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ZWISCHENBILANZ: Von der Sympathieträgerin bis zum Fehlstarter: Die Zeugnisse der Thurgauer Regierungsräte

Bald ist die Hälfte der Amtszeit 2016 bis 2020 im Thurgauer Regierungsgebäude vorbei. Wem läuft es gut in der Kantonsregierung? Wer hat politisch zu kämpfen, und wer hat seine Aufgaben im Griff? Eine Zwischenbilanz von Larissa Flammer, Christian Kamm, Sebastian Keller, Silvan Meile und Thomas Wunderlin.
Cornelia Komposch (SP). (Bild: Reto Martin)

Cornelia Komposch (SP). (Bild: Reto Martin)

Die Unzimperliche: Cornelia Komposch (SP)

Die passionierte Seglerin, die kürzlich nach Steckborn gezogen ist, steht im Gegenwind. Cornelia Komposch, die Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements, will die Polizeiposten dezimieren. Im Parlament läuft sie damit auf. Sogar ihre Nachfolgerin im Präsidium der SP-Fraktion stellt sich quer. Einige Kantonsräte wollen ihr gleich die Kompetenz für die Postenreduktion entziehen. Im Streit mit der SVP um die Sprachkompetenz bei Einbürgerungen manövriert sie sich ins Abseits.

Cornelia Komposch (SP). (Bild: Reto Martin)

Cornelia Komposch (SP). (Bild: Reto Martin)

Jährlich besser werden hingegen Cornelia KomposchsResultate beim eidgenössischen Feldschiessen. Beim Baujagdverbot gelingt es ihr, den Grossen Rat hinter sich zu bringen. Der Tierschützer Reinhold Zepf, ihr schwierigster Kunde, ist so begeistert, dass er ihr das Veterinäramt zuteilen möchte. Ihre Führungskompetenz bewies die ehemalige Frau Gemeindeammann auch bei der geräuschlosen Auswechslung des Direktors des Massnahmenzentrums Kalchrain.


Jakob Stark (SVP). (Bild: Reto Martin)

Jakob Stark (SVP). (Bild: Reto Martin)

Die Schlüsselfigur: Jakob Stark (SVP)

Vieles spricht dafür, Jakob Stark als den starken Mann der Regierung zu bezeichnen. Obwohl die Mehrheit im Thurgauer Regierungsrat bekanntlich Frauen sind. Stark hat nicht nur am meisten Regierungserfahrung. Er steht auch dem Schlüsseldepartement Finanzen vor. Und ohne Geld läuft in der Politik nichts. Es kommt hinzu, dass der SVP-Regierungsrat der einzige geborene Debattierer in der Regierung ist. Keiner verkauft seine Haut im Parlament so teuer wie Stark. Dass es in den Wahlen nicht zum Spitzenplatz reicht, muss andere Gründe haben. Der 59-jährige Politiker teilt das Los jener Finanzminister, die Rappen spalten müssen, statt Geschenke verteilen zu können. Das kratzt, bei allem taktischen Geschick, an seiner Popularität. Zudem zeigt sich da und dort ein Hang zum Übertaktieren. Als Parlamentarier konnte Stark stur sein. Die Regierungsjahre haben ihn viel elastischer gemacht.


Carmen Haag (CVP). (Bild: Donato Caspari)

Carmen Haag (CVP). (Bild: Donato Caspari)

Die Sympathieträgerin: Carmen Haag (CVP)

