2020 fehlen der Kantonspolizei Thurgau Absolventen der Polizeischule

Die Ausbildung zum Polizisten dauert ab nächstem Herbst zwei Jahre. Ein Jahr später erhält also keiner der jungen Angehörigen der Kantonspolizei das Brevet. In den Einsatz können sie dann trotzdem bereits: Das zweite Ausbildungsjahr ist ein Praktikum.

Larissa Flammer
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Aspiranten besprechen an der Polizeischule Ostschweiz in Amriswil eine Übungsaufgabe. (Bild: Reto Martin, 6. September 2018)

Aspiranten besprechen an der Polizeischule Ostschweiz in Amriswil eine Übungsaufgabe. (Bild: Reto Martin, 6. September 2018)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die gesamte Ausgabe lesen Sie hier

Jeweils im Oktober starten rund 90 Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung an der Polizeischule in Amriswil. Aspiranten aus den Kantonen Thurgau, St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, Schaffhausen sowie den Städten Chur und St.Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein erlernen dort ihren Beruf. Wenn sie die Polizeischule antreten, sind sie bereits bei ihren zukünftigen Korps angestellt. Bisher dauerte die Ausbildung ein Jahr: sieben Monate in der Polizeischule, vier Monate Praktikum im Korps und zuletzt ein Reality-Training sowie die Vorbereitung auf die Prüfung.

Im neuen Jahr wird alles anders. 2019 erhöhen alle Polizeischulen der Schweiz – auch diejenige in Amriswil – die Ausbildungsdauer auf zwei Jahre. Dies bestätigte die Thurgauer Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch im Dezember im Grossen Rat. Auf Anfrage präzisiert sie nun: «Die Ausbildung erfährt aber keine Revolution.» Im ersten Jahr erhalten die Polizeischüler ähnlich wie heute an der Polizeischule eine Grundbildung, das zweite Jahr verbringen sie im Praktikum bei ihrem Korps – im Thurgau bei der Kantonspolizei. «Hier absolvieren sie kantonsinterne Weiterbildungen und Zwischenmodule.» Die Abschlussprüfung folgt nach dem zweiten Jahr. Dies bestätigt auch Marcus Kradolfer, Direktor der Polizeischule Ostschweiz.

Kantonspolizei nimmt jährlich 15 bis 18 Schüler auf

Da die Polizeischüler im Herbst 2019 erstmals eine zweijährige Ausbildung antreten, werden im Herbst 2020 keine Aspiranten die Berufsprüfung abschliessen. Das bedeutet für die Polizeikorps einen kleinen Einbruch beim zur Verfügung stehenden Personal. Obwohl, die angehenden Polizisten stehen im zweiten Ausbildungsjahr als Praktikanten ohne Brevet bereits im Einsatz, erklärt Komposch.

Regierungsrätin Cornelia Komposch. (Bild: Andrea Stalder)

Regierungsrätin Cornelia Komposch. (Bild: Andrea Stalder)

Das Korps der Kantonspolizei Thurgau hat einen Sollbestand von 384 Angehörigen. «Dies ist die vom Grossen Rat definierte Anzahl.» Im Moment umfasst das Korps etwas mehr als 384 Personen, sagt die Thurgauer Regierungsrätin. «Im Verlauf eines Jahres gibt es aber immer mehrere Abgänge.»

Diese so gut wie möglich zu berechnen, ist die Aufgabe des Polizeikommandanten. Er entscheidet dann, wie viele Polizeischüler er jeweils aufnimmt. «Es sind meist etwas mehr Polizeischüler, als voraussichtlich Mitglieder des Korps aufhören werden. Denn es kann vorkommen, dass ein Aspirant die Prüfung nicht besteht oder aus unterschiedlichen Gründen die Ausbildung abbricht», sagt Komposch. Zwischen 15 und 18 Schüler nimmt die Kantonspolizei pro Jahr auf.

Kompetenz zur Aufstockung des Korps liegt beim Grossen Rat

Der Thurgau weist die tiefste Polizeidichte der Schweiz auf. Am Stichtag vor einem Jahr kam auf 710 Einwohner ein Polizist. Der Schweizer Schnitt belief sich gemäss einer Statistik auf 455 Einwohner pro Polizist. Dabei haben die Thurgauer Polizisten mit dem See und dem Bundesasylzentrum zusätzliche Aufgaben. Eine Korpsaufstockung wäre daher ganz im Sinn von Cornelia Komposch. Ihr Departement hat dafür aber bisher keinen Antrag gestellt. Die Kompetenz für die Erhöhung liegt beim Grossen Rat.

Bis Ende 2019 schliessen im Thurgau elf kleinere Dienststellen der Polizei. Es bleiben 16 Posten. Die Regionalpolizei wird aber weiterhin gleich viele Angestellte umfassen. Diese sollen im Sinn von «mehr Präsenz und mehr Sicherheit» öfters auf den Strassen unterwegs und dort für die Bevölkerung sichtbar sowie ansprechbar sein.

SICHERHEIT: Nirgends gibt es so wenige Polizisten wie im Thurgau

Der Kanton Thurgau hat im Verhältnis zur Bevölkerung schweizweit am wenigsten Polizisten. Die Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch sagt zwar, dass dies kein Qualitätskriterium sei. Trotzdem fände sie eine Erhöhung des Korpsbestandes für angebracht.
Sebastian Keller