Zwölf Kilometer auf dem Wasser sind ein Marathon

SUP Tour Schweiz macht halt in Ermatingen

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Der Himmel ist wolkenverhangen und grau, die Luft feucht und frisch. Wer den Weg zum Ermatinger Strandbad einschlägt, kommt heute nicht zum Baden und Planschen. Triste Gesichter wegen des Wetters gibt es jedoch keine – im Gegenteil. «So ist’s ideal», hört man die versammelten Leute sagen. Sehr zahlreich sind sie nicht, doch ihre Aufmerksamkeit richtet sich ungeteilt auf das Wasser. Dort stehen in Reih und Glied Stand-up-Paddler auf ihren Brettern und harren auf das Startsignal. Jetzt ist es auffallend still. Dann ertönt eine kurze Hupe, und es kommt Leben in die Szenerie. Die Sportler fangen an zu paddeln, Wellen schlagen über den eben noch glatten See, Jubel und Rufe durchbrechen die Stille. Wegen der aufgewühlten Wasseroberfläche geraten die Paddler zum Teil gefährlich ins Schwanken und es beginnt ein Kampf mit dem Gleichgewicht. Eine Frau fällt von ihrem Brett, doch behende zieht sie sich hoch und nimmt tapfer das Rennen wieder auf. Schnell entfernt sich die Gruppe der Wettkämpfer und bald sind nur noch kleine Punkte sichtbar.

Ruhe kehrt ein, die Musik aus den Lautsprechern baut ein bisschen Spannung auf und hin und wieder informiert eine Durchsage über den Verlauf des Long Distance Rennens. Zwölf Kilometer legen die 35 Sportler auf ihrer Wettkampfstrecke um die Insel Reichenau zurück. Ein hartes Stück Arbeit, und für manche zählt weniger wie schnell sie es, denn dass sie es schaffen.

Mittlerweile steuern die ersten Paddler aus der Kategorie Short Distance das Ziel an und auf dem Steg versammeln sich die Wettkämpfer. Freude herrscht bei den Erstankömmlingen, und hinter dem Zielbogen füllt sich der Wasserbereich mit erschöpften Ruderern – gelb, blau, rot und orange leuchten ihre Bretter auf dem See.

Wer angekommen ist, hat es nicht eilig, an Land zu gehen. Die Sportler benetzen sich Arme und Gesicht, lassen sich auf dem Board treiben oder gleiten grad ganz ins Wasser. Jeder wird freundschaftlich im Ziel begrüsst: Handschlag und Schulterklopfen.

Dann erschallt besonders lauter Jubel. Die Anerkennung gilt der ältesten Paddlerin – mit Jahrgang 1943 – auch sie konnte den Wettkampf beenden.

Amy Douglas