia Bartholet Einblick in den Floristinnen-Beruf.

Die Schülerinnen Melania, Lynn, Joana und Christine erhielten durch die Lernenden Julia Bartholet Einblick in den Floristinnen-Beruf.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Für einmal müssen die Schulen Aadorf und der Gewerbeverein Aadorf dieses Jahr auf die Berufswahl-Tischmesse im Grossen Saal des Gemeindezentrums verzichten. Einen Wegfall der Veranstaltung mit bekannt grosser Strahlkraft über die Region hinaus wollten die Organisatoren jedoch nicht gänzlich hinnehmen, weshalb sie mit einer Berufserkundung «light» eine Ersatzlösung auf die Beine stellten. Mit Erfolg, wie sich in der vergangenen Woche zeigen sollte.

Bis kurz davor waren allerdings Schulleiter Peter Meier und Iris Brändli, Projektverantwortliche der Berufswahl-Tischmesse, nicht zu beneiden, mussten sie doch immer wieder kurzfristige Änderungen vornehmen.

In kleinerem Rahmen konnten die nächstjährigen Aadorfer Schulabgänger wertvolle Berufsluft schnuppern. Pandemiebedingt war dies bei einigen potenziellen Lehrbetrieben, etwa in der Pflege und im Detailhandel, nicht möglich. Dennoch blieb den Schülerinnen und Schülern eine Auswahl von verschiedenen Berufen in 13 Aadorfer und Elgger Lehrbetrieben, vom Augenoptiker über Forstwart bis hin zum Schreiner.

Neugierige und motivierte Schüler

Unter Einhaltung der entsprechenden Coronamassnahmen begaben sich die Heranwachsenden gut vorbereitet zum vereinbarten Betrieb. Für den Beruf Heizungs- und Sanitärinstallateur bei der Firma Steger AG, Heiztechnik, waren zwei Schüler zugeteilt. Der erfahrene Lehrmeister Ernst Steiger stellt mit grosser Freude fest:

«Sie bekundeten ein überaus grosses Berufsinteresse.»

Die beiden hätten gleich zu Anfang viele Fragen gestellt, seien neugierig und voll motiviert gewesen. «So, wie man sich dies nur wünschen kann.» Im Unterschied zur ausgefallenen Tischmesse erhielten die Jungs in der Lehrwerkstätte, ausgerüstet für zehn Lernende, gar einen umfassenderen Einblick in die Berufswelt, als dies bei der Tischmesse möglich gewesen wäre.

Im Industriegelände Steig, in der Schreinerei Wüthrich, wo derzeit fünf Lernende ausgebildet werden, waren zwei Mädchen und ein Junge mit dem Schleifen eines multifunktionalen Halters beschäftigt, den sie voller Stolz als Vorzeigeobjekt mit nach Hause nehmen durften. Was ihnen am Schreinerberuf gefällt, lässt sich auf einen Nenner bringen:

«Es sind die Vielseitigkeit, der Geruch von Holz, das handwerkliche Schaffen und das sichtbare Ergebnis nach Beendigung der Arbeit.»

Mehr und mehr kämen auch Maschinen in Einsatz, die programmiert werden müssen, was einen zunehmenden Teil der Lehre beansprucht, wie Lehrmeister Kai Schmutz erklärte.

Drei Schüler erkunden den Schreiner-Beruf.

Drei Schüler erkunden den Schreiner-Beruf.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Nach wie vor ein frauenlastiger Beruf

In der Gärtnerei Künzli waren vier Mädchen als Floristinnen unter Anleitung der im dritten Lehrjahr stehenden Julia Bartholet an der Arbeit. Ein Bild, das stellvertretend dafür steht, dass der Beruf nach wie vor frauenlastig ist. «80 bis 90 Prozent sind Frauen», sagte die Lernende aus Münchwilen.

Ihnen habe der Umgang mit Pflanzen, das Gestalten, das Dekorieren, die Kreativität und das handwerkliche Geschick gefallen, sagen die Schülerinnen. Dass man damit nicht unbedingt reich werde, sei ihnen auch bewusst. Festlegen auf eine definitive Berufsentscheidung wollten sie sich noch nicht. Im Fokus stehen auch das Bestehen der Aufnahmeprüfungen für die Kanti oder die Fachmittelschule.

Iris Brändli zog ein positives Fazit zur Berufserkundung: «Ich bin zufrieden, dass der Anlass – wenn auch in abgespeckter Form – durchgeführt werden konnte. Die Zusammenarbeit mit den Lehrfirmen und der Schule war äusserst angenehm, unkompliziert und konstruktiv.»