Zwei Meinungen, zwei Wahrheiten

Die Kirchbürger von Evangelisch-Warth-Weiningen wählten Primin Harder neu in die Kirchenvorsteherschaft. Im Zentrum der Versammlung stand jedoch die Kündigung von Pfarrer Rolf Meister.

Evi Biedermann
Drucken
Teilen
Pfarrer Rolf Meister spricht, Walter Aeschbacher hört zu. (Bild: bie)

Pfarrer Rolf Meister spricht, Walter Aeschbacher hört zu. (Bild: bie)

WARTH-WEININGEN. Die überraschende Kündigung von Pfarrer Rolf Meister hatte Anfang Jahr für Unruhe gesorgt in Warth-Weiningen, und es wurde viel geredet in den beiden Dörfern. Die Zeit bis zur Versammlung am 22. März schien den Kirchbürgern unendlich lang. Dann erst würden sie über das weitere Vorgehen informiert, teilte ihnen die Kirchenvorsteherschaft im Informationsschreiben vom 6. Januar mit.

Der Aufmarsch am Donnerstagabend war aussergewöhnlich. 88 Stimmberechtigte und 15 Gäste, darunter auch der Präsident des Kirchenrates, Wilfried Bührer, kamen in die Mehrzweckhalle.

Fehler auf beiden Seiten

Traktandiert waren auch Wahlen: Fünf Bisherige inklusive Präsident und ein neues Mitglied waren in die Kirchenvorsteherschaft zu wählen. Die Stimmbürger zogen es vor, sich mit den Geschäften zu befassen, wie sie traktandiert waren, und lehnten den Antrag einer Votantin ab. Sie hatte gefordert, man möge nun auch den Pfarrer reden lassen, nachdem der Präsident dies ebenfalls getan habe. Walter Aeschbacher hatte in seinem längeren Begrüssungswort geschildert, wie es zur Kündigung des Pfarrers gekommen war. Er tat dies mit viel Abstand zu Details und hielt fest: «Auch auf unserer Seite sind Fehler passiert.» Weiter räumte er ein, dass der Kirchenrat seit Beginn des Prozesses informiert und involviert gewesen sei.

Unbegründete Kündigung

Es war bereits nach 22 Uhr, als Pfarrer Meister zu Wort kam. Seine Rede war detaillierter. Vor allem in bezug auf Daten. Oder auf Gespräche, die verschoben, stattgefunden oder verweigert worden waren. Er habe nach kleinen Unstimmigkeiten in einer Sitzung im Mai 2011 mit beiden Vorsteherschaften bereits einen Monat später erfahren, dass er auf Sommer 2013 kündigen müsse. «Dies geschah ohne Angaben von Gründen, ohne Mediation.»

Für die Zuhörer war es schwierig, sich ein Bild zu machen, geschweige denn, die beiden Stellungnahmen miteinander zu vergleichen. Zwei Stunden lagen dazwischen. Zeit, in der die restlichen Traktanden Aufmerksamkeit verlangt hatten. Was man indes gern vernommen hätte – das Warum der Kündigung –, blieb in beiden Reden unangetastet. Vielmehr waren sie Chronologie von bedauerlichen Ereignissen. Ohne Vorwürfe, aber mit spürbarer Emotion vorgetragen. Die Sicht zweier Parteien, die Gleiches erlebt, dies aber anders erfahren und gewertet haben.

Das Publikum blieb erstaunlich still, es gab nur wenige Wortmeldungen. «Ich verstehe nicht, warum mein Vorschlag, der Pfarrer solle seine Kündigung zurückziehen, vom Kirchenrat abgelehnt wurde», sagte ein Votant. Eine Kündigung könne nur durch eine neue Wahl ins Gegenteil gekehrt werden, erklärte Wilfried Bühler die rechtliche Situation. Weitere Stimmen waren dem Pfarrer sehr zugetan.

Meister wird noch bis Juli 2013 in der Gemeinde bleiben. Diese Zeit sei zu nutzen, aufeinander zuzugehen und zu vergeben, machten am Ende alle Redner in unterschiedlichen Worten deutlich.