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Tausende Zuschauer verfolgen Reiter und Pferde beim Pfingstrennen auf der Frauenfelder Allmend. (Bild: Keystone/Ilse Guenther (30. Mai 1955))

Tausende Zuschauer verfolgen Reiter und Pferde beim Pfingstrennen auf der Frauenfelder Allmend. (Bild: Keystone/Ilse Guenther (30. Mai 1955))

100 Jahre Rennverein Frauenfeld: Galopp, Glanz und Gloria

Der Rennverein Frauenfeld feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, wie der Pferderennsport Höhen und Tiefen erlebte – mit manch einer Überraschung.
Samuel Koch
Teilnehmer des 17. Bankverein Swiss Derby in Frauenfeld kämpfen auf der Rennbahn um den Sieg. (Bild: Keystone/Patrick Kraemer (15. Juni 1997))

Teilnehmer des 17. Bankverein Swiss Derby in Frauenfeld kämpfen auf der Rennbahn um den Sieg. (Bild: Keystone/Patrick Kraemer (15. Juni 1997))

Magistraten aus Bern wie die alt Bundesräte Samuel Schmid oder Doris Leuthard, Vertreter aus dem britischen Königshaus wie Prinz Philip oder die britische Premierministerin Margaret Thatcher: Auf der Pferderennbahn Frauenfeld tummelten sich schon viel illustre Ehrengäste. Von den berühmten Pferdejockeys oder den militärischen Ranghohen wie General Henri Guisan mal abgesehen, denn ohne das Militär könnte der Rennverein Frauenfeld (RVF) heuer nicht sein 100-Jahr-Jubiläum feiern.

Das Militär bildete mit dem Waffenplatz Anfang des 20. Jahrhunderts die Basis für den Pferderennsport in Frauenfeld. «Ohne das Militär gäbe es den Verein heute nicht», sagt Christoph Müller, seit über 20 Jahren RVF-Präsident. Ein ebenso gutes Gespann bildete der RVF seit jeher mit der «Thurgauer Zeitung». In der TZ vom 7. Juni 1919 steht:

«Die Springkonkurrenz vom Pfingstmontag wird allem Anschein nach einen grossen Andrang von Publikum erwarten dürfen.»

Unmengen weiterer Zeitungsberichte im Archiv zeugen von einer engen Zusammenarbeit. Die ersten Rennen konnten damals aber trotz Ende des Ersten Weltkrieges nicht durchgeführt werden. «Wegen der allgemeinen Knappheit an Hafer strich die Kavallerie alle Rennen», sagt Müller. Dank drei Springkonkurrenzen ereignete sich auf der Allmend dennoch ein Volksfest.

Optimale Rennbahn dank grossen Kurvenradien

Heinrich Strehler und Christoph Müller vom RVF Frauenfeld, letzterer präsidiert den Rennverein seit 1998. (Bild: Samuel Koch)

Heinrich Strehler und Christoph Müller vom RVF Frauenfeld, letzterer präsidiert den Rennverein seit 1998. (Bild: Samuel Koch)

In den Folgejahren entwickelte sich die Pferderennbahn zu einem regelrechten Publikumsmagnet. Am 10. Juni 1924 strömten rund 12'000 Besucher zu den Pfingstrennen nach Frauenfeld. Selbst die Weltwirtschaftskrise oder der Zweite Weltkrieg konnten den Aufschwung nicht bremsen. So ist die rund 1500 Meter lange Rennbahn auf der Allmend die zweitgrösste hinter jener in Avenches. Müller meint:

«Für Flachrennen ist die Frauenfelder Rennbahn gerade dank den grossen Kurvenradien optimal.»

Die NZZ mutmasste am 26. Mai 1944, «dass die lange, ovale Rennbahn auf der Frauenfelder Allmend [...] besser geeignet ist als jeder andere Schweizerische Rennplatz». Im Vergleich mit Pferdesportnationen wie Frankreich jedoch hinkt der hiesige Pferdesport – ausser in Avenches mit jährlich rund 30 Renntagen dank der Anbindung zum Nachbarland – hinterher, wie Müller meint.

«Wir sind ein kleiner Fisch im Teich, können aber dank Renommee, Prestige und Tradition noch heute berühmte Jockeys nach Frauenfeld locken.»

