Zwei «Jokertage» für Thurgauer Schulkinder

FRAUENFELD. Thurgauer Schülerinnen und Schüler dürfen künftig an zwei Tagen pro Schuljahr ohne Angabe von Gründen im Unterricht fehlen. Der Grosse Rat hat die sogenannten «Jokertage» und weitere Änderungen des Volksschulgesetzes am Mittwochnachmittag diskutiert.

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Thurgauer Schulkinder dürfen in Zukunft an zwei selbst gewählten Tagen frei machen. (Bild: Nana do Carmo)

Thurgauer Schulkinder dürfen in Zukunft an zwei selbst gewählten Tagen frei machen. (Bild: Nana do Carmo)

Das revidierte Gesetz soll Anfang des nächsten Schuljahres im August 2016 in Kraft treten. Bis die «Jokertage» eingeführt werden, sei die Motion, welche diese verlangte, vier Jahre alt, sagte Kommissionspräsident Peter Gubser (SP, Arbon) am Mittwochnachmittag im Grossen Rat. Obwohl die Anpassungen weitgehend unbestritten waren, dauerte die erste Lesung drei Stunden.

Ausser der Einführung von «Jokertagen», wie sie bereits die Mehrheit der Schweizer Kantone kennen, enthält die Vorlage eine Reihe weiterer Neuerungen. So kommen die Thurgauer Schülerinnen und Schüler in Zukunft jedes Jahr in den Genuss von zwei Wochen Weihnachtsferien, das heisst sie haben insgesamt 13 Wochen Ferien.

Die Ferienwochen werden für alle Schulgemeinden auf zwei Wochen Herbst-, zwei Wochen Weihnachts-, eine Woche Sport-, zwei Wochen Frühlings-, eine Woche Pfingstferien− und fünf Wochen Sommerferien festgelegt. Bisher konnten die Schulgemeinden einzelne Ferienwochen, beispielsweise die Pfingstferien, selbst festlegen. Schulgemeinden, welche die Ferientermine verschieben müssen, erhalten für die Umstellung zwei Jahre Zeit.

Probleme mit dem Datenschutz
Die Schüler und ihre Familien bekommen nicht nur mehr Freiheiten, die Eltern werden auch zur Zusammenarbeit verpflichtet. So sollen schulische Informationsveranstaltungen für die Eltern obligatorisch erklärt werden können. Bisher war dies erst für individuelle Elterngespräche und Besuche in der Klasse möglich.

Wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen, müssen die Lehrerinnen und Lehrer oder die Schulbehörden Hilfe veranlassen. Wer in solchen Fällen die Kindes− und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) informieren soll, war bei der Diskussion am Mittwoch jedoch unklar. Es gebe Probleme wegen des Datenschutzes, sagte Fabienne Schnyder (SVP, Zuben). Bis zur zweiten Lesung soll diese Frage geklärt werden, sagte Erziehungsdirektorin Monika Knill (SVP).

Lehrer sind keine «Ferienkünstler»
Umstritten war, ob und in welchem Umfang Lehrerinnen und Lehrer ausserhalb der Schulzeit zu schulischer Arbeit verpflichtet werden. Regierungsrat und vorberatende Kommission wollten Lehrpersonen jährlich zu acht Arbeitstagen verpflichten, Lehrkräfte mit einem 50-Prozent-Pensum zu vier Arbeitstagen.

Dagegen wehrten sich die Lehrerinnen und Lehrer im Parlament jedoch. «Laut einer Studie von 2009 beziehen Lehrerinnen und Lehrer fünfeinhalb Wochen Ferien pro Jahr. Wenn sie weitere acht Tage arbeiten müssen, hätten die Lehrerinnen und Lehrer weniger Ferien als jeder andere Arbeitnehmer in der Schweiz», sagte Käthi Zürcher (CVP, Romanshorn).

Nach langen Diskussionen und zwei Anträgen entschied sich die Ratsmehrheit schliesslich doch für die Kommissionsfassung. (sda)