Aadorf
«Da wird bei hoher Wassertemperatur jegliches Lebewesen abgetötet»: Die ökologische Aufwertung der ehemaligen Kiesgrube «Steig» ist mangelhaft

Vor zwei Monaten ist in dieser Zeitung auf die ökologische Aufwertung der ehemaligen Kiesgrube «Steig» aufmerksam gemacht worden. Nun stellt sich heraus, dass das Resultat alles andere als zufriedenstellend ist. Zwei Experten geben Auskunft.

Kurt Lichtensteiger
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Diese beiden Biotope vor der Extensivwiese sind gemäss Auskünften zweier Sachkundiger mangelhaft.

Diese beiden Biotope vor der Extensivwiese sind gemäss Auskünften zweier Sachkundiger mangelhaft.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Langsam, aber stetig sichtbar, scheint das ehemalige Kiesabbaugebiet in der Steig/Ifang, beruhend auf dem Konzept «Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung», Gestalt anzunehmen. Mit dem Zeitungsartikel «Aus Braun wird wieder Grün» ist auf das schützenswerte «Wanderobjekt TG 98» südlich des Aadorfer Heidelbergs hingewiesen worden. Der ökologische Wert und dessen Vernetzungsfunktion wurden von Fachstellen als mittel und das Entwicklungspotenzial sogar als hoch eingestuft.

Inzwischen spriessen aus der rekultivierten und neu angesäten Extensivwiese die ersten Wiesenhalme und zarten Blümlein. Selbst der magere Kiesboden verhindert das Pflanzenwachstum nicht, zeigen sich doch schon die ersten Brombeerstauden.

Dysfunktionale Biotope

Kurt Heider, Geschäftsführer Kies- und Sandwerk AG.

Kurt Heider, Geschäftsführer Kies- und Sandwerk AG.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Anlass zur Kritik geben nun die kürzlich angelegten Biotope, die sich auf dem Boden der Politischen Gemeinde Aadorf befinden. Darauf verweist Kurt Heider von der Aadorfer Kies- und Sandwerk AG. Während der letzten Jahrzehnte hat er die Renaturierung begleitet, seine Erfahrungen eingebracht und nicht unerhebliche finanzielle Mittel beigesteuert.

Mit Unverständnis betrachtet er nun zwei ins Auffüllmaterial gesetzte Biotope, ausgekleidet mit einer Folie. Nicht nur die rechteckigen und unnatürlichen Formgebungen stören sein Auge, sondern auch die Auskleidungen. Kommt dazu, dass die beiden Rohrabflüsse vor Verstopfungen nicht gefeit sein dürften. Wegen des ungünstigen Gefälles droht ein Gewässer gar auszutrocknen.

Meinungen gehen auseinander

Dann wendet sich sein Blick westwärts, in eine ebenfalls gemeindeeigene Parzelle, die vor zwei Jahren ökologisch weiterentwickelt worden ist. Auch dort wurden zwei Biotope angelegt, die Heider aufgrund ihrer geringen Ausmasse allerdings als Tümpel bezeichnet. Heider sagt, das gehe ja noch. Aber die Auskleidung mit Chromstahlblech, das derzeit im gleissenden Sonnenlicht aus dem satten Grün glitzert, ist «sozusagen ein Sündenfall». Er ergänzt:

«Da wird bei hoher Wassertemperatur jegliches Lebewesen abgetötet.»
Zwei weitere Biotope, die als Todesfalle bezeichnet werden können.

Zwei weitere Biotope, die als Todesfalle bezeichnet werden können.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Und mit dieser Meinung ist er nicht allein. Edith Herrmann vom Natur- und Vogelschutzverein Aadorf teilte nach einem Augenschein die Ansicht, dass das Kosten/Nutzen-Verhältnis bei den vier Biotopen unbefriedigend sei. «Das beauftragte Ingenieur- und Planungsbüro sollte sich doch der Angelegenheit annehmen und für eine Verbesserung sorgen», liessen die beiden verlauten.

Auf eine Rückfrage antwortete dieses prompt mit einem Schreiben:

«Beim ausgeführten Werk herrscht in der Tat etwas Nachbesserungsbedarf.»

Naturschutz dürfe auch mal anders daherkommen. Ähnliche Ablasstümpel hätten sich an anderer Stelle bewährt. Man wundere sich sowieso, wer da so alles in einem Schutzgebiet herummarschiere, wo eigentlich nicht für alle freier Zutritt herrsche, wie es im Schreiben weiter hiess.