Der jährlichen Durchführung des traditionellen Pfingstrennens ist es zu verdanken, dass der Aufschwung bis Mitte der 70er-Jahre anhielt. «Frauenfeld blieb über Jahrzehnte ein Mekka für alle möglichen Disziplinen im Pferdesport», meint Müller. Ob Flachrennen oder Hindernisläufe – pro Renntag verbrachten Tausende Zuschauer auf der Rennbahn. Nach und nach wurden Tribünen erstellt, und auch das Preisgeld bei den Rennen stieg beinahe Jahr für Jahr.

Eine Auswahl an Programmheftli zu Frauenfelder Pferderennen – von 1919 bis 2013. (Bild: Samuel Koch)

Eine Auswahl an Programmheftli zu Frauenfelder Pferderennen – von 1919 bis 2013. (Bild: Samuel Koch)

Rennverein Frauenfeld: 100-jährige Geschichte

  • 1919 Gründung des Rennvereins Frauenfeld (RVF). Die ersten Pfingstrennen auf der Allmend werden aber trotz Kriegsende wegen der strengen Rationierung abgesagt. Es finden Springkonkurrenzen statt.
  • 1936 Das Verbot der Pferdewette im Thurgau wird aufgehoben. Regierungsrat Willi Stähelin, der sich für den RVF einsetzte, wird nach gelungener Annahme der Vorlage mit dem RVF-Präsidiumsamt belohnt.
  • 1947 Die alte Tribüne (heutige Tribüne III – mit Sekretariat, Sanität und Presse) wird gebaut.
  • 1959 Bau der zweiten Tribüne (heute Tribüne II – mit Wettbüros).
  • 1962 Der Rennverein Zürich führt einen internationalen Gastrenntag auf der Frauenfelder Allmend mit Flach- und Jagdrennen durch.
  • 1969 Der RVF feiert sein 50-jähriges Bestehen. Die zwei grossen Rennen an Pfingsten, das Flachrennen und die Steeplechase, sind mit 10'000 Franken dotiert.
  • 1974 Die WM im Vierergespann findet in Frauenfeld statt. Königshausvertreter Prinz Philip nimmt für Grossbritannien teil.
  • 1983 Anlässlich der Military-EM gastiert die englische Premierministerin Margaret Thatcher auf der Grossen Allmend.
  • 1985/86 Jockeylegenden beehren das 5. und 6. Swiss Derby. 1985 kommt der Engländer Lester Piggott nach Frauenfeld, 1986 der Franzose Yves Saint-Martin.
  • 1987 Überschwemmungen führen zum zweiten Ausfall der Pfingstrennen überhaupt. Das Swiss Derby kann nur dank grosser Anstrengungen und bei widrigen Bedingungen über die Bühne gehen.
  • 1989 Die Rennbahn wird von Grund auf neu gestaltet. Mit einer Million Franken ist es die bedeutendste Investition auf der Allmend.
  • 1994 Der RVF begeht sein 75-Jahr-Jubiläum. Wegen Starkregens muss die Rennbahn mit Feuerwehrpumpen entwässert werden. Das Auktionsrennen ist mit einer Preissumme von 200'000 Franken dotiert. Zudem verleiht Frauenfeld dem RVF den Anerkennungspreis für seine langjährige Arbeit, die der Stadt weltweites Ansehen verleiht.
  • 1998 Christoph Müller übernimmt das Präsidium von seinem Vorgänger Max Rindlisbacher, der den RVF über 20 Jahre führte.
  • 2003 Nach dreijährigem Unterbruch kann der RVF wieder das Herbstmeeting durchführen, dank des Turf Clubs Frauenfeld.
  • 2006 Erstmals überträgt ein TV-Sender die Frauenfelder Pferderennen in ganz Frankreich. An den tausenden Wettbüros werden rund 300'000 Euro gesetzt.
  • 2007 Erstmals heisst ein Flachrennen im Pariser Vorort St. Cloud «Prix de Frauenfeld». Mit Hans-Rudolf Merz beehrt erstmals seit Jahren ein Bundesrat Pferderennen in Frauenfeld.
  • 2009 Der neue Gemeindecup Regio Frauenfeld soll die Verbundenheit mit der Region aufzeigen.
  • 2019 Der RVF feiert sein 100-Jahr-Jubiläum mit drei Renntagen.

