Zwei Drittel der Poststellen sind zu

FRAUENFELD. Im Thurgau geht das Poststellensterben deutlich schneller voran als im landesweiten Schnitt. Im Jahr 2001 gab es 132, heute sind es nur noch 44 Poststellen und 31 Postagenturen. Für den Kanton ist nun die Schmerzgrenze erreicht.

Silvan Meile
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Die Poststelle in Pfyn wird geschlossen und als Agentur an einem anderen Standort weitergeführt. (Bild: Reto Martin)

Die Poststelle in Pfyn wird geschlossen und als Agentur an einem anderen Standort weitergeführt. (Bild: Reto Martin)

Im Thurgau folgt auf eine Poststellenschliessung die nächste. In 14 Jahren schloss die Post zwei Drittel ihrer Filialen oder brachte sie bei einem Partner als Agentur unter. Im Jahr 2001 gab es noch 132 reguläre Poststellen im Kanton, davon haben heute noch 44 geöffnet. Hinzu kommen 31 Agenturen, die beispielsweise im Dorfmarkt einen eingeschränkten Service der Post nebenbei anbieten.

Thurgau stark betroffen

«Die Thurgauer Bevölkerung hat einen erheblichen, schweizweit überdurchschnittlichen Abbau an Poststellen erlitten», sagt Werner Müller von der kantonalen Abteilung für öffentlichen Verkehr und Tourismus. Mit der Schliessung von 67 Prozent aller Poststellen innerhalb von 14 Jahren sparte die Post offensichtlich einschneidend im Thurgau. Schliesslich hat die Post die Vorgabe vom Bund, wirtschaftlich zu sein. Gemäss Geschäftsbericht 2014 fuhren die Poststellen im vergangenen Jahr immer noch einen Verlust von 100 Millionen Franken ein. Unter diesem wirtschaftlichen Druck und dem laufenden Rückgang der Nachfrage an Postdienstleistungen geht wohl auch das Poststellensterben ungebremst weiter.

Kanton unterstützt die Pfyner

In der Gemeinde Pfyn informierte die Post die Bevölkerung kürzlich über die Schliessung und die Eröffnung einer Agentur im Volg. Dagegen wehrt sich der Gemeinderat. Er beschwert sich in einem Brief an die Aufsichtsbehörde PostCom. Diese hat die Aufgabe, die Post in der Erfüllung der Grundversorgung zu überwachen. Vor allem weil die Poststelle in Pfyn bis 2013 mit durchschnittlich 138 Kunden pro Tag sehr gut frequentiert gewesen sei, ärgern sich die Pfyner. Denn zuerst habe die Post ihre Öffnungszeiten reduziert und somit unattraktiv gemacht. Danach habe der daraus resultierende Rückgang an Kunden als Argument gedient, die Filiale in Pfyn zu schliessen, lautet der Vorwurf im Brief. Diese «Salamitaktik» wende die Post immer wieder an.

8 Poststellen reichen im Thurgau

Unterstützung in ihrem Protest bekommen die Pfyner vom Kanton. «Der Thurgau droht zum postalischen Ödland zu verkommen», sagt Werner Müller. Seine Abteilung half den Pfynern, den Brief zu verfassen, und lieferte Zahlen und Fakten. «Der Kanton und die Thurgauer Gemeinden sind nicht mehr bereit, einen weiteren Abbau des Service Public hinzunehmen», heisst es im Schreiben.

«Rein juristisch gesehen haben wir kaum eine Chance», sagt Pfyns Gemeindepräsidentin Jaqueline Müller. Das Schreiben soll aber wenigstens als Zeichen des Protests verstanden werden.

Nebst dem Brief an die Postkommission wird auch auf dem politischen Weg Druck aufgebaut. Das Problem werde beim nächsten Treffen zwischen der Thurgauer Regierung und den eidgenössischen Parlamentariern des Kantons vor der Herbstsession besprochen, sagt Müller. Ob daraus der Grundstein für eine Stärkung des Service Public gelegt und so das Poststellensterben gebremst wird, bleibt wohl eher fraglich.

Gemäss aktueller Postverordnung muss pro sogenannter Raumplanungsregion mindestens eine Poststelle vorhanden sein. Demnach könnte im Thurgau das Poststellennetz bis etwa acht reguläre Poststellen weiter ausgedünnt werden.

Post dementiert den Vorwurf

Die Post habe einen schwierigen Spagat zwischen wirtschaftlichen Vorgaben des Bundes und dem ebenfalls erwarteten guten Kundenservice zu machen, sagt Erich Schmid, Leiter Kommunikation Ost bei der Post. Häufig seien dabei Agenturen mit ihren langen Öffnungszeiten eine gute Lösung, gerade in eher kleinräumigen Siedlungsstrukturen wie dem Thurgau. Dem Vorwurf, mit reduzierten Öffnungszeiten die Kundenfrequenzen gezielt zu verschlechtern, um später die Poststelle zu schliessen, könne die Post mit Zahlen entgegenhalten. «Es ist gerade umgekehrt. Die rückläufige Nutzung zwingt uns zu einer Anpassung der Öffnungszeiten», sagt Schmid, «wir versuchen das aber zu vermeiden, weil sich der Rückgang dadurch nur noch verstärkt».