ZWISCHEN BADI UND CAMPING LÄUI «DSCHUNGEL»: Petition für steinernen Weg

Die Neugestaltung des Rheinufers oberhalb der Badi scheidet die Geister. Nach einer Orientierung Anfang April gruppieren sich nun die Gegner. Mit Unterschriften wollen sie die jetzige Ufermauer retten.

Samuel Koch
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Die Steinmauer entlang des Rheins könnte bald abgerissen werden. (Bild: Mathias Frei)

Die Steinmauer entlang des Rheins könnte bald abgerissen werden. (Bild: Mathias Frei)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

2,1 Kilometer: So lang ist der Streifen entlang des Rheins in Diessenhofen, welcher momentan Teil von kontroversen Diskussionen ist. Von der Badi rheinaufwärts bis zum Camping Läui «Dschungel» führt der Uferweg. Und genau diesen Uferweg, der aus einer steinernen, rund 80 Jahre alten Mauer besteht, will eine Gruppe von Pontonieren schützen. Dafür sammeln sie seit gestern Unterschriften und wollen sich mittels Petition Gehör verschaffen.

«Wir fordern, dass unser einmaliger Uferweg auf der bestehenden Ufermauer in voller Länge unverändert erhalten bleibt», sagt einer der Pontoniere auf Anfrage. Zudem soll der Kanton dies bei seinem strategischen Revitalisierungsprogramm berücksichtigen. Das momentane Konzept sieht vor, dass die jetzige Ufermauer einem Kiesbett Platz macht. «Das sind rund 2000 Lastwagenladungen Kies», sagt der Pontonier-Sprecher. Ausserdem soll als Ersatz für den Rheinweg ein Holzsteg gebaut werden. Dann sei Treideln nicht mehr möglich, zudem schaffe sich Diessenhofen eine Dauerbaustelle. «Ein Blick vis-à-vis des Rheins nach Gailingen zeigt’s: Dort sind die Probleme und die Unterhaltskosten enorm.»

Abstimmungssieg ohne rechtliche Folgen

Die Pontoniere stören sich auch am Prozess der Umsetzung. «Stadt und Kanton haben uns vor der Orientierung anfangs April zu wenig informiert.» Der Pontonier-Sprecher fragt sich, wie sich der Bürger eine Meinung bilden soll, ohne davor Infos erhalten zu haben. An der Orientierung haben die Behörden über die nächsten Schritte für die Rheinrenaturierung östlich von Diessenhofen informiert und ein Konzept vorgestellt. Nebst Vertretern von Stadt und Kanton waren auch Vertreter des ausführenden Energieverbunds SH Power anwesend. Bei einer Konsultativabstimmung hat sich das Stimmvolk mit hauchdünner Mehrheit gegen einen Abbruch des bestehenden Uferwegs ausgesprochen (unsere Zeitung berichtete). «Wir haben kurzfristig von der Abstimmung erfahren und konnten spontan genügend Bürger mobilisieren», sagt der Pontonier.

Diessenhofens Stadtpräsident Walter Sommer relativiert: «Jetzt herrscht eine Pattsituation.» Die Gruppe Pontoniere wehrt sich gegen den Abbruch der Ufermauer, die IG Rheinaufwertung macht sich seit längerem dafür stark, dass nach den Uferbereichen westlich von Diessenhofen nun auch östlich des Rheinstädtchens etwas geht. «Der Ball liegt jetzt beim Kanton, denn unser Stadtrat hat sich längst einstimmig für eine Renaturierung ausgesprochen», sagt Sommer, womit auch die Ufermauer abgerissen werden würde. Zwar sei eine Petition das gute Recht der Bürger, auf Verständnis stösst sie bei Sommer jedoch kaum. «Klar ist, dass es sich um ein gewöhnliches Projektverfahren handelt, zu welchem bei einer allfälligen Auflage auch Einsprache erhoben werden kann», ergänzt er.

Den Petitionären ist das zu wenig: «Dann ist es zu spät.» Jetzt sei es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Ihr Ziel ist, Ende Mai genügend Unterschriften gesammelt zu haben, um sie bei der Staatskanzlei in Frauenfeld zu platzieren. «Wir haben gestern angefangen und werden innert Kürze Hunderte Unterschriften sammeln», ergänzt der Pontonier-Sprecher.

Pläne liegen aktuell in Bern zur Stellungnahme

Die Federführung für die Rheinufergestaltung liegt beim Kanton, genauer beim Amt für Umwelt. «Wir befinden uns erst in der Entwurfsphase», sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie. Und aktuell liege das Dossier sowieso beim Bund, da sich dieser bei Revitalisierungen finanziell beteiligen kann. Geht alles glatt, dürfte das endgültige Bauprojekt für den Abschnitt östlich der Badi noch in diesem Jahr spruchreif werden. Klar ist für Baumann: «Wir halten uns an das ordentliche Bewilligungsverfahren.»