Zwei Russen sind gefangen

Zwei entflohene russische Kriegsgefangene sind über den Bodensee gefahren, wurden im Kesswiler Walde aufgegriffen und nach St. Gallen verbracht und im Militärgefängnis untergebracht. Die Landjägerhauptwache soll die Personalien feststellen.

Drucken
Teilen

Zwei entflohene russische Kriegsgefangene sind über den Bodensee gefahren, wurden im Kesswiler Walde aufgegriffen und nach St. Gallen verbracht und im Militärgefängnis untergebracht. Die Landjägerhauptwache soll die Personalien feststellen. Nach Abschluss der Untersuchung werden sie wohl gleich den dort weilenden französischen Soldaten in der Kaserne interniert. Sie tragen eine feldgrüne Uniform, einer von ihnen Manchesterhosen, die er jedenfalls in der deutschen Gefangenschaft erhalten hat. Sie stammen aus dem Gefangenenlager von Augsburg und haben nach etwa viertägiger mühevoller Wanderung den Bodensee und dann die Schweiz erreicht. Der eine der beiden spricht ziemlich gut Deutsch. Sie machen einen guten Eindruck und scheinen unter der deutschen «Hungersnot» nicht gelitten zu haben. Sie stehen im Alter von etwa 26 bis 30 Jahren.

Der «Bund» behandelt die rechtliche Seite der Frage, was man mit entflohenen Kriegsgefangenen anfangen soll: Es scheint, dass da und dort falsche Vorstellungen herrschen über die internationalen Vorschriften, die sich auf solche Fälle beziehen. Das Haager Abkommen von 1907 sagt: «Die neutrale Macht, die entwichene Kriegsgefangene bei sich aufnimmt, wird diese in Freiheit lassen. Wenn sie ihnen gestattet, auf ihrem Gebiete zu verweilen, so kann sie ihnen den Aufenthaltsort anweisen.» Die Schweiz ist also frei, solche Flüchtlinge abzuweisen; nimmt sie sie aber auf, so dürfen sie nicht als Gefangene behandelt werden.

Aktuelle Nachrichten