50 Zentimeter über dem Durchschnitt:
Der Bodensee steht so hoch wie normalerweise im Mai

Der Pegelstand des Bodensees ist für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch. Dies könnte sich häufen.

David Grob
Drucken
Teilen
395,61 Meter über Meer: Der gestrige Stand des Bodensees ist höher als normalerweise.

395,61 Meter über Meer: Der gestrige Stand des Bodensees ist höher als normalerweise.

Bild: Andrea Stalder

Die Kurve zittert blau über dem sanften Verlauf einer grünen Kurve, ehe sie abrupt beim gestrigen Datum abbricht. Sie zeigt den aktuellen Pegelstand des Bodensees an: 395,61 Meter über Meer. Und dieser ist derzeit deutlich höher als der langjährige Durchschnitt in Grün. Konkret: Das Wasser in Romanshorn, wo das Bundesamt für Umwelt (Bafu) den Pegel im Bodensee misst, schlägt heute rund einen halben Meter weiter oben an die Hafenmauern als normalerweise zu diesem Zeitpunkt im Jahr.

Der Grund ist klar: der vergleichsweise warme Winter. Gemäss Meteo Schweiz war der diesjährige Februar der zweitwärmste seit Messbeginn 1864. Die Temperaturen bewegten sich in der Ostschweiz zwischen 1,5 und 5 Grad über der einem üblichen Februar. Edith Oosenbrug, Abteilung Hydrologie beim Bafu, sagt:

«Der Niederschlag, der normalerweise im Winter als Schnee kommt, fiel nun vermehrt als Regen. Dies zeigt sich auch im Pegelstand.»

Ihr Berufskollege Ulrich Göttelmann vom kantonalen Amt für Umwelt sagt: «Ausserdem ist die Schneeschmelze bereits spürbar.» In höheren Lagen sei immer wieder Schnee gefallen, der dann aber schnell geschmolzen sei. «Tauperioden folgten auf Schneeschmelze.»

Der Tiefststand erfolgt in den Wintermonaten

Den Tiefststand hat der Bodensee in diesem Jahr bereits Ende Januar erreicht. Aussergewöhnlich ist dies aber nicht. «Das Jahresminimum tritt üblicherweise zwischen Januar und April auf. Doch der genaue Zeitpunkt ist stark witterungsabhängig», sagt Göttelmann.

Zu den Wettereinflüssen kommt eine Besonderheit des zweitgrössten Schweizer Sees: Er ist einer der wenigen Seen landesweit, der nicht reguliert wird. «Dadurch schlägt sich das Wetter viel stärker im Pegelstand nieder als anderswo», sagt Oosenbrug. Regionale Niederschläge zeigen sich im Wasserstand.

So geschehen Ende Januar. Sprunghaft schnellt die rote Kurve innert weniger Tage nach oben: Der Pegel steigt um knapp 40 Zentimeter. Der Grund: viel Niederschlag in kurzer Zeit, die Schneefallgrenze auf rund 2500 Metern über Meer, der Wintersturm Petra. Oosenbrug sagt:

«So ist es im Einzugsgebiet des Bodensees zu mehr Zufluss gekommen, als dies normalerweise der Fall ist.»

Blickt man in der Statistik zurück, fällt eines auf: In den letzten Jahren scheint der Tiefsstand des Bodensees höher zu sein als in früheren Jahren. Die magische Marke liegt bei 395 Metern über Meer. Zwischen 1981 und 2009 lag der jährliche Tiefststand nur vier Mal höher. Seit 2010 hingegen gleich sieben Mal. Dies entspricht den Erwartungen des Bafu: «Wir gehen davon aus, dass die Wasserpegel im Winter eher höher liegen als bisher.»

Mehr zum Thema