Zwischen Angst und Langeweile

Fühlen und Denken hängen zusammen, sie beeinflussen sich gegenseitig. Beide sind entscheidend für den Schulerfolg, lautet das Fazit der Kooperationsveranstaltung Kanton Thurgau–Universität Konstanz.

Hugo Berger
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Elsbeth Stern ETH-Professorin (Bilder: Hugo Berger)

Elsbeth Stern ETH-Professorin (Bilder: Hugo Berger)

FRAUENFELD. Während die Intelligenzforschung auf eine über 100jährige Tradition zurückblickt, hat man die Bedeutung der Lern- und Leistungsmotivation erst vor rund 20 Jahren erkannt. Genau wie bei der Intelligenz gibt es verschiedene Grade der Emotionen. «Die Angst vor dem Löwen ist eine ganz andere als jene vor einer Matheprüfung», sagte Thomas Götz, Professor für Bildungsforschung in Konstanz.

Keine Gefühlsmessung

«Emotionen und Intelligenz in der Schule», so lautete das Thema der Kooperationsveranstaltung, zu welcher der Kanton Thurgau und die Universität Konstanz am Mittwoch in die Kantonsschule Frauenfeld eingeladen hatten. Der zum 18. Mal durchgeführte Anlass zeige die grenzüberschreitende Verbundenheit, sagte Regierungsrat Jakob Stark. Anders als bei der Intelligenz gibt es laut Götz keine Methode, die Intensität der Gefühle zu messen. Zustimmendes Kopfnicken erntete der Professor mit Psychologiestudium, als er die Angst und die Langeweile in der Schule ansprach. Angst sei ein Zeichen der Überforderung, während Langeweile sich bei Unterforderung einstelle. Die grösste Lernbereitschaft stelle sich beim Gefühl der Freude ein. «Bei wichtigen Ereignissen sind alle Gefühle, ausser der Langeweile im Spiel», erfuhren die Zuhörer.

Essen oder Trinken

Elsbeth Stern verglich das Denken und Fühlen mit Essen und Trinken. Beides sei notwendig und beeinflusse sich gegenseitig. Zur vieldiskutierten Frage, ob Intelligenz angeboren oder erworben wird, meinte die ETH-Professorin für Lehr- und Lernforschung: «Entscheidend sind die Gene, aber sie brauchen ein entsprechendes Umfeld, um sich zu entwickeln.» Dass die Gene der Eltern auf die Kinder vererbt werden, sei nicht garantiert. Lern- und Merkfähigkeit hängen laut Stern vom vorhandenen Wissen ab. Informationen fallen nur dann auf fruchtbaren Boden, wenn das erforderliche Wissen vorhanden ist, um das Hinzugelernte zu integrieren. Für Lacher sorgte ein Beispiel, das sie anführte: Der Lehrer dozierte in der Schule, der Mensch stamme vom Affen ab. Die Frage einer Schülerin: «Wann war ich ein Affe?»

Thomas Götz Professor Universität Konstanz (Bild: unknown)

Thomas Götz Professor Universität Konstanz (Bild: unknown)