Die amtierende Regierungspräsidentin Carmen Haag hat seit ihrer Wahl vor vier Jahren viel Lob geerntet. Bestes Wahlresultat 2016, Teil des kantonalen Frauenpowers; ihr Parteipräsident nannte sie sogar schon in einer Reihe "guter CVP-Leute" für eine mögliche Bundesratskandidatur. Die Finanzexpertin ist im Bau- und Umweltdepartement dossiersicher, auch wenn ihr oft starker Gegenwind entgegen bläst. Richtplan, Motocross, Kulturlandschutz, Windenergie: alles Streitthemen. Die 44-Jährige erlebte auch bereits ihren ersten persönlichen Skandal. Der Anschein von Befangenheit, den sie bei einer umstrittenen Biogasanlage erweckt hat, kann als Missgeschick durchgehen. Unbedachte Worte oder Taten passen auf jeden Fall nicht zu Carmen Haag. Dass sie das Format hat, im Fokus öffentlichen Drucks souverän zu agieren, bewies sie im Fall Hefenhofen. Die nächste Prüfung wird die Bodensee-Thurtal-Strasse darstellen, mit der sich Haag einen Namen in Bundesbern machen kann.


Walter Schönholzer (FDP). (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Walter Schönholzer (FDP). (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Fehlstarter: Walter Schönholzer (FDP)

"Leuchtturm" ist Walter Schönholzers Lieblingswort: Er nutzt es für das Reka-Feriendorf, das Stallprojekt Arenenberg, den gelungenen Thurgauer Olma-Auftritt und den geretteten Forschungsstandort Tänikon. Unbestritten ist, dass dies auch die Früchte der Arbeit des Vorgängers sind. Das gilt ebenso für die Tatsache, dass all die Leuchttürme plötzlich von einem noch nie da gewesenen Skandal überschattet wurden. Dieser warf den souverän gestarteten Regierungsrat rund ein Jahr nach Amtsantritt vorübergehend aus der Bahn. Der 52-Jährige ist zum Feindbild von Tierschützern geworden. Sein Krisenmanagement brachte ihm aber auch weit über Tierschutzkreise hinweg Kritik ein. Der ehemalige FDP-Präsident wirkte gestresst und gereizt. Inwieweit er den Tierschutzfall mitverantwortet, muss die laufende Untersuchung zeigen. Bis dahin bleibt Hefenhofen Schönholzers Hypothek. Er ist der einzige Regierungsrat, dessen Wiederwahl aus heutiger Sicht keine Formsache ist.


Monika Knill (SVP). (Bild: Reto Martin)

Monika Knill (SVP). (Bild: Reto Martin)

Die Pragmatische: Monika Knill (SVP)

Gewinnen und verlieren: Monika Knill kennt beides – und geht mit beidem souverän um. An der Urne spricht ihr das Volk regelmässig das Vertrauen aus. Lehrplan 21 und Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule – aus beiden Abstimmungen ging sie als Siegerin hervor. Die volksnahe SVP-Frau befindet sich mit ihren 45 Jahren bereits im zehnten Regierungsjahr – und immer im Departement für Erziehung und Kultur. Frei von Fehlern ist auch die sportliche Regierungsrätin nicht. Dass das Bundesgericht Elternbeiträge für Deutschkurse und Lager für verfassungswidrig erklärt hat, muss sie auch auf ihre Kappe nehmen. Gegen die Order aus Lausanne wehrte sie sich nicht, sondern setzte sie um. Pragmatisch wie immer. Die Rettung des Frühfranzösisch in letzter Sekunde ist Sinnbild für ihre Kämpfernatur, ihren langen Atem. Knill akzeptiert Niederlagen erst, wenn der politische Kampf zu Ende ist.

Lesen Sie unter diesem Link die Zeugnisse für den St.Galler Regierungsrat.

Der Thurgauer Regierungsrat: (von rechts nach links) Monika Knill, Jakob Stark, Carmen Haag, Cornelia Komposch und Walter Schönholzer. Ganz links im Bild Staatsschreiber Rainer Gonzenbach. (Bild: pd)

Der Thurgauer Regierungsrat: (von rechts nach links) Monika Knill, Jakob Stark, Carmen Haag, Cornelia Komposch und Walter Schönholzer. Ganz links im Bild Staatsschreiber Rainer Gonzenbach. (Bild: pd)

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