Zwei Klassen Lehrer

Werklehrer mit «alter» Ausbildung verdienen an Thurgauer Sekundarschulen weniger als solche mit neuer Ausbildung von der Pädagogischen Hochschule. Der Lehrerverband Bildung Thurgau kann das nicht nachvollziehen.

Kaspar Enz
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Nicht alle Lehrer, die Werken unterrichten, verdienen gleich viel. (Archivbild: Urs Bosshard)

Nicht alle Lehrer, die Werken unterrichten, verdienen gleich viel. (Archivbild: Urs Bosshard)

frauenfeld. Anne Varenne kann es nicht verstehen. «Da gibt eine Lehrperson seit 30 Jahren Werken, hat aber nicht die neuste Ausbildung von der PH», sagt die Präsidentin von Bildung Thurgau. «Doch diese erfahrene Lehrperson verdient weniger als eine, die frisch von der PH kommt, wo sie in dem Fach kürzer ausgebildet worden ist.» Vor allem auf der Sekundarstufe trete dieses Phänomen auf, sagt sie. Ein Sekundarlehrer ist im Lohnband 6 eingestuft.

In dieser Kategorie wäre auf der Sekundarstufe auch eine Lehrerin für nichttextiles Werken mit neuer Ausbildung eingeteilt. Mit «alter» Ausbildung ist sie auf Sekundarstufe nur im Lohnband 4. «Wir hätten gerne gewusst, warum das so ist», sagt Varenne. Was sie daran besonders störend findet: Fachlehrer, die die «alte» Ausbildung absolvierten, wurden im Fachbereich – zum Beispiel nichttextiles Werken – viel vertiefter ausgebildet als die frisch ausgebildeten Lehrpersonen mit Bachelor-Abschluss.

«Spannende Kombinationen»

An der Delegiertenversammlung von Bildung Thurgau stellen die Lehrerinnen und Lehrer heute einen Antrag an das Erziehungsdepartement. Sie fordern Regierungsrätin Monika Knill auf, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die die Einstufungen der Lehrkräfte überprüfen soll. In dem Schreiben sind weitere Beispiele aufgeführt, die die Lehrer irritieren.

So unterrichten Primarlehrer ohne Ausbildung für die Sekundarstufe dort im Lohnband 5 – eine Stufe höher als Werklehrer mit «alter» Ausbildung für die Sekundarstufe. «Da gibt es ganz spannende Kombinationen», sagt Anne Varenne.

Auf das Problem aufmerksam gemacht haben sie Lehrpersonen, sagt Anne Varenne. Die Oberstufenkonferenz habe dieses Anliegen schon seit längerem.

Varenne findet, eigentlich sollten alle Lehrpersonen auf der Oberstufe in der gleichen Lohnklasse eingestuft sein. «Aber in erster Linie fordern wir Antworten.»

Breitere Ausbildung

Nicht nur die Lehrer sind sich der Problematik bewusst. Man habe bereits eine Analyse gemacht, sagt Walter Berger, Chef des Amts für Volksschule (AV). Entscheide stünden allerdings noch aus. Neu sei die unterschiedliche Einstufung aber nicht, wirft Berger ein. «Das war schon früher so.

» Begründet sei sie in der unterschiedlichen Ausbildung. Werklehrpersonen seien zwar früher in ihrem Fachbereich vertiefter ausgebildet worden, aber auch weniger flexibel. Heute sind Fächer wie Werken und Gestalten nur eines von vielen Fächern, in denen die angehenden Lehrpersonen ausgebildet werden. «Gerade an kleineren Sekundarschulen ist man oft darauf angewiesen, das ein Lehrer auch mal ein anderes Fach geben kann.» Massgeblich sei das Patent für die jeweilige Schulstufe. Über ein Sekundarschulpatent würden «alte» Fachlehrer eben selten verfügen.

Auf sicheren Füssen

Auch wenn beispielsweise der Nachbarkanton St. Gallen «grosszügig» sei und alle Lehrkräfte auf der Sekundarstufe gleich entlöhne: Geändert werden könne diese Einstufung im Thurgau nicht einfach so, sagt Walter Berger. «Da stehen die grossrätliche Besoldungsverordnung und die Rechtsstellungsverordnung dahinter.» Rechtlich stehen sie also auf sicheren Füssen.

«Alle Rekurse gegen die Einstufungen sind bisher von der Rekurskommission und dem Verwaltungsgericht abgewiesen worden», sagt Berger.

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