Zwischen Stall und Schulbank

Vor 65 Jahren verliess ein Jahrgang mit 60 jungen Burschen aus dem Thurgau nach zwei Winterkursen die landwirtschaftliche Schule Arenenberg. Jetzt trafen sie sich zu einem Klassentreffen.

Hana Mauder
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Am Klassentreffen mit dabei: Eugen Goldinger (Illhart), Hansjörg Grundlehner (Altnau), Konrad Gsell (Wiedehorn), Willi Halter (Braunau), Karl Hungerbühler (Thundorf), Konrad Kreis (Ermatingen), Ludwig Lussi (Tägerwilen), Paul Meier (Buch bei Frauenfeld), Gottlieb Möckli (Schlatt), Kurt Möckli (Schlatt), Jakob Müller, (Frasnacht), Arthur Niklaus (Heldswil), Viktor Oswald (Sommeri), Jean Peter (Illhart), Willi Plüer (Triboltingen), Ferdinand Rupper (Vancouver), Ernst Senn (Dotnacht), Walter Stäheli (Hefenhofen) und Max Thalmann (Uesslingen). Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Am Klassentreffen mit dabei: Eugen Goldinger (Illhart), Hansjörg Grundlehner (Altnau), Konrad Gsell (Wiedehorn), Willi Halter (Braunau), Karl Hungerbühler (Thundorf), Konrad Kreis (Ermatingen), Ludwig Lussi (Tägerwilen), Paul Meier (Buch bei Frauenfeld), Gottlieb Möckli (Schlatt), Kurt Möckli (Schlatt), Jakob Müller, (Frasnacht), Arthur Niklaus (Heldswil), Viktor Oswald (Sommeri), Jean Peter (Illhart), Willi Plüer (Triboltingen), Ferdinand Rupper (Vancouver), Ernst Senn (Dotnacht), Walter Stäheli (Hefenhofen) und Max Thalmann (Uesslingen). Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Kräftiges Händeschütteln. Freudiges Schulterklopfen. Der eine oder andere Spruch hallt über den Platz: «Du hast mich damals als Zimmerchef ganz schön gefordert», sagt einer und blinzelt seinem ehemaligen Zimmergenossen zu. «Ach, ich war nicht frech», kontert dieser: «Nur ein bisschen lustig.» Der Schalk leuchtet ihm aus den Augen. Kein Zweifel. Die jungen Burschen erlebten damals eine spannende Zeit.

65 Jahre sind seit den zwei Winterkursen vergangen. Von den einst über 60 Burschen in zwei Klassen haben sich heute knapp zwei Dutzend zum Klassentreffen eingefunden. «Wir sind halt alle schon um die 85 Jahre alt», meint Arthur Niklaus aus Hüttenswil. «Da lichten sich die Reihen.» Umso mehr ein Grund, um sich bei einem Gläschen in Ehren an die alten Zeiten zu erinnern. Hier in der Landwirtschafts-Schule lernten die angehenden Landwirte, die Ärmel hochzukrempeln und den Anforderungen der Moderne zu begegnen. «Was haben wir über einen motorisierten Traktor gestaunt», erinnert sich Jakob Müller aus Frasnacht. «Ich habe als 25-Jähriger noch mit Pferden gepflügt.»

Einmal im Monat mit dem Velo nach Hause

Es wehte ein anderer Wind. In Massenschlägen standen 30 Betten dicht an dicht. Nach Hause fuhr man allenfalls am Wochenende. Oder noch seltener: «Ich fuhr einmal im Monat mit dem Velo nach Hause», erzählt manch einer. Den Tag bestimmten die Mithilfe im Stall und das Lernen in den Schulzimmern. «Wir haben Kühe gewaschen und Pferde gestriegelt», sagt Konrad Gsell aus Wiedehorn. «Aber vor allem viel gelernt.» Heute noch ist der jahrelang aktive Landwirt stolz auf seine Zeit in der Kavallerie.

«Die Hürden waren damals für uns kleiner», meint Karl Hungerbühler aus Thundorf. «Wir mussten keine Aufnahmeprüfung ablegen und konnten mit Fleiss und Willen unsere Ausbildung beginnen.» Vielen Menschen sass der aus nächster Nachbarschaft erlebte Zweite Weltkrieg tief in den Knochen. «Viele waren damals in der Primarschule», sagt Hansjörg Grundlehner aus Altnau. «Das hat uns aufgerüttelt und motiviert. Wir haben daran geglaubt, etwas aus unserem Leben zu machen.» An die Lehrkräfte – Lüdi, Moser, Eberli, Stäheli, Schmid, Müller, Schönenberger, Würmli, Widler – erinnert man sich gern, mit Respekt. Gemeinsam ziehen die 1951-er Vergleiche zu heute. «Die Motorisierung hat enorm zugenommen», ist man sich in der Runde einig. Der Maisanbau war in der Schweizer Landwirtschaft vor 60 Jahren noch unbekannt. Erst spezielle Züchtungen erlaubten später dessen Anbau in der Schweiz. Auch die Intensivnutzung der Obstanlagen gab es noch nicht.

Nicht jeder Punkt im damaligen Stundenplan stiess auf Begeisterung. «Das Morgenturnen mochte ich gar nicht», sagt Walter Stäheli aus Hefenhofen. Dennoch: Die Zeit auf dem Arenenberg habe sie gut auf ihre Arbeit in der Landwirtschaft vorbereitet.

«Ich bin extra zum Klassentreffen aus Kanada angereist», sagt Ferdinand Rupper. «Vor 60 Jahren bin ich ausgewandert. Ich habe diesen Entschluss nie bereut.» Trotzdem freut er sich sehr, all die bekannten Gesichter zu sehen und die eine oder andere Geschichte zum besten zu geben. Etwa diejenige, wie der Herr Direktor damals das eine oder andere Mal im Schlafsaal nach dem Rechten sehen musste.