12'074 Bäume für die Zukunft des Thurgauer Obstbaus gepflanzt

Das Projekt Zukunft Obstbau ist abgeschlossen. Es entwickelte es sich zu einem eigentlichen Biodiversitätsprojekt. Eine Erkenntnis: Das Waschwasser von den Baumnüssen könnte als biologisches Pflanzenschutzmittel verwendet werden.

Trudi Krieg
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Rückblick und Vorausschau unter ernteschweren Apfelbäumen.

Rückblick und Vorausschau unter ernteschweren Apfelbäumen.

Bild: Trudi Krieg

Die Begleitgruppe zum Projekt «Zukunft Obstbau Thurgau» zog bei einer Flurbegehung Bilanz. Initiiert wurde das vom Regierungsrat bewilligte Projekt nach den Feuerbrandjahren 2000, 2007, 2008 zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit. Ueli Bleiker, der Chef des Landwirtschaftsamtes, sagt bei der Tour im Raum St. Pelagiberg-Gottshaus:

«Heute würde man es eher Projekt zur Biodiversitätsförderung nennen.»

Im Projekt ging es nicht nur um gefällte Obstbäume durch neue zu ersetzten. Es ging darum Lebensräume zu gestalten, Korridore und Vernetzungen in der Landschaft zu bilden. Inzwischen hat der Bund den Feuerbrand zurückgestuft, weshalb befallene Bäume nicht mehr zwangsgerodet werden.

«Hast Du einen Raum, pflanze einen Baum» habe er sich vor 40 Jahren gesagt und überall Gelbmöstler Birnbäume gesetzt, berichtete Bauer Albert Rutz. Doch das erwies sich als verkehrt. Urs Müller vom BBZ Arenenberg erklärt:

«Birnen produzieren mehr Zucker im Saft als Äpfel. Feuerbrandbakterien verbreiten sich dadurch im Baum schneller.»

Deshalb fielen viele von Rutz’ Bäumen der Rodung zum Opfer. In alle Lücken pflanzte er junge Bäume. Diese Durchmischung von Bäumen mehrerer Generationen ist der Biodiversität besonders zuträglich. Nebst 250 Apfel- pflanzte er 50 Zwetschgenbäume; Steinobst wird nicht von Feuerbrand befallen.

Nussbaumöl wurde früher für Lampen genutzt

Um 1850 war der Nussbaum der verbreiteteste Baum im Thurgau, erzählte Müller. Das Nussöl habe man als Lampenöl genutzt. Nussbäume könnten um die 100 Jahre alt werden. Doch der Frostwinter 1954 habe hunderttausende Nussbäumen das Leben gekostet. Darum gebe es kaum einen älteren Nussbaum in der Schweiz. Niklaus Allenspach und Susann Vahle setzen auf ihren Betrieben primär auf Nussbäume. Allenspach verarbeitet und presst Nüsse und betreibt eine Kundenpresserei.

Nussbäume sind eine Investition über Generationen.

Nussbäume sind eine Investition über Generationen.

Bild: Trudi Krieg

Baumnüsse müssen täglich aufgelesen und gewaschen werden, von Hand oder maschinell. Sonst besteht die Gefahr, dass die Nüsse im flachen Gras mit Pilzen befallen werden. Denkbar wäre, in Zukunft das Waschwasser als biologisches Pflanzenschutzmittel zu verwenden. Die Gerbsäure wirkt gegen Pilze und Bakterien.

Folgeprojekt ist in Diskussion

Das Projekt ist nun abgeschlossen. Die letzten Pflanzungen wurden 2019 vorgenommen. Diese werden, wie alle andern, nach fünf Jahren nochmals kontrolliert und bewertet, bevor Beiträge ausbezahlt werden. 339 Betriebe machten mit. Gepflanzt wurden 12074 Bäume, darunter feuerbrandtolerante Apfelsorten, Steinobst- und Feldbäume inklusive Nussbäume und Edelkastanien, aber auch Alleen und Hecken.

Ein Anschlussprojekt wird diskutiert. Vermutlich wird es stärker durch die Biodiversitätsstrategie getrieben sein und nicht mehr durch den Feuerbrand: «Diese Gruppe könnte weitere Ideen entwickeln, sei es der Erhalt einzelner markanter Feldbäume, die Gestaltung von Waldrändern oder Gemeinschaftsprojekte mehrerer Betriebsleiter», blickte Ueli Bleiker voraus.