Zwei ersetzen ein Orchester

FRAUENFELD. Seit Jahren touren die beiden Cellisten Alain Schudel und Daniel Schaerer als Duo Calva durchs Land und feiern mit ihren Musik-Parodien grosse Erfolge. Am Neujahrstag kam es in Frauenfeld zu einem weiteren umjubelten Auftritt.

Christof Lampart
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Die beiden Cellisten Alain Schudel und Daniel Schaerer unterhalten als Duo Calva. (Bild: Christof Lampart)

Die beiden Cellisten Alain Schudel und Daniel Schaerer unterhalten als Duo Calva. (Bild: Christof Lampart)

Es gibt klassische Werke und Ereignisse, an denen quasi niemand in der modernen Zivilisation vorbeikommt. Selbst Klassik-Muffel nicht. Sei es, dass bei der eigenen Hochzeit fast zwangsläufig ein entsprechender Marsch – meistens wahlweise von Mendelssohn oder Wagner – intoniert, ein Sieger mit «Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss angekündigt oder ein Verblichener zu Chopins «Marche Funèbre» zu Grabe getragen wird.

Doch es gibt auch viele weit weniger öffentliche, jedoch nicht minder gewichtige «Rituale» rund um die klassische Musik. Wenn es beispielsweise darum geht, einen jungen Menschen für die klassische Musik zu begeistern, dann stehen oft das Neujahreskonzert der Wiener Philharmoniker und – im Falle der Oper – Mozarts «Zauberflöte» auf dem Programm.

Zwei auf einen Streich

Was für ein Glück war es also für die über 500 teils sehr jungen und oft sehr viel älteren Zuhörerinnen und Zuhörer, welche sich am Neujahrstags-Abend in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld eingefunden hatten. Denn dort gastierte auf Einladung der Frauenfelder Abendmusiken Duo Calva und gab eben nicht nur ein Neujahrskonzert zum Besten, sondern zugleich auch die Zauberflöte. Wer Duo Calva schon kannte, wusste, dass das Stück «Heute Abend: Zauberflöte» nicht das neueste ist, ja vielmehr ein wahrer firmeninterner «Oldie, but Goldie» ist und deshalb nach wie vor gerne gespielt wird. Doch das hat auch seinen berechtigten Grund. Denn die Calva'sche Variante des Opernmeisterwerkes bietet genauso wie das Original vor allem eines: ganz viel Qualität.

Nur die Russen fehlten

Das Tolle an Duo Calva ist, dass sie bei ihren Auftritten nicht nur beste Unterhaltung garantieren, sondern auch Kennern immer wieder neue Facetten rund ums Meisterwerk Mozarts offenbaren. Genial und witzig mutete da beispielsweise die humorvolle 63sekündige musikalische «Zusammenfassung» der ganzen Oper an, welche zu Beginn erklingt und einen schon einmal ganz baff zurücklässt. Spannend wird es aber dann, wenn die Musiker zwischen der «Zauberflöte» und anderen Werken (da reichte das Spektrum von «Ewigi Liebi» bis hin zu Bizets «Carmen») fliessend hin und her wechselten und somit dem Publikum deutlich offenbarten, dass Musik Genre übergreifend viele Gemeinsamkeiten hat. Es war somit ein Abend, der für alle Musikliebhaber etwas bot. Für Laien gute Unterhaltung, für Kenner das eine oder andere Supplement an Erkenntnis. Dass am Ende das fiktive russische Tournée-Orchester, auf das die beiden «Orchester-Zuzüger» über eine geschlagene Stunde «warten», nicht kommt, macht nichts. Denn viel besser als Schudel und Schaerer hätten es wohl die Russen gar nicht machen können.

Das Publikum entlockte den Künstlern am Ende mit einem langen Applaus zwei Zugaben und dürfte am Ende höchst zufrieden den Heimweg angetreten haben. Der musikalische Auftakt ins Jahr 2014 ist den Frauenfelder Abendmusiken auf jeden Fall gelungen.