Bevor bei der WM im Viererzugfahren Prinz Philip die Allmend besuchte, erlitt der Pferderennsport mit der Auflösung der Kavallerie 1973 einen herben Dämpfer. «Seither hat das Pferd generell massiv an Bedeutung verloren», sagt Heinrich Strehler, der im RVF für die Medienarbeit verantwortlich ist. Unter der Führung des damaligen Präsidenten Max Rindlisbacher jedoch brach der RVF zu neuen Ufern auf und führte am 21. Juni 1981 erstmals das «Swiss Derby» durch. «Dadurch erlangte Frauenfeld auf einen Schlag nationale und internationale Strahlkraft», sagt Christoph Müller.

Beweis dafür war der Besuch der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher zwei Jahre später. «Eine grosse Begrüssungszeremonie gab es nicht und es spielte auch keine Musik. Die Premierministerin widmete sich sofort dem Rennen ...», steht tags darauf in der TZ. «Es gab über die Jahre immer wieder viele tolle Ehrengäste», sagt Müller. Besonders in Erinnerung blieb ihm Bundesrat Samuel Schmid. «Als er in Frauenfeld ankam, dachte er, er sei an einem Springreiten», erzählt Müller. Schmid habe die Allmend möglichst schnell wieder verlassen wollen.

«Ernst Mühlemann aber sagte ihm, dass wir noch das Thurgauer Lied singen, da ist er geblieben.»

Mit dem Pferdesport infiziert hat sich Müller als Jungspund. «Ich durfte einen Fünfliber von meinem Vater aufs Ross ‹Silvy› setzen», erzählt er. Seine Wette ging in die Hose, sein Pferd belegte den letzten Platz. «Ich hatte eine schlaflose Nacht, es war grausam», sagt Müller und schmunzelt. Wetten gehören zum Rennsport wie der Apfel zum Thurgau. «Mit einer Wette identifiziert man sich als Zuschauer mit einem Pferd, es gehört einem emotional sogar ein wenig», meint Strehler zum Reiz des Wettens.

Teufelskreis mit Sponsoring und Attraktivität für Junge

Seit den 90er-Jahren geht das Leben des RVF auf und ab. Auch schon organisiert er sieben Renntage pro Jahr, aktuell sind es drei. Das Frühjahrsmeeting, heuer am 26. Mai, kann auch dank dem 2002 gegründeten Turf Club Frauenfeld stattfinden. «Ohne den Turf Club und seinen vielen Mitgliedern gäbe es heute keinen dritten Renntag mehr», meint Müller. Die Mitgliederzahl beim RVF liegt stabil bei rund 300.

Ein Renntag kostet bis zu 100'000 Franken. «Und weil die Attraktivität für Sponsoren und hiesige Fernsehstationen stetig sinkt, müssen wir auch die Rennpreise etwas nach unten korrigieren», meint Müller. Immerhin werden auch dieses Jahr zwei Rennen im französischen Fernsehen live übertragen, was eine fünfstellige Summe in die Vereinskasse spült. Der jährliche Umsatz des RVF liegt bei rund 800'000 Franken. Wie viel Vereinspräsident Müller jährlich einschiesst, kommentiert er nicht. «Früher lockten Pferderennen mehr elitäre Leute an, das ist heute etwas anders», sagt er, selbst wenn Glanz und Gloria mit Cüpli dazugehören.

«Sehen und Gesehenwerden, das gehört einfach auf die Rennbahn.»

Auf den Meriten rund ums 100-jährige Bestehen kann sich der RVF nicht ausruhen. «Heute ist die Konkurrenz mit neuen Sportarten immens geworden», meint Müller. Deshalb müsse sich der Pferderennsport immer wieder neu erfinden. «Wir wollen mit einem speziellen Rahmenprogramm mehr für Junge und Familien machen, sei es mit einer Kinderspielwelt oder Ponys im Programm», sagt er.

Zudem versuche der RVF immer wieder, junges Blut ins OK zu bringen. Müller weiss nicht, ob es den Verein in 50 Jahren noch gibt. «Ich hoffe es, aber Frauenfeld muss zusammenstehen, und wir müssen unsere Organisation und das Sponsoring überdenken.» Am traditionellen Pfingstrenntag, am 10. Juni, jedenfalls begrüsst der RVF mit Bundesrat Guy Parmelin zunächst einen weiteren Magistraten. Müller sagt beinahe poetisch: «Sehen wir uns nicht mehr auf dieser Welt, dann treffen wir uns an Pfingsten in Frauenfeld.»

In seinem Jubiläumsjahr organisiert der Rennverein Frauenfeld drei Renntage mit zusätzlichen Attraktionen. Infos dazu gibt’s unter: www.rennverein.ch

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