«Zwei-, dreimal sind wir umgekehrt»

Mona Vetsch ist für das SRF auf «Wahlfahrt»: Die Thurgauer Moderatorin hat acht Nationalräte unterschiedlicher Parteien je einen Tag lang im Wahlkampf begleitet. In einem alten Mercedes-Benz fährt Vetsch die Politiker von einem Termin zum nächsten.

Katharina Brenner
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Die Thurgauer Moderatorin Mona Vetsch geht für SRF auf «Wahlfahrt»: Als Chauffeuse begleitet sie acht Politiker im Wahlkampf. (Bild: Nana do Carmo)

Die Thurgauer Moderatorin Mona Vetsch geht für SRF auf «Wahlfahrt»: Als Chauffeuse begleitet sie acht Politiker im Wahlkampf. (Bild: Nana do Carmo)

Frau Vetsch, Sie haben als Chauffeuse Politiker auf dem Wahlkampf durch die Schweiz gefahren. Warum?

Mona Vetsch: Die Interviewsituation ist eine total andere. Im Auto kommt ein richtiges Gespräch zustande, es ist keine klassische Interviewsituation. Die Politiker können nicht nur ihre einstudierten parteipolitischen Statements von sich geben. Uns ging es darum, herauszufinden, warum sie sich in der Politik engagieren, was ihre Motivation ist.

Ist Ihnen das gelungen?

Vetsch: Die Gespräche waren ganz unterschiedlich. Die einen waren ganz authentisch und gelöst, bei anderen hat man gemerkt, dass sie in ihrer Rolle als Politiker bleiben. Für manche hat Privates nichts in der Öffentlichkeit zu suchen. Das ist auch ihr Recht.

Welche der acht Politiker haben Sie als besonders offen erlebt?

Vetsch: Das kann ich so nicht sagen, dann würden Sie automatisch wissen, wer nicht aus seiner Rolle herauskam. Das soll jeder Zuschauer selbst entscheiden können.

Wie haben die Politiker auf Ihr Angebot reagiert, sich einen Tag lang von Ihnen durch die Gegend kutschieren zu lassen?

Vetsch: Sehr positiv. Es wäre interessant gewesen, wenn jemand abgesagt hätte. Aber mitten im Wahlkampf ist so etwas natürlich willkommen.

Wie ist die Idee zur «Wahlfahrt» entstanden?

Vetsch: Die Idee kommt ursprünglich vom ORF. In Österreich gab es vor der letzten Parlamentswahl eine «Wahlfahrt». Unser Projekt war mit dem Sender abgesprochen.

Sie sind quer durch die Schweiz gefahren. Hat Ihnen eine Strecke besonders gut gefallen?

Vetsch: Ich habe von der Strecke gar nichts mitbekommen. Ich war so mit dem Fahren, dem Einhalten der Verkehrsregeln und den Gesprächen beschäftigt, dass zum Schauen keine Zeit blieb. Viele landschaftliche Schönheiten sehe ich jetzt in der Sendung zum ersten Mal.

War es eine Herausforderung, Auto zu fahren und gleichzeitig Politiker zu interviewen?

Vetsch: Das ging gut. Normalerweise redet man ja auch im Auto. Und ich fahre gerne Auto. Das kommt durch meine Thurgauer Sozialisierung. Ich bin in einem Ort ohne öV aufgewachsen, da wollte jeder so schnell wie möglich den Führerschein machen. Was die Strecken anging, war es ein grosser Vorteil, dass sich die Politiker in ihren Wahlkreisen gut auskennen. Sie haben in der Regel gesagt, wo es langgeht. Aber zwei-, dreimal mussten wir umkehren, weil wir uns verfahren hatten. Das war ein gutes Zeichen – wir waren so im Reden drin, dass wir vergessen haben, auf den Weg zu achten.

Wie haben Sie sich auf die Gespräche vorbereitet?

Vetsch: Vor jeder Sendung gab es eine Besprechung mit dem Produzenten. Ich habe natürlich viel über die Politiker und ihre Arbeit und Ansichten gelesen und mich über ihren Werdegang informiert. Oft habe ich dann aber auch ins Blaue gefragt. Und das Schöne war: wenn man gemeinsam im Auto unterwegs ist, sieht man so viel, worüber man sprechen kann. Da ergeben sich dann ganz spontan Themen und Gespräche.

Hat Sie etwas besonders überrascht?

Vetsch: Es war neu für mich, den Wahlkampf aus der Nähe zu erleben. Man kennt Politiker aus dem Bundeshaus und aus der «Arena», aber sie in Situationen zu sehen, die frustrierend sein können, war neu für mich.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vetsch: Aline Trede von den Grünen hat an einem Nachmittag Unterschriften gesammelt am Bahnhof von Biel. Sie musste Leute ansprechen und ihnen erst einmal erklären, worum es geht. Ich hatte den Eindruck, dass Politik echte Knochenarbeit ist – auf ganz verschiedene Weise.

Inwiefern?

Vetsch: Aline Trede arbeitet viel mit Social Media und möchte ihre Wähler im Internet erreichen. Markus Ritter von der CVP kennt als Bauernpräsident viele persönlich. Wir waren bei einer Veranstaltung, da kannte er alle mit Vornamen. Im Wahlkampf sind die Politiker jeden Abend unterwegs. Es gibt also ganz unterschiedliche Wege nach Bern. Aber jeder, der es schafft, hat eine Ochsentour absolviert.

«Wahlfahrt» läuft auf SRF1 um 20.05 Uhr am 16.9. mit Aline Trede (Grüne, Bern) und Markus Ritter (CVP, St. Gallen), am 23.9. mit Natalie Rickli (SVP, Zürich) und Andrea Caroni (FDP, Appenzell Ausserrhoden), am 30.9. mit Maja Ingold (EVP, Zürich) und Beat Flach (GLP, Aargau)