Stadt Frauenfeld schreibt Gewinn:
2,58 Millionen im Osternestli

Höheren Steuereinnahmen und tieferen Sozialhilfekosten sei Dank. Obwohl sich der budgetierte Gewinn aus dem Twerenbold-Landverkauf auf dieses Jahr verschoben hat, schliesst die Rechnung 2018 der Stadtverwaltung im Plus ab.

Mathias Frei
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Durchaus zufriedene Gesichter an der Pressekonferenz der Stadt von Mittwochvormittag: Finanzchef Reto Angehrn und Stadtpräsident Anders Stokholm. (Bild: Rahel Haag)

Durchaus zufriedene Gesichter an der Pressekonferenz der Stadt von Mittwochvormittag: Finanzchef Reto Angehrn und Stadtpräsident Anders Stokholm. (Bild: Rahel Haag)

Ein schönes Nestli ist das. «Ein Gewinn», stellt Stadtpräsident Anders Stokholm an der Präsentation der Stadtrechnung 2018 am Mittwochvormittag fest. Er wirkt ein wenig erstaunt, als ob er im Oster-Bouquet zwischen Schoggihase und harten Eiern auch ein paar Goldbarren gefunden hätte. «Das darf man als Überraschung bezeichnen», erklärt der Stadtpräsident. Ein Plus von 2,58 Millionen bei einem Aufwand von 87,21 Millionen Franken: So schliesst die Erfolgsrechnung 2018 der Stadtverwaltung ab.

«Wesentlich besser als budgetiert.»

Die Überraschung besteht darin, dass eigentlich 2,9 Millionen Franken im Abschluss fehlen. Dieser Betrag sollte als Gewinn aus dem Twerenbold-Landverkauf resultieren. Bekanntlich konnte dieses Geschäft vergangenes Jahr nicht vonstattengehen. Das Geld wird nach dem Ja des Stimmvolks am 10. Februar erst in der Rechnung 2019 verbucht werden können.

Batzen aus Vermögensteuer früherer Jahre

Am einen Ort fehlt zwar gegenüber Budget Geld. Siehe: Twerenbold-Landgeschäft. Andernorts kam aber mehr Geld rein, und es musste weniger aufgewendet werden. Unerwartet stark gestiegen sind die Steuereinnahmen, nachdem die Fiskalerträge in jüngerer Vergangenheit stets hinter den Erwartungen lagen. Im 2018 gingen 40,1 Millionen an Steuern ein, 1,2 Millionen mehr als budgetiert und sogar 2,8 Millionen mehr als 2017 eingenommen. Wie Finanzchef Reto Angehrn erklärt, resultieren 600'000 Franken dieser Mehreinnahmen aus Vermögensteuern natürlicher Personen der Vorjahre.

«Man muss davon ausgehen, dass diese Einnahmen nicht nachhaltig sind.»

Nachhaltig wirkt aber offenbar die erfolgte Pensenerhöhung bei den Sozialen Diensten. Budgetiert waren für Sozialhilfe und Asylwesen Nettokosten von 6,9 Millionen Franken. Abgeschlossen wurde um mehr als 1,1 Millionen besser. Der Aufwand in diesem Bereich stieg zwar gegenüber Budget um 250'000 Franken, zugleich gingen bei den Rückerstattungen 1,4 Millionen mehr ein.

Alterszentrum Park: Der Gewinn schrumpft

Die vier Teilbereiche des Alterszentrums Park – das Alters- und Pflegeheim Ergaten-Talbach, die Parksiedlung Talacker, das betreute Wohnen und das Tageszentrum Talbach – sind gut ausgelastet. Das betreute Wohnen verzeichnete 2018 gar eine Vollbelegung. Durch die höhere Auslastung stieg die Pflegeintensität deutlich. Dieser Anstieg führte zu Mehreinnahmen bei der Pflege, wobei deshalb gleichzeitig mehr Personal eingesetzt werden musste. Der Aufwand belief sich 2018 auf insgesamt 19,47 Millionen, während der Ertrag bei 19,60 Millionen Franken lag. Daraus resultiert ein Ertragsüberschuss von gut 157000 Franken. Budgetiert war ein Überschuss von gut 255000 Franken. 2017 lag der Gewinn noch bei gut 346000 Franken. 2018 teilt sich der Überschuss wie folgt auf: Gut 44000 Franken entfallen auf das Alters- und Pflegeheim Ergaten-Talbach. Die Parksiedlung Talacker weist einen Gewinn von 73000 Franken auf. Beim betreuten Wohnen resultiert ein Überschuss von 40000 Franken. Die Gewinne werden jeweils dem entsprechenden Konto zur Defizitdeckung gutgeschrieben. Die Rechnung des Tageszentrums schliesst ausgeglichen ab. (rha)

