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455 Jahre im Schatten der Frauenfelder Altstadt: Das Trompetenhüsli

Aktuelle Holzuntersuchungen bestätigen es: Das Trompetenhüsli in der Engelvorstadt an der Thundorferstrasse 18 gehört zu den ältesten Bauten der Kantonshauptstadt. Einst war es Rebhaus, später Instrumentenmanufaktur.
Mathias Frei
Ein altes, kleines Hüsli: Thundorferstrasse 18. (Bild: Donato Caspari)

Ein altes, kleines Hüsli: Thundorferstrasse 18. (Bild: Donato Caspari)

Noch heute steht es so da wie weiland 1563, das kleine, hellgelb verputzte Hüsli in der Engelvorstadt, heute Thundorferstrasse 18. «Überrascht bin ich nicht», sagt der Frauenfelder Architekt Gabriel Müller. Aber er hätte das Gebäude 50 Jahre jünger geschätzt. Müller verantwortet den aktuellen Umbau der Häusergruppe Thundorferstrasse 14, 16 und 18. In diesem Zusammenhang liess er von der kantonalen Archäologie eine dendrochronologische Analyse durchführen, eine Holzalterbestimmung.

«Die Holzkonstruktion vom Keller bis zum Dachstock datiert demnach von 1563», sagt der Architekt.

Gabriel Müller, Frauenfelder Architekt. (Bild: Andrea Stalder)

Gabriel Müller, Frauenfelder Architekt. (Bild: Andrea Stalder)

Das bedeutet laut Müller, dass das Gebäude, das man heute als Trompetenhüsli kennt, die drittälteste in der ursprünglichen Form erhaltene Baute im Stadtzentrum ist. Der Schlossturm stammt aus den 1240er-Jahren, die Baliere ist zwischen 1555 und 1557 erbaut worden. Wie der Frauenfelder Lokalhistoriker Angelus Hux erklärt, gibt es zwar mehrere Häuser, die älter sind als Baliere und Trompetenhüsli. Diese Gebäude wurden aber im Laufe der Zeit aufgestockt, haben also ihre ursprüngliche Form verloren. So ist vom «Goldenen Adler» an der Zürcherstrasse in der Altstadt in Zusammenhang mit Steuern 1449 eine Ersterwähnung zu finden. Weiter gehören beim Holdertor das «Licht» und «Schwert» auf der Freie-Strasse-Seite dazu sowie auf der Rathausseite die «Sonne» und der «Gambrinus».

Ab dem 15.Jahrhundert wohnt man in der Vorstadt

Die stinkenden und gefährlichen Handwerke habe man seit jeher nicht in der Stadt gewollt, erklärt Hux. Das sei im mittelalterlichen Frauenfeld nicht anders gewesen. Im 15. Jahrhundert sei aufgrund des Bevölkerungswachstums auch die Wohnnutzung in den Frauenfelder Vorstädten aufgekommen. So waren ab 1445 Befestigungsanlagen vor der Stadt erlaubt – als Beispiel das Trüffeltor in der Oberen Vorstadt auf Höhe «Anker»/»Touring».

Aus dem Jahr 1780: die älteste Ansicht der Holderbergs- oder Engelvorstadt, aufbewahrt im katholischen Pfarrarchiv Frauenfeld. Das Gebäude Nummer 74 ist die heutige Thundorferstrasse 18. (Bild: Angelus Hux)

Aus dem Jahr 1780: die älteste Ansicht der Holderbergs- oder Engelvorstadt, aufbewahrt im katholischen Pfarrarchiv Frauenfeld. Das Gebäude Nummer 74 ist die heutige Thundorferstrasse 18. (Bild: Angelus Hux)

Das Trompetenhüsli muss als Rebhüsli erbaut worden sein. Auf der ältesten Abbildung der Engelvorstadt von 1780 jedenfalls ist es als städtisches Rebhaus mit angrenzendem Kräutergarten bezeichnet. In den Obergeschossen vermutet Hux Wohnräume der Tagelöhner, die im Rebberg arbeiteten, im Erdgeschoss war das Werkzeuglager untergebracht. Je nach Quelle reichten die Holderberg-Reben bis auf Höhe Burstel. Andere Chronisten sahen den Holderberg hinter dem Rüegerholz.

Angelus Hux, Frauenfelder Lokalhistoriker. (Bild: Reto Martin)

Angelus Hux, Frauenfelder Lokalhistoriker. (Bild: Reto Martin)

Anfangs der Engelvorstadt, die nach der Wirtschaft «Zum Engel» benannt ist, dem heutigen «Pfeffer», gab es eine Schmitte. Darüber hinaus hatten hier Stadtbürger Ställe und Scheunen ihrer Landwirtschaften. Sie waren bei den Familien Reding und Rüpplin eingemietet, denen ein Grossteil der Engelvorstadt-Bauten gehörte.

Wer selber in einer Vorstadt wohnte, galt als Einwohner zweiter Klasse ohne die Rechte der Stadtbürger. Dies änderte sich mit der Intervention des Engel-Wirts Wolfgang Rudolf Rogg (um 1649 bis 1719), die zu einer Gleichberechtigung führte.

Für die Zeit ab 1800 bis zum Erwerb der heutigen Thundorferstrasse 18 durch die Instrumentenbau-Familie Wolf im Jahr 1885 fehlen Angelus Hux Daten. Ab 1893 bis Mitte der 1930er-Jahre führt Marie Wolf die Blechblas-Instrumentenmanufaktur im Haus zu internationaler Bekanntheit. Daher auch der Ausdruck Trompetenhüsli. Nach Wolfs Tod 1935 lebte bis 1961 die Schwester des Wolf’schen Werkstattleiters im Haus. Danach betrieb ein Marco Marcassoli einen Rollladenreparaturservice daheim – bis es 1974 an die Firma Gehring ging, die es als Lager nutzte.

Der aktuelle Umbau des Trompetenhüsli sieht vor, dass es im Erdgeschoss Gewerbenutzung gibt sowie unter Umständen ein Schaudepot für historische Instrumente aus dem Hause Wolf. Im Ober- und Dachgeschoss ist eine Maisonettewohnung geplant. Mit dem Wissen um das Alter des Gebäudes gehe er noch bewusster und behutsamer mit der Bausubstanz um, sagt Architekt Gabriel Müller.

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