Zwei kleine Schulen an einem Ort

Bei der Gründung der Pädagogischen Hochschulen wandelten andere Kantone ihre Lehrerseminare zu Kantonsschulen um. Nur der Thurgau behielt sein Lehrerseminar bei, indem er es zur Pädagogischen Maturitätsschule umtaufte. Nun wird die Fusion mit der Kantonsschule diskutiert.

Thomas Wunderlin
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Die Kantonsschule Kreuzlingen liegt am westlichen Ende des Campus Kreuzlingen... (Bild: Nicolas Senn)

Die Kantonsschule Kreuzlingen liegt am westlichen Ende des Campus Kreuzlingen... (Bild: Nicolas Senn)

KREUZLINGEN. Alle benützen dieselbe Mensa. Sonst bewegen sich die Angehörigen der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) und der Kantonsschule Kreuzlingen meist in verschiedenen Welten. Ihre Gebäudekomplexe befinden sich beide auf dem Campus unterhalb der Kreuzlinger Klosterkirche – doch an entgegengesetzten Enden.

Bei der Gründung der Kantonsschule 1969 wurde der Anschluss ans damalige Lehrerseminar verworfen, «weil die ganz unterschiedlichen Zielsetzungen dieser Schulen getrennte Standorte nahelegten», schrieb René Schwarz in der Kantonsgeschichte von 1994.

Ohne Probezeit

Die Fusionsfrage ist wieder offen aufgrund einer SVP-Interpellation vom Februar 2013. Die Interpellanten wollten Kosten sparen und kritisierten, dass die PMS keine Probezeit kenne. Dadurch habe sie einen Vorteil im Konkurrenzkampf mit den Lehrmeistern um die knapper werdenden Schulabgänger. Bei der Behandlung der Interpellation im Januar 2014 versprach SVP-Regierungsrätin Monika Knill, die Fusion werde geprüft. Letzte Woche setzten Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) und Urs Martin (SVP, Romanshorn) mit einem Antrag zusätzlich Druck auf. Der Vergleich mit anderen Kantonen zeige, «dass sich der Thurgau hier einen Luxus leistet», begründeten sie ihren Vorstoss. «Mich wundert, dass sie nochmals kommen», sagt Lorenz Zubler, Rektor der Pädagogischen Mittelschule (PMS). «Wir haben den Auftrag, es zu prüfen.» Inhaltlich nehme er deshalb keine Stellung. Auch Kanti-Rektor Arno Germann lässt ausrichten, er sage nichts zum Thema Fusion.

Zubler ist jedoch bereit, den «Thurgauer Weg» zu erklären, den er lieber als «Thurgauer Modell» bezeichnet. «Ich finde es sinnvoll, sonst wäre ich nicht Rektor hier», sagt Zubler. «Es ist richtig, dass Schülerinnen und Schüler, die schon früh wissen, dass sie Lehrerin oder Lehrer werden wollen, schon vor der Matur Berufserfahrung sammeln.» Praxis und Theorie wirkten gegenseitig motivierend. Inzwischen würden die Diplome der PH Thurgau schweizweit anerkannt, somit auch das Thurgauer Modell. «Ein rechter Erfolg», sagt Zubler. Er betont, das Thurgauer Modell stehe nicht zur Debatte.

Doch damit wurde 2003 die Weiterexistenz des alten Lehrerseminars unter neuem Namen legitimiert. Eine Fusion mit der Kanti hätte schon damals nahe gelegen. Möglich gewesen wäre auch eine Umwandlung zur Pädagogischen Hochschule, so wie das Lehrerseminar Rorschach, ebenfalls in einem ehemaligen Kloster untergebracht, zur Pädagogischen Hochschule St. Gallen wurde. Ohne Thurgauer Weg gäbe es keine PMS.

Anne Varenne, Präsidentin des Lehrerverbands «Bildung Thurgau», findet eine Fusion «weder sinnvoll noch nachhaltig». Die PMS motiviere andere Jugendliche zur Lehrerausbildung, als das in einer Kantonsschule mit verschiedenen Ausrichtungen der Fall wäre. Ohne das damalige Seminar hätte auch sie sich nicht als Lehrerin ausbilden lassen.

Mehrere Profile in einem Haus

Auch BDP-Kantonsrat Huber findet, der Sonderweg sei eine «ideale Vorbereitung auf den Lehrerberuf». Dass eine Mittelschule verschiedene Profile umfasse, davon gebe es aber viele Beispiele. Bei einer Zusammenlegung könnte laut Huber etwa der Einsatz von Nebenfachlehrern besser koordiniert werden. Man finde leichter Ersatz, wenn einer krank sei. Huber weist darauf hin, wie klein die beiden Schulen seien. Nach Schülerzahlen sei die Kantonsschule Frauenfeld allein so gross wie PMS und Kantonsschule Kreuzlingen zusammen.

An dessen östlicher Grenze befindet sich die Pädagogische Maturitätsschule. (Bild: Donato Caspari)

An dessen östlicher Grenze befindet sich die Pädagogische Maturitätsschule. (Bild: Donato Caspari)