Zwei Firmen machen den Anfang

Auf dem verwaisten Areal der Firma Müller Martini in Felben-Wellhausen tut sich was. Als erste Mieter sind Anfang Oktober die Baumer Group aus Frauenfeld und die Blechumform GmbH aus Buch in den Martini-Park gezogen.

Evi Biedermann
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Eine Werbetafel am Strassenrand ausgangs Felben weist auf die leerstehenden Flächen auf dem Areal der Firma Müller-Martini hin. (Bild: Reto Martin)

Eine Werbetafel am Strassenrand ausgangs Felben weist auf die leerstehenden Flächen auf dem Areal der Firma Müller-Martini hin. (Bild: Reto Martin)

FELBEN-WELLHAUSEN. Nach dem Wegfall von rund 300 Arbeitsplätzen auf Ende 2014 kommt nun wieder Leben in die ehemaligen Fabrikationshallen der Müller Martini in Felben. Seit dem fast kompletten Rückzug von Müller Martini aus Felben sind dort 19 500 Quadratmeter Industriefläche frei geworden. 17 000 für die Produktion und 2500 Bürofläche.

Anfang Oktober nun sind 2800 Quadratmeter davon wieder vermietet, wie Martin Hungerbühler von der Firma Hungerbühler und Partner aus Waldkirch auf Anfrage erklärt. Die Firma ist für die Vermietung des Martini-Areals zuständig.

Zwei Firmen aus der Region

Die ersten Mieter sind die Firma Blechumform GmbH aus Buch bei Frauenfeld und die Baumer Group aus Frauenfeld. Blechumform gehört Heiri und Martina Gisler. Der Metalldrücker aus Buch hat sich kürzlich mit der Übernahme eines Betriebs in Jona-Rapperswil selbständig gemacht und nutzt nun die Gelegenheit, sich in der Nähe seines Wohnortes anzusiedeln. Schulabgängern kann er zudem eine Lehrstelle anbieten. Die Firma stellt etwa Pfannendeckel, Abfalleimer oder Feuerschalen her.

Ein Vorteil am neuen Standort sieht Gisler auch in bezug auf Lärm und andere Emissionen, die sein Handwerk erzeugen. «Dort, wo ich nun produziere, sind keine Wohnungen in der Nähe», sagt Gisler. Ideal am neuen Standort sei auch, dass genügend Platz vorhanden ist für Lastwagen, die ihn beliefern.

Die Baumer Electric AG investiert in die Modernisierung und Automatisierung ihres CNC Maschinenparks und beschafft mehrere hochmoderne CNC Dreh- und Fräscenter mit vollautomatischer Robotik. Da am Firmensitz in Frauenfeld kein Platz mehr vorhanden ist für diese neuen, grossen Maschinen, wurde die gesamte CNC Produktion mit rund zehn Arbeitsplätzen nach Felben verschoben. Müller Martini zähle seit Jahrzehnten zu den besten Kunden für die High-Tech Sensoren der Baumer Group, sagt Baumer-CEO Oliver Vietze. «Es freut uns, dass wir im Martini-Park eine geeignete Lokalität gefunden haben und damit zur Belebung des Areals beitragen können.»

Es soll produziert werden

Für die Vermietung zuständig ist die Hungerbühler und Partner AG in Waldkirch. Man sei in Kontakt mit potenziellen Mietern, sagt Martin Hungerbühler. «Die Verhandlungen laufen.» Ziel ist nach wie vor, produzierendes Gewerbe und Industriebetriebe als Mieter zu gewinnen. Wie Hungerbühler erklärt, mangelt es nicht an Interessenten. «Etliche allerdings fragen nach kleinen Flächen, 200 oder 300 Quadratmeter.» Flächen dieser Grösse würden jedoch nicht vermietet, das wäre mit grossem Aufwand und Kosten verbunden. Zudem wolle man keine Zerstückelung.

Müller Martini bleibt Besitzer

Mit der Schliessung des Produktionsstandorts Felben baute die Zofinger Müller Martini Druckverarbeitungssysteme AG bis Ende 2014 rund 300 Arbeitsplätze ab. Erhalten geblieben ist einzig das Know-how-Center für Klebebindung. Dazu gehört auch eine Buchbinde-Akademie, in welcher der weltweit tätige Konzern jährlich bis zu 600 Mitarbeiter und Kunden auf den neusten Maschinenmodellen schult. Noch im Abbauprozess gab Müller Martini bekannt, dass die grossräumige und weitläufige Liegenschaft nicht verkauft werde, sondern sich auf dem Areal, das sich nun Martini-Park nennt, neue Firmen ansiedeln sollten.

Oliver Vietze CEO der Frauenfelder Firma Baumer Group (Bild: pd)

Oliver Vietze CEO der Frauenfelder Firma Baumer Group (Bild: pd)