97 Tage
Fabrik leerfahren, fertig: Die 58. Kampagne der Zuckerfabrik Frauenfeld ist zu Ende, sie dauerte überdurchschnittlich lang und brachte eine Rekordmenge an Biozucker

Werksleiter Joachim Pfauntsch zieht nach der diesjährigen Kampagne eine positive Bilanz. In Sachen Corona kam man über die Runden. Der Ernteertrag war hoch, die Auslastung der Fabrik gut. Ein Störfall hätte die Kampagne aber beinahe länger unterbrochen.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
23. Dezember: Die letzten Rübenhaufen kurz vor Ende der Kampagne 2020.

23. Dezember: Die letzten Rübenhaufen kurz vor Ende der Kampagne 2020.

Bild: Reto Martin

Dass seine Weihnachten eher kurz sind, wird für Joachim Pfauntsch langsam zur Gewohnheit. Am 25. Dezember stand für den Werksleiter der Frauenfelder Zuckerfabrik am Vormittag eine Sitzung an, nachmittags daheim feiern, danach nochmals in die Fabrik. Die Kampagne ging zwar am frühen Morgen des Heiligabends zu Ende.

«Danach fahren wir die Fabrik leer.»

Das sagt Pfauntsch. Die Reinigungsarbeiten dauerten noch bis und mit 27. Dezember an.

Erhöhter Schmutzgehalt, erfreulicher Ernteertrag

Im Oktober regnete es häufig, was bei den Schmutzgehalten der Rüben zu hohen Werten führte. Während der November eher trocken blieb, setzten im Dezember wieder vermehrt Niederschläge ein, zum Teil auch in Form von Schnee. Wie Joachim Pfauntsch sagt, war die Versorgung mit Rüben aber zu jedem Zeitpunkt der Kampagne gut. Vor allem in der Region sei der Ernteertrag sehr gut gewesen, Rüben per Strassentransport seien sehr gut verfügbar gewesen. 

Der Ernteertrag der konventionellen Rüben, die nach Frauenfeld kamen, war mit 90 Tonnen pro Hektare erfreulich hoch und markiert den drittbesten Wert nach 2011 und 2014. Im Vorjahr waren es 87 Tonnen pro Hektare. (ma)

Die diesjährige Kampagne, die 58., dauerte 97 Tage. Die 2019er-Kampagne kam auf 105 Tage. Gleichwohl reiht sich die heurige in die Liste der längsten Kampagnen des Werkes ein. «Im Nachhinein dürfen wir durchaus zufrieden sein», meint Pfauntsch.

Joachim Pfauntsch, Werksleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, zieht eine positive Bilanz.

Joachim Pfauntsch, Werksleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, zieht eine positive Bilanz.

Bild: Reto Martin

Aus 814'000 Tonnen Rüben 125'000 Tonnen Zucker

In der abgelaufenen Kampagne wurden 814'000 Tonnen Rüben in Frauenfeld verarbeitet. Daraus resultierten 125'000 Tonnen Zucker. Der Zuckergehalt lag bei durchschnittlichen 17,4 Prozent (2019: 16,8 Prozent). In diesen Mengen sind auch Biorüben und Biozucker enthalten: Aus 81'000 Tonnen Biorüben wurden 11'000 Tonnen Zucker in Bioqualität produziert.

«Ein Rekordwert. In der 2019er-Kampagne waren es 9000 Tonnen Biozucker.»

Das sagt Pfauntsch. Im Vorjahr waren es insgesamt 854'000 Tonnen Rüben und 127'000 Tonnen Zucker.

Zur besseren Auslastung des Werkes wurden ausserhalb der Biokampagne heuer insgesamt 160'000 Tonnen deutsche Rüben verarbeitet, davon deren 46'000 Tonnen aus dem grenznahen Raum.

Arbeiten kurz vor Schluss der Kampagne.

Arbeiten kurz vor Schluss der Kampagne.

Bild: Reto Martin

Nur einige wenige Mitarbeiter mussten in Isolation

Vor allem angesichts der allgegenwärtigen Coronapandemie zieht Pfauntsch eine positive Bilanz. «Wir hatten sicher auch Glück.» Von den insgesamt rund 140 Mitarbeitern, davon 50 befristete Kampagnenmitarbeiter, traf es nur einige wenige, die positiv getestet wurden und in Isolation mussten. Ein Mitarbeiter musste leider im Spital intensiv behandelt werden. Einige andere mussten sich kurzzeitig in Quarantäne begeben. Alle Ausfälle hätten intern kompensiert werden können, sagt Pfauntsch.

Zuckerfabrik Frauenfeld.

Zuckerfabrik Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Ausschlaggebend, dass man glimpflich davonkam, sei sicher die strikte Einhaltung der Schutzmassnahmen gewesen. Es galt eine Masken- und Abstandpflicht sowie ein Besucherverbot. Wo möglich, konnte man Homeoffice machen, und es wurden vermehrt Videokonferenzen abgehalten. Pfauntsch sagt:

«Corona wird uns aber leider auch weiterhin beschäftigen.»

Nebst Corona machten der Zuckeri noch zwei Störungen zu schaffen, die durchaus nicht unproblematisch waren. Zum einen war da ein Kurzschluss im externen Stromnetz, der einen Stromausfall auslöste. Ungleich schlimmer präsentierte sich der Ausfall des Rübenwäsche-Antriebs. Zum Glück fand sich im Lager der alte Antrieb der Wäsche, der bis zuletzt vor einem Jahrzehnt in Betrieb war, aber noch funktionierte. Die Mechaniker konnten die Antriebe tauschen, sodass das Werk letztlich nach 14 Stunden wieder anlaufen konnte.

«Den defekten Antrieb konnten unsere Leute mittlerweile auch wieder reparieren.»

Ein neuer Antrieb hätte mehrere Wochen Lieferzeit gehabt. Die Fabrik wäre lange stillgestanden, sagt Pfauntsch.

Arbeiten kurz vor Schluss der Kampagne.

Arbeiten kurz vor Schluss der Kampagne.

Bild: Reto Martin

Grossprojekt: Verbesserung der Reinigungsleistung

Auf die Rübenkampagne folgt die Zwischenkampagne. Üblicherweise sammeln sich zum Jahresende immer viele Überstunden an. Diese kompensieren die festangestellten Mitarbeiter nun in den kommenden Wochen und Monaten. Daneben stehen allgemeine Instandhaltungsarbeiten an. Weiter wird laut Pfauntsch an der Verbesserung der Reinigungsleistung gearbeitet. In dieses Projekt investiert die Zuckerfabrik über fünf Millionen Franken. Die Umsetzung ist für 2022 angedacht. Längerfristig soll auch die Rübenpektinproduktion gesteigert werden. Und ganzjährig läuft natürlich die Zuckerauslieferung.

Die letzten Rübenberge.

Die letzten Rübenberge.

Bild: Reto Martin