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«Ein zu radikaler Eingriff»: Aadorfer Ex-SVP-Präsident kritisiert Bachprojekt

Gemeinde und Kanton revitalisieren den Ettenhauser Dorfbach und machen ihn hochwassersicher. Mit der letzten Etappe dieses Projektes ist der ehemalige SVP-Präsident August Sidler nicht einverstanden.

Kurt Lichtensteiger
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August Sidler ist von der Renaturierung und dem Hochwasserschutz nicht überzeugt.

August Sidler ist von der Renaturierung und dem Hochwasserschutz nicht überzeugt.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Das örtliche SVP-Präsidium hat er zwar vor sechs Jahren abgegeben, zur kommunalen Politik äussert sich August Sidler aber weiterhin gerne.

In den letzten Jahren wurde der Dorfbach in Ettenhausen zwischen Schulhaus und Tänikonerstrasse hochwassersicher gemacht und revitalisiert. Mit der letzten Etappe bis zur Lützelmurg kann sich Sidler nicht anfreunden. Bei einem Augenschein vor Ort erläutert der Aadorfer, bekannt für sein kritisches Auge, seine Bedenken: «Der fragliche Abschnitt des Dorfbaches, früher Weidlibach genannt, ist nicht – wie etwa im Oberlauf – mit einer Betonschale verbaut, sondern mit Natursteinen, die Fische passieren lassen.» Das abgestufte Gehölz, auf einer Länge von 150 Metern bis zur neuen Zufahrtsbrücke der Firma Griesser AG, ermögliche bisher eine optimale Beschattung des Gewässers. «Dies ist ökologisch gesehen sinnvoll, dient namentlich den Kleintieren und ist überlebenswichtig für die Fische», sagt er.

Der Gemeindemitteilungen zur Auflage ist zu entnehmen: «Der Bach ist in diesem Bereich mit steilen Böschungen und durchgehend harten Verbauungen kanalisiert.» Deshalb sollen die Böschungen abgeflacht, der gerade Lauf dynamisiert und die Sohle naturnah ausgestaltet werden. Der bestehende Durchlass unter der Staatsstrasse wird mit einer Kiessohle und einem einseitigen Trockenbankett für die Kleintierwanderung versehen. Um die Aufwertung durchführen zu können, müsse das bestehende Gehölz vollständig gerodet werden. Danach werde wieder ein artenreiches Bachgehölz gepflanzt. Zudem müsse die Rodung aus ökologischen Gründen noch vor Laubaustrieb erfolgen. Das Gesuch hierzu und das Gesuch zum Eingriff in ein NHG-Objekt werden vorgängig zum Wasserbauprojekt öffentlich aufgelegt. Die Auflage des Wasserbauprojektes folgt dann im Frühjahr. Der Bau ist für den Sommer vorgesehen und wird zu Beginn der Forellen-Schonzeit in der Lützelmurg abgeschlossen sein. Doch August Sidler sieht das anders. Er sagt:

«Der Eingriff in das bestehende Naturobjekt ist zu radikal.»

Bewirtschafter würden für eine temporäre oder definitive Rodung angeklagt, gar gebüsst. Die Beschattung des Gewässers verhindere einen zu starken Anstieg der Wassertemperatur, was für Fische tödlich enden könne. Die Wiederherstellung der ökologischen Randbedingungen würde rund zehn Jahre dauern. «Für mich ist der Hochwasserschutz in diesem Bereich ein Vorwand, denn mit einer Gefährdung muss in diesem Bereich nicht gerechnet werden», meint Sidler. Das Hochwasser der vergangenen Tage bestätige diese Sichtweise. Der enorme Aufwand an Maschinen, Energie und an finanziellen Mitteln lasse sich zudem nicht rechtfertigen und entspreche nicht der geforderten Nachhaltigkeit. Unbestritten sei lediglich der Hochwasserschutz mit der Sperre bei der Einmündung des Dorfbaches in die Lützelmurg. «Zwei bis drei Schlaufen im Bachlauf könnte ich mir allenfalls vorstellen, wobei kaum Bäume des Gehölzes gefällt werden müssten», lässt August Sidler mit einem versöhnlichen Schlusssatz durchblicken.

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