54 neue Fälle im Thurgau +++ Regierung informiert am Freitag über neue Corona-Massnahmen +++ Kantonsspitäler sind für weitere Covid-19-Patienten bereit

Zwischen Bodensee und Hörnli nehmen die Coronafallzahlen weiter zu. Neue Massnahmen kommuniziert der Thurgauer Regierungsrat am Freitag. Mittlerweile zeichnet es sich ab, wohin die Reise gehen könnte: Maskenpflicht bei Anlässen mit über 30 Teilnehmer, ein Tanzverbot und eine Sitzpflicht in Restaurants.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
Im Bahnhof Bern müssen auch am Bahnhof Schutzmasken getragen werden.

Im Bahnhof Bern müssen auch am Bahnhof Schutzmasken getragen werden.

Bild: Marcel Bieri/Keystone

Mit 54 neuen Coronafällen hat der Thurgau einen weiteren Tag in Folge einen neuen Höchststand erreicht. Seit Beginn der Pandemie zählte der Kanton gemäss offiziellen Angaben 1027 Fälle. Derzeit befinden sich zwölf Coronapatienten im Spital, zwei mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle verharrt weiterhin bei 19. Der letzte, der dem Coronavirus angelastet werden muss, datiert im Thurgau auf den 29. Juli.

Vertieft man sich in die neuen 54 Fälle, zeigt sich folgendes Bild: Eine Häufung der Neuinfektionen findet bei der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen sowie bei den 50- bis 59-Jährigen statt. Wenige Ansteckungen sind bei den unter 20-Jährigen und den über 80-Jährigen zu verzeichnen.
Auf Twitter wird das Thema heiss diskutiert.

Die Kurve zeigt steil nach oben.

Die Kurve zeigt steil nach oben.

statistik.tg.ch

In den vergangenen Tagen wurden Stimmen lauter, die eine Maskenpflicht in Läden forderten. Eine gewisse Ungeduld ist spürbar. Jemand schreibt: «Man kann die Katastrophe auch provozieren.» Ein anderer twittert:

«Abwarten und Tee mit Honig trinken kann nicht Lösung sein, oder?»

Ein weiterer Nutzer mahnt zur Besonnenheit. Der Thurgau sei gut beraten, «keine Symbolmassnahmen zu erlassen». Er vergleicht den Thurgau mit dem Jura: Trotz Maskenpflicht habe der jüngste Kanton die vierfache Fallzahl. Und er belegt es mit einer Statistik: Pro 100000 Einwohner verzeichnet der Kanton Thurgau am Donnerstag 19,5 Neuansteckungen, der Jura 83,1.

Gesundheitsdirektoren schliessen sich kurz

Der Kanton will am Freitagmorgen über die weitergehenden Massnahmen informieren, wie einer Medieneinladung zu entnehmen ist. Es zeigt sich bereits, wohin die Reise gehen könnte: Die Gesundheitsdirektoren der Ostschweizer Kantone und des Fürstentum Liechtenstein (GDK Ost) schlagen ihren Regierungen ein Massnahmenpaket zur Bekämpfung des Coronavirus vor. Das gaben sie am Donnerstag bekannt. Sie wollen damit einen Flickenteppich in der Ostschweiz vermeiden. Entscheiden müssen aber die einzelnen Kantone.

60 Akutbetten und 16 Intensivbetten stehen für Coronapatienten

(seb.) Mit dem Anstieg der Hospitalisationen auf zwölf im Thurgau stellt sich die Frage, ob der Kanton über ausreichend Betten für Coronapatienten verfügt. Auf Anfrage bestätigt Miriam Hetzel vom kantonalen Informationsdienst: Die bereitgestellte Bettenkapazität von 60 Akutbetten und 18 Intensivbetten entspreche dem aktuellen Stand. «Bei Bedarf können die Kapazitäten noch schrittweise nach oben angepasst werden.» Norbert Vetterli, Direktor des Kantonsspitals Frauenfeld, sagt auf Anfrage: «Die Aufnahmefähigkeit der Kantonsspitäler in Frauenfeld und Münsterlingen ist nach wie vor intakt.» Der antizipierende Umgang mit schwankenden Patienteneintritten gehöre mitunter zur Kernkompetenz eines Akutspitals.  

Im Massnahmenkoffer finden sich folgende Instrumente – viele davon haben andere Kantone bereits eingeführt: Maskenpflicht an öffentlichen und privaten Anlässen mit einer Teilnehmerzahl ab 30 Personen; Konsumation in Restaurants muss an einem festen Sitzplatz erfolgen; Tanzverbot, aber keine Schliessung von Clubs und Partylokalen. Randnotiz: Der Thurgau kennt bereits ein Tanzverbot, das an den höchsten fünf Feiertagen gilt – etwa am Karfreitag.

Die vorgeschlagenen Massnahmen fussen auf der Feststellung, dass viele Ansteckungen derzeit an privaten und öffentlichen Anlässen passieren. Die Kantone entscheiden autonom über eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen, heisst es in der Mitteilung. Im Kanton Schaffhausen gilt ab Freitag eine Maskenpflicht in Läden und Märkten. Kinder unter zwölf Jahren sind davon –wie im Bus und Zug – befreit.

Mehr zum Thema
Reportage

«Wenn wir den Leuten zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen, ist viel erreicht»: So sieht der Arbeitsalltag der Thurgauer Contact-Tracer aus

Reisen, Quarantäne, Grippewelle: Diese Themen beschäftigen die Menschen im Thurgau. Und sie rufen bei der Corona-Hotline des Kantons an. Im Schnitt läutet in den zwei Containern in Frauenfeld 170 Mal das Telefon. Seit Beginn der Pandemie nahmen die Mitarbeiter über 14'000 Anrufe entgegen. Ein Besuch im Galgenholz.
Sebastian Keller