Zwei Firmen, ein Grossprojekt

Kommenden Spätwinter nehmen die zwei Maschinenbau-Unternehmen Blumer und Awema in Oberneunforn ihren Betrieb auf. Gestern war Spatenstich für den neuen Doppel-Firmensitz. Investiert werden knapp zehn Millionen Franken.

Mathias Frei
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Eine Visualisierung des Neubaus im Gebiet Brüel in Oberneunforn. (Bild: pd)

Eine Visualisierung des Neubaus im Gebiet Brüel in Oberneunforn. (Bild: pd)

OBERNEUNFORN. Für die Baubewilligung legte Neunforns Gemeinderat sogar eine Extra-Sitzung in den Sommerferien ein. Von einem «ausserordentlichen Projekt» sprach denn auch Gemeindepräsident Benjamin Gentsch beim gestrigen Spatenstich. Alle Beteiligten seien darum bemüht gewesen, dass die Firmenansiedlung «ausserordentlich schnell» vonstatten gehen könne. Und es ging wahrlich schnell.

Diesen April fanden erste Gespräche mit der Gemeinde Neunforn statt. Und schon kommenden Februar gehen die zwei Maschinenbau-Unternehmen Blumer und Awema im Gebiet Brüel am westlichen Dorfrand Oberneunforns in Produktion (siehe Kasten). Im März wird dann auch der Bürotrakt eröffnet. Die beiden KMU verlegen sowohl ihre komplette Fabrikation als auch ihre Hauptsitze in die Gemeinde Neunforn.

Mindestens 60 neue Stellen

In Neunforn gibt es derzeit rund 230 Vollzeitarbeitsstellen. Mit Blumer und Awema kommen laut René Amherd «mindestens 60 neue Arbeitsplätze» dazu. Amherd ist Inhaber und CEO der beiden Firmen. Es scheint so, als hätten sich zwei gefunden, nämlich Unternehmer Amherd und das brach liegende Gebiet Brüel. Die knapp 11 000 Quadratmeter grosse Parzelle in der Industrie- und Gewerbezone war seit Jahren erschlossen, mehrere kleinere Projekte waren angedacht. Aber realisiert wurde keines. Amherd wiederum suchte seit einiger Zeit für die beiden Unternehmen einen Doppel-Firmensitz – und fand ihn im «Brüel». Der Unternehmer wand Gemeinde und Kanton für die konstruktive Zusammenarbeit ein Kränzchen.

«Wir glauben an die zwei Firmen», sagte Amherd gestern. Es nütze einem wenig, über die Euroschwäche zu diskutieren. Man müsse einfach machen. Und so investiert er nun einen Betrag, der, so hofft Amherd, noch knapp im einstelligen Millionenbereich bleibt, also knapp zehn Millionen Franken. Erstellt wird damit ein hundert Meter langer Bau mit 4000 Quadratmetern Produktionsfläche und 1600 Quadratmetern Büroraum. So können die beiden Firmen unter anderem «Synergien im Fertigungs- und Montagebereich» nutzen.

Kein Mehrverkehr fürs Dorf

Der zukünftige Mehrverkehr gehe nicht durchs Dorf, konnte Amherd beruhigen. Bisherige Mitarbeiter würden übernommen, bei zukünftigen Personalvakanzen werde dann aber im Thurgau rekrutiert. Geheizt wird mit Wärmepumpen, später wäre auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach möglich. Der Neubau beeinträchtige das Dorfbild nicht, fügte Gemeindepräsident Gentsch an. Dass dies nicht nur Gentschs Meinung ist, zeigt sich in der Tatsache, dass gegen das Bauprojekt keine einzige Einsprache einging.

Die Tragweite des Firmenzuzugs aus dem Kanton Zürich machte sich gestern auch in der der Anwesenheit von Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer bemerkbar. «Vielen Dank der Unternehmerschaft für die schöne Ansiedlung, für die Investition und für den Mut zum Umzug», richtete Schläpfer aus. Der Standort sei gut gewählt, er zeichne sich durch seine Nähe zum Flughafen und zu Zürich aus. Zudem sei der Thurgau mittlerweile durchaus steuergünstig. Weiter hätten Behörden im Thurgau den Ehrgeiz, Gesuche und Anfragen rasch und unbürokratisch zu behandeln. «Wir wollen, dass sich Unternehmen und Unternehmer bei uns im Kanton wohl und willkommen fühlen», fasste Regierungsrat Schläpfer zusammen.

Beim Spatenstich mit allen Beteiligten: Firmeninhaber René Amherd (ganz rechts), Regierungsrat Kaspar Schläpfer (4. v. r.) und Gemeindepräsident Benjamin Gentsch (5. v. r). (Bild: Mathias Frei)

Beim Spatenstich mit allen Beteiligten: Firmeninhaber René Amherd (ganz rechts), Regierungsrat Kaspar Schläpfer (4. v. r.) und Gemeindepräsident Benjamin Gentsch (5. v. r). (Bild: Mathias Frei)