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25 Grad schon vor dem Züni: Frauenfeld zwischen Gluthitze und Eisnebel

Reichlich trinken und so gut es geht im Schatten bleiben, lautet die Devise für die Bauarbeiter in der Thurgauer Hauptstadt. Wer allerdings im Kühlraum der «Passage» arbeitet, der erlebt den Hitzeschock erst nach Feierabend.
Stefan Hilzinger/Rahel Haag
Polier Max Gubler (vorne) gibt Anweisungen, wie die Stahlplatte versetzt werden muss. Noch hat’s Schatten am Herterberg. (Bild: Stefan Hilzinger)

Polier Max Gubler (vorne) gibt Anweisungen, wie die Stahlplatte versetzt werden muss. Noch hat’s Schatten am Herterberg. (Bild: Stefan Hilzinger)

Am Schatten geht’s grad noch. Doch an der Sonne? Es ist kurz vor halb neun am Herterberg in Frauenfeld. Polier Max Gubler gibt Anweisungen. Die schwere Stahlplatte, welche die Zufahrt zur Garage sichert, muss verschoben werden. Die Arbeiten am neuen Randabschluss der Quartierstrasse sind im Gang. Bauarbeiter stehen mit Pickel und Schaufel im Graben. Das Thermometer zeigt 25 Grad und das schon vor dem Znüni.

Nach dem Mittag sinkt die Leistung drastisch

«Unser Ziel ist, bis Mittag zwei Drittel des Tagwerks zu schaffen», sagt Gubler. Nach dem Mittag sinke die Leistungsfähigkeit drastisch. «Da ist einfach so.» Es gelte Vernunft zu halten, viel zu trinken und ab und zu den Kopf unter dem Wasserstrahl des Hydranten zu kühlen.

Im Dörfli Unterherten füllt ein Maschinist Wasser in seine Walze, damit Sand und Kies befeuchtet werden und besser zusammenbacken. Ob auch er mehr Durst hat? «Ich trinke so zwei Liter am Tag», sagt er. Die Hitze mache ihm nicht wirklich zu schaffen. Am Mittwoch werde gewalzt, am Donnerstag der neue Belag eingebaut.

Frischer Belag ist 160 Grad heiss

Dann wird es erst richtig heiss. Mit 160 Grad fliesst die schwarze Masse aus der Maschine. «Diese Arbeiter müssen bei der aktuellen Hitze besonders auf sich aufpassen», sagt Bauunternehmer Stefan Geiges. Heisses Wetter sei eigentlich ideal, um Belag einzubauen, weil das Material weniger schnell abkühlt, und so besser verarbeitet werden könne, erklärt er.

Kurz nach 13 Uhr zeigt das Thermometer an der Sonne 42 Grad an. (Bild: Stefan Hilzinger)

Kurz nach 13 Uhr zeigt das Thermometer an der Sonne 42 Grad an. (Bild: Stefan Hilzinger)

Kurz nach Mittag ist die Frauenfelder Grabenstrasse ein Durchlauferhitzer. An der Sonne zeigt das Thermometer 42 Grad, am Schatten sind es 33. Die grösste Hitze wird erst um 19 Uhr erwartet. Die Bauarbeiter kehren aus der Pause zurück. «Unten im Loch ist es etwas kühler», sagt Polier Luis da Costa, als er aus dem Graben steigt. Mitarbeiter Zdeno Droppa nimmt den Kompressor in Betrieb. Davor genehmigt er sich einen Schluck Wasser. Ein Kollege von der Nachbarbaustelle stöhnt und sagt:

«Es ist wie in einer Sauna.»

Morgens haben da Costa und sein Team früher begonnen als sonst. Draussen in den Wohnquartieren ist das problematisch. «Wenn wir um sechs auftauchen, kommt das nicht überall gut an», sagt Polier Max Gubler.


Willkommene Abkühlung: Einblick in einen Kühlraum der Migros in der Passage

Arbeiten bei zwei Grad: Die Fleischfachverkäuferin Petra Ludwig im Kühlraum in der Migros in der Passage. (Bild: Rahel Haag)

Arbeiten bei zwei Grad: Die Fleischfachverkäuferin Petra Ludwig im Kühlraum in der Migros in der Passage. (Bild: Rahel Haag)

Wer von draussen hereinkommt, spürt es sofort: In der Migros in der Passage ist es schön kühl, selbst morgens um neun. In der Fleischabteilung zwischen den Kühlregalen ist es noch ein bisschen frischer.

In der Auslage fällt der Blick auf das Grillfleisch mit Namen wie: Poulet Partyfilet-Spiess, Schweins Lemonspiess und Mixed Grill Spiess. Daneben liegen marinierte Lamm Nierstücke, Schweins Knoblauch Steaks und marinierte Rippchen. Hinter der Theke steht die Fleischfachverkäuferin Petra Ludwig. Sie sagt:

«Im Sommer lässt es sich hier gut aushalten.»

Vorne im Laden herrschen zwar etwa 20 Grad, hinten im Kühlraum sind es aber nur zirka 2 Grad. Ludwig hält die Tür auf und kalte Luft schlägt einem entgegen. In Chromstahl-Regalen lagert das vakuumierte Fleisch. «Ich bin oft hier hinten», sagt die 52-Jährige. Eine Lüftungsanlage überwacht penibel, dass die Temperatur nicht über 2 Grad ansteigt.

Kälter ist es nur in den Tiefkühlschränken: minus 18 Grad. Dort werde beispielsweise das Hackfleisch gelagert. Hausintern werde sie um ihren kühlen Arbeitsplatz ein wenig beneidet. «Die Kollegin von Micasa sagt an heissen Tagen manchmal, dass sie gerne mit mir tauschen würde.»

Bis zu einer Stunde im Kühlraum bei 2 Grad

Obwohl die Abkühlung an heissen Tagen guttut – nach einer Weile beginnt man zu frieren. Wenn sie Inventar machen müsse, sei sie rund eine Stunde im Kühlraum. In dieser Zeit wäge sie unter anderem das Fleisch und beschrifte es mit den entsprechenden Preisen. «Dann ziehe ich eine Kältejacke an.»

Darüber hinaus trägt Ludwig immer ein Unterhemd, denn die Arbeit sei auch tückisch.

«Wenn man schwitzt und dann in den Kühlraum geht, kann es vorkommen, dass man sich erkältet.»

Ins Schwitzen kommt sie vor allem, wenn sie vorne im Selbstbedienungsbereich die Kühler auffülle. «Vom Schleppen der Kisten.»

Auch die Kunden würden die Abkühlung in der Fleischabteilung geniessen. «Manchen ist es aber hier vorne schon zu kalt», sagt Ludwig. Sie beobachte immer wieder Leute, die sich die Arme rieben. «Gerade wenn sie kurze Sachen tragen.» Aktuell kauften sie vor allem Grillfleisch und Würste.

Um 18 Uhr hat Petra Ludwig Feierabend. «Wenn ich dann nach draussen komme, ist das wie ein Hammerschlag.» Anschliessend müsse sie jeweils noch ins heisse Auto steigen. «Oje», sagt sie und seufzt.

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