21 Senioren arbeiten beim Kanton Thurgau

Aufgrund eines Antrags aus dem Grossen Rat legt die Regierung offen, wie viele Kantonsangestellte über ihr Pensionsalter hinaus weiterarbeiten. Sie erklärt sich bereit, diese Pensen künftig detailliert auszuweisen.

Larissa Flammer
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Das Thurgauer Regierungsgebäude in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Das Thurgauer Regierungsgebäude in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Arbeitnehmer ab 55 Jahren müssen sich aufgrund ihres Alters verschiedenen Fragen stellen. Einerseits kann die Gefahr der Arbeitslosigkeit drohen, andererseits ist manchmal eine Frühpensionierung oder die Weiterbeschäftigung über das Rentenalter hinaus möglich.

Drei Kantonsräte haben den Regierungsrat gefragt, wie der Kanton letzteres bei seinen Angestellten handhabt.

Anfang 2018 beschäftigte der Kanton Thurgau 21 über 65-jährige Personen als ordentlich angestellte Mitarbeiter. Sie besetzten gemeinsam 491,98 Stellenprozent – im Durchschnitt also je 23,4. Gleichzeitig waren 223 über 65-jährige Personen in der Kategorie «Kommissionen, Experten und Nebenämter» (KEN) angestellt. Fast alle mit Kleinstpensen, so dass sie gemeinsam 11,75 Vollzeitstellen ausmachten. Diese Zahlen liefert die Regierung in ihrer Beantwortung der Interpellation, die vergangene Woche veröffentlicht wurde.

Die Jüngeren sollen an der Reihe sein

30 ehemalige Mitarbeiter, die vor dem vollendeten 64. Altersjahr pensioniert wurden, liessen sich in den Jahren 2016 und 2017 wieder befristet anstellen – für durchschnittlich sechs Monate. 19 von ihnen arbeiteten im Departement für Erziehung und Kultur. Zudem wurden in diesen beiden Jahren 19 ehemalige Mitarbeiter in der KEN-Kategorie erneut befristet angestellt.

Auf Anregung der drei Kantonsräte kündigt die Regierung an, künftig die befristeten Stellen im Geschäftsbericht auszuweisen. Sie schreibt: «Die Zusatzinformationen können die Berichterstattung an den Grossen Rat bereichern.» Das ist für die Interpellanten eine gute Nachricht, wie Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld) sagt:

«Uns hat gestört, dass diese Pensen nirgends ausgewiesen wurden.»
GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold. (Bild: Reto Martin)

GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold. (Bild: Reto Martin)

Durch die Zahlen, die der Regierungsrat geliefert hat, sehen sich die Interpellanten bestätigt. «Sie waren so zu erwarten.»

Wenn viele Mitarbeiter nach ihrer Pension weiterbeschäftigt werden müssen, zeige dies, dass der Know-How-Transfer nicht funktioniere. Leuthold ist der Meinung, dass die jüngeren Angestellten an der Reihe sind, wenn die älteren das Pensionsalter erreichen.

48 Mitarbeiter unter 65 Jahren mit reduziertem Pensum

Es gibt auch Kantonsmitarbeiter, die schon vor dem Pensionsalter weniger oder gar nicht mehr arbeiten. 2016 wurden 48 Angestellte mit einem Pensum von mindestens 60 Prozent frühzeitig pensioniert. 2017 waren es 31. Anfang 2018 beschäftige der Kanton Thurgau zudem 48 Mitarbeiter, die ihren Beschäftigungsgrad im Alter zwischen 58 und 64 reduziert haben – in der Regel in Verbindung mit einer Teilpensionierung. Die durchschnittliche Reduktion betrug 26 Stellenprozent pro Person.

Frühpensionierte im Job behalten

Dem Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt wollen die Ostschweizer Kantone mit flexiblen Arbeitszeitmodellen entgegentreten. Damit soll die Zahl der Frühpensionierungen gesenkt und das Potenzial von älteren Mitarbeitern besser genutzt werden.
Christoph Zweili