900 Kilometer pro Spiel für den HC Thurgau unterwegs

Marcel Stillhard sorgt seit zwölf Jahren dafür, dass der HC Thurgau pünktlich und sicher an die Auswärtsspiele kommt. Auf der Raststätte vergessene Spieler gehören manchmal zum Business dazu.

Matthias Hafen
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Seit zwölf Jahren chauffiert Marcel Stillhard verschiedene Mannschaften des HC Thurgau.

Seit zwölf Jahren chauffiert Marcel Stillhard verschiedene Mannschaften des HC Thurgau.

Bild: Matthias Hafen

Er schiesst keine Tore und blockt keine Schüsse. Trotzdem ist Marcel Stillhard eines der wichtigsten Teammitglieder des HC Thurgau – gerade im diesjährigen Playoff. Der Chauffeur des HCT-Mannschaftscars legt in der Viertelfinalserie gegen Visp bei jedem Auswärtsspiel rund 900 Kilometer zurück.

Mit an Bord des Viersterne-Reisecars: 25 Spieler, zwei Trainer, Betreuer und die Hoffnung eines ganzen Kantons auf ein gutes Abschneiden. Für Letzteres ist die Mannschaft gefragt. Doch Stillhard ist sich seiner Verantwortung bewusst. «Wenn die Spieler eine entspannte Reise haben, wirkt sich das auf die Tagesform aus», sagt der Chauffeur, der heuer seine zwölfte Saison für den HC Thurgau hinter dem Steuer sitzt.

Spieler sehen ihn als einer der ihren

In dieser Zeit hat der Mitinhaber seines eigenen Unternehmens Thurtal Reisen einiges erlebt. In seinen ersten fünf Jahren sei es den Spielern hauptsächlich um die Gaudi gegangen. «Erst Trainer Christian Weber hat aus dem Ganzen einen Profibetrieb gemacht», sagt Stillhard. Disziplin wird auch unter Webers Nachfolger Stephan Mair grossgeschrieben.

«Die aktuelle Mannschaft ist sehr zuvorkommend, hilft auch mal aufräumen.»

Mittlerweile ist Stillhard nicht nur Chauffeur, sondern auch Maskottchen des Teams. «Die Spieler haben mich als einer der ihren aufgenommen», sagt er. «Das freut mich und ist für mich der schönste Lohn.»

In der Ajoie ungewollt einen Spieler stehenlassen

Stillhard unternimmt viel, damit es die Mannschaft an Bord gut hat. Er stellt ihr auf der Reise freies Internet zur Verfügung, sponsert alle Getränke, die im Car konsumiert werden und fährt den HCT auch in einem Doppelstöcker, wodurch jeder Spieler zwei Sitze zu seiner Verfügung hat. Etwas, das nicht einmal in der NLA selbstverständlich ist. Zudem kann so die Mannschaft im oberen Stock für sich sein, während die Trainer unten an Arbeitstischen an der Taktik feilen.

Anekdoten kennt er zuhauf. So wurde in Pruntrut einmal ein Spieler vergessen, weil dieser noch mit seiner Freundin redete und das niemand bemerkte. Auch schon vergass Stillhard, bei der Raststätte Kemptthal anzuhalten und dort einige HCT-Spieler aufzuladen. Seine grösste Herausforderung ist indes die Zeit. Nach 15 Stunden muss der Arbeitstag eines Berufschauffeurs zu Ende sein, unabhängig der gefahrenen Stunden. So will es das Gesetz. Deshalb sitzt im Playoff nach Visp immer noch ein zweiter Fahrer im Car.