14 Millionen bis 2024 und drei neue Vollzeitstellen: Kanton Thurgau will Digitalisierung seiner Verwaltung ausbauen – ein Kantonsrat fordert mehr Details

Mit mehreren Millionen Franken soll die Kantonsverwaltung fit für die Digitalisierung gemacht werden. Eine entsprechende Strategie liegt nun vor. Kantonsrat Ueli Fisch kritisiert, dass zu wenig detailreich erklärt ist, wofür das Geld ist.

Sebastian Keller
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Digitale Technologien sollen in der Kantonsverwaltung vermehrt zum Einsatz kommen.

Digitale Technologien sollen in der Kantonsverwaltung vermehrt zum Einsatz kommen.

Bild: Keystone/Christian Beutler
  • Nun liegt die Strategie Digitale Verwaltung Thurgau vor
  • Die Umsetzung kostet in den nächsten Jahren bis zu 14 Millionen Franken
  • Der Nutzen soll vor allem bei der Bevölkerung und der Wirtschaft spürbar sein
  • Beim Kanton wird nächstens ein Kompetenzzentrum eingerichtet –anfänglich mit drei Vollzeitstellen dotiert

Der Kanton will die Digitalisierung in der Verwaltung beschleunigen. Und greift dafür tief ins Portemonnaie: Mit Kosten von bis zu 14 Millionen Franken rechnet er bis ins Jahr 2024. Diese Zahl ist einer Beilage zur Budgetbotschaft 2021 zu entnehmen. Im nächsten Jahr sind vorerst 1,3 Millionen Franken für Projekte budgetiert; mit weiteren 300'000 Franken soll das Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung, das es heute noch nicht gibt, personell ausgerüstet werden.

Drei Vollzeitstellen sollen dafür im Departement für Inneres und Volkswirtschaft geschaffen werden. Die Überschriften möglicher Stellenausschreibungen könnten wie folgt lauten: Leitung Kompetenzzentrum, Prozess- und Organisationsentwicklung, IT-Architektur.

Mensch, Technologie und Leistungen

Dem Megathema hat sich der Kanton auch bislang nicht verschlossen. «Der Kanton Thurgau ist bei der Digitalisierung in vielen Bereichen schon sehr weit», heisst es in einer Medienmitteilung. Konkret werden Geodaten, Dienstleistungen des Strassenverkehrsamtes sowie die Steuererklärung genannt.

«Was aber bislang gefehlt hat, ist eine zentrale Steuerung und Koordination der Digitalisierung.»

Die vergangenen Monate – Stichwort Corona – hätten gezeigt, wie wichtig eine funktionierende IT-Infrastruktur gerade in Ausnahmesituationen sei. Wichtige Behördendienstleistungen müssten zur Verfügung stehen, «auch wenn die Schalter allenfalls geschlossen sind». Doch der Kanton will nicht nur technologisch aufrüsten.

Die Strategie nennt drei Aktionsfelder: Mensch, Technologie und Leistungen. Beim Menschen geht es darum, dass die Technik den Mitarbeiter unterstützen soll – und nicht umgekehrt. Um die Transformation zu begleiten, ernennen die Staatskanzlei, die Departemente sowie die Gerichte einen Verantwortlichen für die Digitalisierung.

Bei der Technologie geht es um den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Stichworte «Digitaler Arbeitsplatz» und «Digitale Kollaboration». Im Bereich Leistung wird es konkret: So soll ein digitales Bürgerkonto geschaffen werden – als Eingangstor für «möglichst viele elektronische Dienstleistungen» des Kantons. Das Bürgerkonto soll ebenfalls «elektronische Eingaben von Gesuchen und Anträgen erlauben».

Fisch verlangt mehr Details

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat aus Ottoberg.

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat aus Ottoberg.

Bild: Urs Bucher

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat aus Ottoberg, hatte eine solche gesamtheitliche Strategie mit einem Vorstoss schon gefordert. «Positiv ist, dass der Kanton nun etwas vorgelegt hat», sagt er auf Anfrage. Die Ansätze bezeichnet er als «spannend», konkret das Bürgerkonto.

«Es geht in die richtige Richtung.»

Fisch würde sich aber wünschen, dass die Umsetzung noch detaillierter erklärt wird. «Wofür stehen die 1,3 Millionen Franken genau?», fragt er. Was ihm weiter fehlt, sind Aussagen, wie sich der Digitalisierungsschub auf die Effizienz der Verwaltung auswirkt. So bewege sich die Anzahl budgetierter Stellen pro 1000 Einwohner seit Jahren um den Wert 9,8. Fisch sagt: «Ich meine, die Effizienzsteigerung muss klar sichtbar werden.» Oder anders gesagt: Der Wert sollte sinken.