10'179 Stunden in Hochsicherheitsanzügen: Das Historische Museum Thurgau beseitigt Asbestfund im Depot

Der Asbestfund im Depot 2017 bedeutete für das Historische Museum Thurgau eine Schreckensnachricht. Die Konservatorin Karin von Lerber berichtete am Donnerstag über ihre Arbeit.

Margrith Pfister-Kübler
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Das Spezialistenteam leistet beim Einsatz für das Archivgut Pionierarbeit.

Das Spezialistenteam leistet beim Einsatz für das Archivgut Pionierarbeit.

Bild: PD

Die Erleichterung über die gelungene Rettung war Gabriele Keck anzusehen. «Eine Wahnsinnsarbeit», sagte die Direktorin des Historischen Museums Thurgau. «Aber diese Schreckensschauplätze haben viel Gutes gebracht», fügte sie mit einem Augenzwinkern an. «Alles ist schön abgestaubt.»

Karin von Lerber, Konservatorin.

Karin von Lerber, Konservatorin.

Bild: PD

Der Asbestfund im Museumsdepot an der Frauenfelder Bahnhofstrasse im Spätsommer 2017 war der Super-GAU. Ein Präzedenzfall, eine Pionierarbeit und dies in jeder Hinsicht, wie Karin von Lerber aufzeigte. Die diplomierte Textilkonservatorin und Konservatorin-Restauratorin berichtete am Donnerstag im Historischen Museum in der Reihe «Museumshäppli» über die Asbestsanierung des Depots. Von Lerber hatte die Projektleitung zusammen mit den Asbest-Experten Stephan Baumann und Philipp Gilli. Von Lerber erklärte: 

«Total waren 31 Leute 10'179 Stunden im Einsatz für rund 35'000 Objekte.»

Per Inserat wurden Leute aus verschiedenen Berufen für einen Halbjahres-Einsatz angeworben. Und was die 31 Leute in Hochsicherheitsanzügen – im Vollschutz – leisten mussten, zwischen Absaugen, Pinseln in Überdruck- und Unterdruckzonen, Sicherheitsschleusen, Laborproben, das liess die Zuhörer geradezu erschaudern.

Die Museumsschätze lagern nun absolut asbestfrei

Pionierarbeit wie in einem Science-Fiction-Film. 100-facher Luftwechsel, Saugrüssel mit Ziegenhaaren, spezielle Asbestsauger. Von Lerber sagte:

«Sämtliche Objekte konnten schlussendlich freigegeben werden, sie haben keine Asbest-Rückstände mehr.»

Mit Zeitstempeluhr und «hochsicher» wurde gearbeitet. Selbst der Transport zum neuen Standort Allmend-Zentrum mit dem Transportgeschäft Rieser & Vetter war eine Herausforderung. «Die waren unglaublich flexibel», lobte Lerber. Modern und «absolut asbeststaubfrei» sind die Museumsschätze nun eingelagert. Die Kosten bezifferte von Lerber nicht: «Das Geld für diese Aktion wurde aus verschiedenen Töpfen genommen.»

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