Zwei Vertreibungen sind ihm genug

Dem Frauenfelder Hobbygärtner Hartmut Franke droht, innert acht Jahren sein Schrebergartenhäuschen zum zweitenmal abräumen zu müssen. Sein Gesuch um eine nachträgliche Baubewilligung hat wenig Chancen. Sein Gemüsegarten befindet sich in der Landwirtschafts- und Freihaltezone.

Thomas Wunderlin
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Hartmut Franke pflanzt in seinem Schrebergarten so viel Gemüse an, dass es für ihn und seine Frau das ganze Jahr reicht. (Bild: Thomas Wunderlin)

Hartmut Franke pflanzt in seinem Schrebergarten so viel Gemüse an, dass es für ihn und seine Frau das ganze Jahr reicht. (Bild: Thomas Wunderlin)

FRAUENFELD. Rauch steigt aus dem Kamin des Gartenhäuschens. Er heize den Ofen ein, weil er ihn neu ausgekleidet habe, erklärt Hartmut Franke. Ungewiss ist, ob der 72jährige Hobbygärtner seinen Ofen noch braucht, wenn es draussen nicht mehr warm ist. Denn der pensionierte Automechaniker hat ein nachträgliches Baugesuch für sein Gartenhäuschen einreichen müssen. Die Chancen für eine Bewilligung sind gering. Der gepachtete Pflanzblätz im Frauenfelder Hungerbühl bei der Schaffhauserstrasse 84 befindet sich in der Landwirtschafts- und in der Freihaltezone und am Rand eines Wäldchens – alles Gründe, die für eine Ablehnung sprechen.

Selbstversorger mit Gemüse

Auf dem Tisch im Gartenhäuschen liegen zwei frisch geerntete Kürbisse. Franke pflanzt unter anderem Zucchetti, Auberginen, Lauch, Kartoffeln und Randen an. Er und seine Frau sind Selbstversorger mit Gemüse, auch im Winter. «Ich habe eben zwanzig Kilo Tomaten eingemacht», sagt Franke. Dreissig Jahre lang hatte er einen Schrebergarten beim Eisenwerk beackert. Als er dort einer Wohnsiedlung weichen musste, wollte er zunächst mit Gärtnern aufhören. Da sah er einen Anschlag, den Rosa Hofer im Coop Kurzdorf gemacht hatte.

Die Besitzerin des fast zwei Aren grossen Grundstücks nahe des Osterhalden-Kreisels wohnt nebenan. Sie hatte hier jahrzehntelang selber gegärtnert, bis sie aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Sie hatte im Garten nur ein Blechhäuschen aufgestellt, damit sie ihre Geräte immer zur Hand hatte.

Franke dachte: «Jetzt packe ich es nochmals.» Für 800 Franken liess er sein Gartenhäuschen von einem Transportunternehmer zum neuen Pflanzblätz verfrachten. Ob ein Baugesuch nötig sei, darüber dachte er nicht nach. Lange hat er nun seinen neuen Garten beackert, ohne dass es jemanden störte. Da er an einem wenig begangenen Feldweg liegt, hatte Franke sogar weniger unerwünschte Besucher als am früheren Ort. Nach acht Jahren hat sich nun plötzlich das Hochbauamt gemeldet. Der zuständige Sachbearbeiter, Daniel Schöpfer, sagt, es sei ein Hinweis aus der Bevölkerung eingegangen. Er fügt an, das Hochbauamt gehe nur schriftlich eingereichten Hinweisen nach.

Franke glaubt, ein Besitzer eines Grundstücks in der angrenzenden Bauzone habe ihn angezeigt. Der Betreffende bestreitet das jedoch auf Anfrage. Er habe lediglich Einsprache erhoben, nachdem Frankes Baugesuch aufgelegt worden sei. Falls er sein Grundstück überbauen wolle, werde das Gartenhäuschen beschattet. Er wolle nicht deswegen eingeschränkt werden. Ausserdem wolle er ebenfalls so nahe an den Waldrand bauen dürfen wie Franke, falls dessen Baugesuch bewilligt würde.

Ohne Häuschen kein Garten

Von seiner 1,4 Kilometer entfernten Wohnung beim Schulhaus Oberwiesen kommt Franke mit dem Auto zu seinem Garten. Wenn er sein Gartenhäuschen abreissen muss, dann mag er nicht mehr weitermachen. «Ich mag nicht bei jedem Regentropfen einpacken; jetzt kann ich ins Häuschen sitzen und warten, bis es wieder aufhört.»

Franke würde gern nochmals zehn Jahre weitergärtnern. Aber ein drittes Mal an einem andern Ort neu anfangen, «das packe ich nicht mehr».