Den Millionengewinn aus der Rechnung 2018 relativiert Stokholm stante pede. Denn die vom Stadtrat beantragte Verwendung des Gewinns von zwei Millionen Franken für die Hallenbad-Vorfinanzierung ist noch nicht in der Rechnung verbucht. Die Gewinnverwendung muss sowieso vom Gemeinderat bewilligt werden. Nach dem Nein der Legislative zur Steuerfusserhöhung im Budget 2019 und die Kontroverse um die Einlage in die Hallenbad-Vorfinanzierung, die gemäss Budget deshalb verunmöglicht wurde, ist der Gemeinderat dem Stadtrat in dieser Sache aber offenbar zu unberechenbar geworden. Sagt das Stadtparlament an der Rechnungssitzung Ja zur Zwei-Millionen-Einlage in die Hallenbad-Vorfinanzierung, resultiert im korrigierten Rechnungsabschluss also noch ein Plus von 580'000 Franken.

Tiefe Investitionstätigkeit trotz genereller Kürzung

Einmal mehr unter Budget liegen die Nettoinvestitionen. Budgetiert waren 8,9 Millionen Franken, erstmals war ein genereller Kürzungsfaktor von 20 Prozent eingerechnet. Effektiv schloss die Investitionsrechnung mit sechs Millionen ab. Der Umsetzungsgrad mit 67,4 Prozent lag noch unter dem Wert aus dem Abschluss 2017 mit 68,1 Prozent. Durch die Mehrerträge und die tiefe Investitionstätigkeit ist die Selbstfinanzierung sehr gut, der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei hohen 147 Prozent. Aber auch dieser Wert sei nur kurzfristig zu geniessen, sagt Finanzchef Reto Angehrn. Man denke da an mögliche zukünftige Investitionen wie das Hallenbad oder auch den Stadtentlastungstunnel – teure Projekte, bei denen die Abschreibungslast in die Höhe schnellt.

Werkbetriebe: Sinkende Margen, weiterhin hoher Gewinn

Den Frauenfelder Werkbetrieben geht es blendend. Im Rechnungsjahr 2018 resultierte bei einem Umsatz von 62 Millionen Franken ein Reingewinn von 7,2 Millionen, der ins Eigenkapital fliesst. Budgetiert war bei einem Umsatz von 57,9 Millionen ein Plus von 1,7 Millionen. Im Rechnungsjahr 2017 betrug der Gewinn bei einem Umsatz von 59,4 Millionen sieben Millionen Franken. Beim Elektrizitäts- und beim Wasserwerk lag der Betriebsertrag 2018 nur marginal über Budget. Über drei Millionen mehr kamen dafür beim Gaswerk rein. Demgegenüber ist der Betriebsaufwand der Werke um fast drei Millionen tiefer als im Budget 2018. Ungleich höher als 2017 (3,57 Millionen) sind die Nettoinvestitionen 2018 mit 7,55 Millionen. Die Bruttomargen 2018 bei Strom und Gas sind tiefer als 2017. Auch der Stromverbrauch liegt unter Budget und unter dem 2017er-Wert. Der Gasabsatz liegt zwar über Budget, ist aber tiefer als 2017. Der Wasserverbrauch ist trotz des Hitzesommers nur unwesentlich gestiegen. Aus dem Abschluss 2018 sind 2019 keine Rückvergütungen an Kunden geplant. Ziel sei es in Zukunft, die Tarife so zu planen, «dass die Rechnung grad etwa aufgeht», erklärt Finanzchef Angehrn. (ma)

Rosig sieht es beim Eigenkapital respektive dem Bilanzüberschuss aus. Die meisten Spezialfinanzierungen haben im Plus abgeschlossen. Zudem haben Neubewertungen von Liegenschaften im Finanzvermögen einen Mehrwert von 7,1 Millionen Franken ergeben. So steigt das Eigenkapital per Ende 2018 von 109,4 Millionen auf 122,2 Millionen Franken an. Der Bilanzüberschuss beträgt 73,1 Millionen, 2,7 Millionen mehr als Ende 2017.