Bundesfeiern
Thurgauer 1. Augustfeiern: Frauen am Rednerpult

Zum Jubiläum 50 Jahre Frauenstimmrecht werden vielerorts die Bundesfeieransprachen von Frauen vorgetragen. Im Kanton Thurgau stehen die beiden Politikerinnen Diana Gutjahr und Brigitte Kaufmann gleich zweimal im Einsatz. Unserer Zeitung verraten sie, was eine gute Rede ausmacht.

Francesca Stemer
Drucken
Teilen
Happy Birthday, Schweiz: Am Sonntag ist Nationalfeiertag.

Happy Birthday, Schweiz: Am Sonntag ist Nationalfeiertag.

Bild: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE

Vor 46 Jahren hielt eine Urner Landrätin als erste Frau die 1.-August-Festansprache auf dem Rütli. Vier Jahre zuvor erhielten die Frauen das Stimm- und Wahlrecht.

In diesem Jahr feiert das Frauenstimmrecht das 50-jährige Jubiläum. Und zu diesem Jubiläum organisierte der Verband alliance F das «Frauen-Rütli», dabei liegt der Fokus auf den Geschichten der Frauen, den Errungenschaften und der Zukunft.

Dabei bleibt es aber nicht: Das Ziel ist es, dass die Gemeinden der Schweiz an den diesjährigen Bundesfeieransprachen möglichst viele Frauen als Rednerinnen stellen. Im Kanton Thurgau finden in diesem Jahr 45 Bundesfeieransprachen statt. An 17 davon werden die Festreden von Frauen geführt. So unter anderem in der Stadt Frauenfeld.

Ein Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft

Online wurde eine Mitarbeiterin der Gemeinde Frauenfeld auf das Projekt der alliance F aufmerksam. Die Idee auch in Frauenfeld ein «Frauen-Rütli» durchzuführen, stiess gemäss Peter Koch, Amtsleiter Kommunikation und Wirtschaftsförderung, sofort auf Anklang. In einer Sitzung wurde das Konzept ausgearbeitet. Anschliessend wählten die Projektverantwortlichen zusammen mit dem Gemeinderatspräsidenten Claudio Bernold, Frauenfelderinnen verschiedener Generationen aus. Diese werden in Form einer Podiumsdiskussion ihre individuellen Geschichten zum Thema Frauenstimmrecht erzählen. Dabei werden sie einen Blick in die Vergangenheit werfen, erzählen von Verbesserungen aber auch wo sie heute noch Benachteiligung erleben.

Koch ist vom diesjährigen Konzept überzeugt: «Diese Rede wird absolut nicht mit früheren vergleichbar sein.» Der Amtsleiter fährt fort: «War es doch oft so, dass eine 1.-August-Rede nur einen gewissen Teil der Bevölkerung anspricht, doch in diesem Jahr zeigt sich die Rede viel facettenreicher.»

Herz über Kopf

Doch was gibt es bei einer 1.-August-Rede zu beachten? Unternehmerin und Nationalrätin Diana Gutjahr und Kantonsrätin und Kommunikationsberaterin Brigitte Kaufmann erklären, was eine gute Rede am Bundesfeiertag ausmacht:

Diana Gutjahr, Nationalrätin und Unternehmerin.

Diana Gutjahr, Nationalrätin und Unternehmerin.

Bild: Alessandro Della Valle/ KEYSTONE

Gleich vorweg: Die beiden Politikerinnen sind sich einig, die Ansprache der 1.-August-Feier ist eine Ehre. Kaufmann erklärt: «1.-August-Ansprachen sind etwas ganz Besonderes.» Besonders wichtig sei es dabei mit dem Herzen zu sprechen und nicht nur mit dem Kopf. Und um eine solche Rede zu schreiben, ist eine gewisse Vorbereitungszeit essenziell.

Diana Gutjahr wird in diesem Jahr in Salmsach und Sommeri die Ansprachen halten. Als die «Thurgauer Zeitung» am Mittwoch mit der Nationalrätin sprach, steckte sie bereits mitten im Schreibprozess, sie merkt an: «Die Rede habe ich normalerweise in vier bis acht Stunden geschrieben. Die Feinschliffarbeit wäre aber eigentlich nie abgeschlossen.» Denn Gutjahr widerspiegelt in ihren Reden, was sie in den vergangenen Monaten beschäftigt habe, aber auch weiter beschäftigen wird. Ihr diesjähriges Thema: «Welchen Preis hat unsere Freiheit?» Gutjahr merkt an: «Ich bin keine Moralapostelin aber mein Ziel ist es, dass ich die Zuhörerinnen und Zuhörer zum kritischen Nachdenken bewegen kann.»

Brigitte Kaufmann, Kantonsrätin und Kommunikationsberaterin.

Brigitte Kaufmann, Kantonsrätin und Kommunikationsberaterin.

Bild: Kevin Roth

Im Gegensatz zu ihrer Kollegin möchte Brigitte Kaufmann ihr diesjähriges Thema noch nicht verraten, nur so viel: «Es wird um die Stärken unseres Landes gehen. Von den Schwächen sprechen wir ja an den restlichen 364 Tagen im Jahr genug. Am Geburtstag der Schweiz darf man das Positive, das Besondere betonen, würdigen und in den aktuellen Kontext stellen.» Kaufmann wird in diesem Jahr zwei unterschiedliche Reden halten. Eine in Weinfelden und die andere in Kradolf-Schönenberg. Für die Reden mache sie sich im Voraus viele Gedanken, meistens entwickle sie die Rede beim Joggen. Inspirationen holt sie sich aus Büchern, Zeitungen und Zeitschriften.

Aktuelle Nachrichten