327 Thurgauer Kantonsschüler stellen Antrag an Regierungsrätin Monika Knill: Verzicht auf die diesjährige Maturaprüfung

Mit einem Brief gelangen die Thurgauer Kantonsschüler an die oberste Bildungsverantwortliche des Kantons. Dass sie zur Abschlussprüfung antraben müssen und Schüler anderer Kanton nicht, erachten sie als unfair.

Sebastian Keller
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Die Kanti Frauenfeld.

Die Kanti Frauenfeld.

(Bild: Chris Mansfield)
  • Grosse Kantone wie Zürich wollen auf auf die Maturaprüfungen verzichten.
  • Der Bundesrat äussert sich dazu wohl am Mittwoch. 
  • Der Thurgau will an den schriftlichen und mündlichen Prüfung festhalten.
  • Kantonsschüler gehen auf die Barrikade. Sie fordern gleich lange Spiesse. 

Regierungsrätin Monika Knill erhält Post. In einem Schreiben wird die Thurgauer Erziehungsdirektorin gebeten, auf die diesjährigen Maturaprüfungen zu verzichten. Das Maturazeugnis soll auf die in den letzten Jahren erzielten Erfahrungsnoten abgestützt werden. So steht es in einem Brief, der auch dieser Redaktion vorliegt.

Das Anliegen ist breit abgestützt. Es wird von 327 der insgesamt 413 Schülerinnen und Schülern der Maturitäts-Abschlussklassen aus dem Thurgau mitgetragen. Verfasser sind die Schülerorganisationen der Kantonsschulen Romanshorn und Kreuzlingen, der Schülerrat der Kantonsschule Frauenfeld, die Schülerregierung der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen sowie weitere Maturanden aus dem Kanton.

Die Rede ist von Verunsicherung und Angst

Im Brief verweisen die Kantonsschüler auf die derzeit schwierige Situation infolge der Coronapandemie. Die Rede ist von Verunsicherung und Angst. Von einer «geschenkten» Matura wollen die jungen Erwachsenen aber auch nichts wissen. «Wir schreiben nicht, um einen persönlichen Vorteil aus dieser Krise zu ziehen», halten sie fest. Es gehe ihnen um Solidarität sowie um eine Gleichbehandlung im Vergleich zu Maturanden in anderen Kantonen. So hat der Nachbarkanton Zürich beispielsweise angekündigt, auf die schriftlichen und mündlichen Prüfungen verzichten zu wollen.

Die Thurgauer Schüler halten fest, dass die Maturanden aus den Kantonen ohne Abschlussprüfungen beispielsweise für den Numerus Clausus einen Vorteil hätten. «Sie müssen sich nicht parallel auf zwei wichtige Prüfungen vorbereiten.»

Seit Wochen nur Fernunterricht

Auch die momentane Unterrichtssituation sei belastend. «Fernunterricht ist deutlich weniger effektiv als Präsenzunterricht», heisst es im Schreiben. Und das Lernen zu Hause sei nicht für alle Maturanden dasselbe, weil sie aufgrund ihrer sozialen Verhältnisse nicht alle die gleichen Rahmenbedingungen antreffen würden, wie sie ein Klassenzimmer gewährleiste.

Aufgrund der Schulschliessungen haben die Schüler «neun Wochen Präsenzunterricht verpasst», wie sie der Erziehungsdirektorin vorrechnen. «Dazu kommt, dass uns die spezifischen Vorbereitungstage und -wochen fehlen.»

Briefe nach Bundesbern

Laut den Schülerorganisationen gingen Kopien des Briefes an alle Rektoren der vier Thurgauer Maturitätsschulen. Briefe haben sie auch nach Bern geschickt: An Innenminister Alain Berset und Bildungsminister Guy Parmelin.

Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, soll der Bundesrat am Mittwoch über die Frage entscheiden. Die Erziehungsdirektorenkonferenz beantragte der Landesregierung, dass auf die Prüfungspflicht verzichtet werden darf. Die Zeitung hat zudem ausgerechnet, dass rund zwei Drittel aller Maturanden ihr Abschlusszeugnis allein aufgrund der Vornoten erhalten dürfte. Von fachlicher Seite wird der Verzicht auf die schriftliche Prüfung bedauert.

Das Departement für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau teilte am Donnerstag mit, dass Mittelschulen die schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen wie geplant ab dem 8.Juni durchführen werden. Das entspreche den aktuellen Vorgaben des Bundes, erklärte Regierungsrätin Monika Knill. Der speziellen Situation wolle man Rechnung tragen. Die Lehrer sollen beim Erstellen der Prüfungen auf die spezielle Situation mit dem Fernunterricht Rücksicht nehmen. Auch der Kanton St.Gallen will Maturaprüfungen durchführen – allerdings nur schriftliche.

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