Aadorf
«Baulücke an zentraler Lage»: Um die «Venus» tut sich was

Nachdem die Gebäudeversicherung des Kantons Thurgau die bahnhofnahe Parzelle mit dem «Venus»-Gebäude verkauft hat, ist es zu Bewegung am attraktiven Standort gekommen.

Kurt Lichtensteiger
Merken
Drucken
Teilen
Das vor kurzem noch verwilderte Areal um die «Venus» ist gerodet.

Das vor kurzem noch verwilderte Areal um die «Venus» ist gerodet.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Um mit Höhenaufnahmen das Terrain zu vermessen, hat in den letzten Tagen die mit der Projektleitung betraute Caran AG aus Winterthur auf dem «Venus»-Areal umfangreiche Rodungen vorgenommen. Danach bietet die Parzelle mit einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Aadorf ein komplett anderes Bild: Aus einer verwilderten, grünen Landschaft ist in diesen Tagen eine kahle braune Erdfläche geworden. Nicht verwunderlich, dass das ungewohnte Erscheinungsbild bei der Bevölkerung Fragen aufwirft.

Die älteren Aadorfer erinnern sich noch an den «Neuhof», ein gutbürgerliches Restaurant mit Kegelbahn, geführt von der Familie Ruckstuhl. Mit dem Namen «Venus» zog darauf ein anderes Geschäftsmodell ein, das mit einem Nachtlokal einen eher fragwürdigen Charakter aufwies. Das Rotlichtmilieu lockte eine andere Klientel an, die aus einem weiteren Einzugsgebiet stammte. Nach Jahren verblasste allerdings der Name «Venus». Ebenso die Existenzberechtigung eines Nachtlokals, das der Zeit nachhinkte. Es kam zur Schliessung.

Die Zimmer im Gebäude wurden vermietet und dienten zeitweise auch Asylbewerbern als Unterkunft. Gleichwohl blieb die Bezeichnung «Venus» in den Köpfen der Aadorfer hängen. Nicht lebendig geblieben als Göttin der Liebe und Schönheit, auch nicht als Morgen- oder Abendstern, sondern als zentrales Gebäude an der Bahnhofstrasse 32.

Noch kein Baugesuch eingegangen

Matthias Küng,Aadorfer Gemeindepräsident.

Matthias Küng,
Aadorfer Gemeindepräsident.

(Bild: Reto Martin)

Zu dieser bewegten Vorgeschichte scheint sich nun ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Auf Anfrage nimmt Gemeindepräsident Matthias Küng Stellung: «Nach der Übernahme durch die Gebäudeversicherung des Kantons Thurgau hat diese ein Projekt ausgearbeitet, das auf einem bestehenden Gestaltungsplan aus dem Jahr 2002 basiert.» Nach dessen Überarbeitung war der Bau von Mehrfamilienhäusern vorgesehen. Eine Einsprache mit anschliessendem Rechtsverfahren liess diese Pläne allerdings scheitern. «Darauf entschied die Gebäudeversicherung, das Projekt nicht mehr weiterzuverfolgen.»

In der Folge habe sich ein Zürcher Unternehmer zum Kauf entschlossen. Er beabsichtige, auf dem Areal ein Projekt nach Regelbauweise zu realisieren. «Um dies zu ermöglichen, muss der rechtsgültige Gestaltungsplan aus dem Jahr 2002 aber zuerst noch vom Gemeinderat aufgehoben werden. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist noch kein Baugesuch eingegangen. Es liegt jedoch im Interesse der Gemeinde, dass sich diese Baulücke an zentraler Lage mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern bald schliessen wird», betont Küng.

Was mit dem bestehenden und nicht denkmalgeschützten Gebäude geschieht, bleibt indessen noch ungeklärt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die «Venus» schon bald der Vergangenheit angehören wird.

«Baulücke an zentraler Lage»: Die «Venus» liegt in unmittelbarer Nähe des Aadorfer Bahnhofes.

«Baulücke an zentraler Lage»: Die «Venus» liegt in unmittelbarer Nähe des Aadorfer Bahnhofes.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)