183 Flüchtlinge beantragten Nothilfe: Die Arbeit der Thurgauer Peregrina-Stiftung hat sich durch das Ausreisezentrum in Kreuzlingen verändert

Die Thurgauer Peregrina-Stiftung muss sich seit März 2019 um mehr ausreisepflichtige Flüchtlinge kümmern. Der Jahresbericht zeigt aber, dass es weniger waren als erwartet.

Larissa Flammer
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Tag der offenen Tür im Durchgangsheim Frauenfeld.

Tag der offenen Tür im Durchgangsheim Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari (15.Juni 2019)

Seit der Neustrukturierung des Schweizer Asylbereichs muss die Thurgauer Peregrina-Stiftung mehr Personen in der Nothilfe unterbringen. Die Durchgangsheime Hefenhofen, Amriswil und Romanshorn werden deshalb seit dem 1.März 2019 als Nothilfeunterkünfte betrieben. Dort werden ausreisepflichtige Personen untergebracht.

Dies veränderte auch die Arbeit der Peregrina-Stiftung, die für die Betreuung und Unterbringung der Flüchtlinge und Asylsuchenden verantwortlich ist. Weil die ausreisepflichtigen Personen das Land verlassen sollen, dürfen sie nach einigen Monaten zum Beispiel nicht mehr am Beschäftigungsprogramm teilnehmen.

Zu den Hintergründen dieser Entwicklung: Das vom Bund betriebene Empfangs- und Verfahrenszentrum in Kreuzlingen ist seit März 2019 ein Ausreisezentrum. Dort werden Flüchtlinge der Asylregion Ostschweiz untergebracht, die einen negativen Asylentscheid erhalten haben. Alle Personen, deren Rückreise nicht innerhalb von 140 Arbeitstagen organisiert werden kann, müssen das Bundeszentrum verlassen und werden zur Unterbringung dem Kanton Thurgau zugewiesen.

Weniger ausreisepflichtige Personen als erwartet

Gemäss der kantonalen Nothilfestrategie (KNS) durchlaufen die ausreisepflichtigen Personen, wenn sie dem Kanton Thurgau zugewiesen werden, vier Stufen. Alle paar Monate wechselt die Stufe, die Betreuung wird reduziert und Konsequenzen werden angedroht beziehungsweise durchgesetzt.

Diese Strategie wurde schon öffentlich vom Netzwerk Asyl Thurgau kritisiert: Das Stufenkonzept führe zu einer Verelendung der Betroffenen. Von dieser Nothilfestrategie ausgenommen sind vulnerable Personen sowie Familien mit schulpflichtigen Kindern.

Bis Ende 2019 wurden dem Thurgau weniger ausreisepflichtige Personen zugewiesen als erwartet, heisst es im kürzlich veröffentlichten Jahresbericht der Peregrina-Stiftung. Neben den Unterkünften in Frauenfeld und Arbon wird deshalb auch jene in Weinfelden weiter als Durchgangsheim geführt. Plätze für Asylbewerber, die sich immer noch im Verfahren befinden, sind eher Mangelware.

Die meisten kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und der Türkei

199 Asylsuchende und Personen mit positivem Bescheid wurden dem Thurgau im vergangenen Jahr zugewiesen. 41 davon wurden in Drittstaaten oder ihr Heimatland ausgeschafft. 183 Personen mit negativem Asylentscheid ersuchten um Nothilfe.

Die im Jahr 2019 in die Unterkünfte der Peregrina-Stiftung eingetretenen Personen kamen aus 34 Ländern: die meisten aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und der Türkei. Die Auslastung der Unterkünfte lag bei durchschnittlich 73 Prozent. Die effektive Auslastung lag samt Übernachtungen von Gästen bei 81 Prozent.

18 Personen konnten mit einer Ausbildung beginnen

Neben der Unterbringung kümmert sich die Stiftung hauptsächlich um die Betreuung und Integration der Flüchtlinge, die zumindest vorläufig in der Schweiz bleiben dürfen. Ende 2019 betrug die Anzahl der zu betreuenden Personen 357. Die allermeisten von ihnen stammen aus Eritrea und Syrien.

2019 nahmen 47 von der Peregrina-Stiftung betreute Flüchtlinge eine Erwerbsarbeit auf, 30 Personen waren in einer Lehre, zehn begannen mit einem Praktikum, neun leisteten einen Einsatz mit vermindertem Lohn und 69 Personen schnupperten im ersten Arbeitsmarkt. Die meisten Vermittlungen gab es in der Landwirtschaft, gefolgt vom Baugewerbe und der Gastronomie.

Das Beschäftigungsprogramm «Wald- und Naturschutzeinsätze», das die Bewohnern der Durchgangsheime rege in Anspruch nehmen, wird im Jahresbericht der Peregrina-Stiftung speziell erwähnt. Es stelle einen ersten Berührungspunkt mit der schweizerischen Arbeitshaltung dar und habe einen nicht zu unterschätzenden integrativen Charakter.

Erhöhte Präsenzzeit verbessert schulische Leistung

Im Kanton Thurgau waren im Vergleich zum Vorjahr weniger unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) in der Zuständigkeit der Peregrina-Stiftung. Die Zahl der UMA sank bis Ende 2019 auf 19 (Ende 2018: 24). Im UMA-Haus wohnten 2019 wie im Vorjahr zwischen neun und zwölf Jugendliche.

Bei ihrer Begleitung wurden die Schwerpunkte auf Beziehungsarbeit und eine erhöhte Präsenzzeit gesetzt. Vertrauensverhältnisse wurden durch bewusstes «Zeitnehmen» aufgebaut. Dank mehr Präsenzzeit im UMA-Haus profitierten die Asylsuchenden offenbar auch schulisch.

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