Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

22-Jähriger Thurgauer arbeitet als Bestatter: «Der Prozess der Verwesung ist hoch interessant»

Levin Ulmann sah mit 13 Jahren rein zufällig seinen ersten Toten. Heute arbeitet der 22-jährige Weinfelder in einem Bestattungsunternehmen. Kirchenmusik spielt er als Ausgleich zum Job.
Geraldine Bohne
Weinfelden TG - Levin Ulmann arbeitet als Bestatter in Lindau ZH. Der Weinfelder ist nebenberuflich Organist.

Weinfelden TG - Levin Ulmann arbeitet als Bestatter in Lindau ZH. Der Weinfelder ist nebenberuflich Organist.

Er hat keine Angst vor dem Tod. «Sonst müsste ich mir jeden Tag Sorgen machen», sagt Levin Ulmann und lacht. Der 22-Jährige arbeitet als Bestatter. Ein eher ungewöhnlicher Job für sein Alter. «Gewisse Leute schrecken zurück, wenn sie erfahren, was mein Beruf ist.» Nur per Zufall ist der Weinfelder mit 13 Jahren auf den Jobwunsch gekommen.

Die Musik spielt eine grosse Rolle im beruflichen Werdegang von Levin Ulmann. Schon seit klein auf spielt er Klavier, nimmt seit Jahren Orgelunterricht. «Ich wollte einfach eine grössere Herausforderung und begann deshalb mit dem Orgelspielen», erzählt er. Ulmann ist ehrgeizig und geht jeweils über Mittag üben. «Mit 13 Jahren bekam ich den Schlüssel für die Friedhofskapelle in Weinfelden.»

Mutter hatte Albträume

Und so passierte es, dass er vor seinem Orgeltraining auf dem Friedhof unfreiwillig an einen offenen Sarg lief. Das sei ein spezielles Erlebnis gewesen.

«Ich kannte das Thema Tod noch nicht wirklich, wir hatten glücklicherweise noch keinen Todesfall in der Familie.»

Von da an fing er an, sich Gedanken zu machen, und entwickelte den Wunsch, Bestatter zu werden.

Bei der Lehrstellensuche eröffnete Levin Ulmann den Eltern dann seinen Berufswunsch. Die Mutter war anfangs ein wenig geschockt. «Ja, sie hatte Albträume.» Seine Eltern stehen heute aber ganz hinter ihm. «Sie sehen, dass mir der Job gefällt.»

Da es nicht möglich ist, eine Lehre als Bestatter zu absolvieren, machte der Weinfelder eine kaufmännische Lehre mit einem anschliessenden Praktikum bei einer Logistikfirma. Danach arbeitete er zwei Jahre in der Bildungsbranche, bevor er seinen Weg ins Bestattungswesen einschlug. «Ich habe blind diverse Bestattungsinstitute für eine Schnupperlehre angefragt», erzählt der Organist.

Bei der Firma Hans Gerber AG, die Bestattungsdienste und Sargproduktion anbietet, durfte er am Standort in Lindau ZH schnuppern. Bereits am ersten Tag fuhr er zu einem Polizeieinsatz.

«Es handelte sich um eine Wasserleiche. Sie war aufgedunsen.»

Ulmann musste sich nach den eindrücklichen Schnuppertagen fragen, ob er mit dem Job klarkommen kann. Stellte aber fest: «Ich verkrafte das alles sehr gut.»

Einbetten, Überführen und Aufbereiten

Erst seit Dezember 2018 arbeitet Levin Ulmann bei der Bestattungsfirma und spielt nebenher an Gottesdiensten Orgel. Vor kurzem absolvierte er ein Orgelstudium.

In Lindau ist er unter anderem auch für Auslandsüberführungen verantwortlich. «Ich erfahre oft Tragisches, finde es aber schön, dass ich beim Abschied helfen kann.» Die Dankbarkeit der Menschen gäbe ihm viel. «Der Tod geht mir schon nah, er ist etwas Trauriges.»

Levin Ulmann erfährt bei seiner Arbeit alles: Tod wegen Krankheit, Tod durch Suizid, Tod wegen Alter. Die Aufgabe des Bestatters ist es, die Verstorbenen in den Sarg einzubetten, sie an Friedhof oder Krematorium zu überführen und die Leiche für eine Aufbahrung oder Erdbestattung aufzubereiten. Das Einbetten in den Sarg gestaltet sich manchmal schwierig.

«Bei Zugunfällen zum Beispiel kann der Körper sehr entstellt sein.»

Manchmal besteht die Aufgabe darin, die Leiche möglichst anschaulich aufzubereiten, indem er sie einkleidet, kämmt und einbettet. «Vereinzelt bleibt nur noch wenig, was für Angehörige anschaulich ist.» Die Todesfälle sähen jeweils so verschieden aus. «Der Prozess der Verwesung ist sehr verschieden und deshalb hoch interessant.»

Mühe mit dem Anblick hat Levin Ulmann dabei nie. «Ich denke einfach nicht weiter darüber nach. Ausserdem gibt mir die Musik einen Ausgleich zu meinem Beruf.» Über Mittag geht er jeweils in der Kirche üben. «Ja, ich habe einen Glauben und nach dem Tod wird es schon etwas geben.

Bestattungen in der Schweiz

(gbo) Die Verantwortlichkeit und die Kostenbeteiligung einer Bestattung sind schweizweit nicht einheitlich geregelt. So werden die Kosten für Todesanzeige, Sarg, Überführung, Einäscherung, Grabplatz und Grabkreuz in der Ostschweiz häufig von den Gemeinden übernommen. Nur «Sonderwünsche» können nicht mit abgedeckt werden.

Es gibt aber auch Kantone, bei welchen die Gemeinden kaum etwas bis gar nichts zahlen. So etwa in Bern. Bestattung und Grab zusammen können dort schnell zwischen 2500 und 15000 Franken kosten. Oft müssen sich die Angehörigen auch selbst beim Bestatter melden und die weiteren Schritte organisieren. Im Thurgau regelt das meist die Gemeinde.

Feuer- oder Erdbestattung

In der Schweiz gibt es hauptsächlich zwei Bestattungsarten: die Erdbestattung und die Feuerbestattung. Bei der Erdbestattung wird die verstorbene Person in einem Sarg auf einem Friedhof in die Erde gelegt. Zur Auswahl stehen oftmals Einzel-, Familien- oder Gemeinschaftsgräber. Ein Grab wir meist nach etwa 20-25 Jahren wieder ausgehoben.

Bei der Feuerbestattung, einer sogenannten Kremation, werden die Überreste eingeäschert und die Asche anschliessend in eine Urne gegeben. Die Urne darf in der Schweiz zu Hause oder auf dem Friedhof aufbewahrt werden. Zudem ist das Verstreuen der Asche in der Natur in der Schweiz grundsätzlich erlaubt, sofern die öffentlichrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.